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Martin Dornes – Die Modernisierung der Seele

Cover Dornes

Buchempfehlung

Das Frankfurter Institut für Sozialforschung ist seit den Tagen Horkheimers und Adornos kaum dafür bekannt, dass es der bundesrepublikanischen Öffentlichkeit in seinen Publikationen ein Übermaß an gesellschaftlichem Optimismus zumutet. Umso erstaunlicher, dass Martin Dornes, langjähriges Kollegiumsmitglied des Instituts, in seiner jüngsten Veröffentlichung im Hinblick auf die Situation von Kindern, Jugendlichen und Eltern in der zeitgenössischen Gesellschaft zu einer Einschätzung gelangt, die auf eine umfassende Entdramatisierung der gängigen Krisenszenarien hinausläuft.

Wenn der geneigte Leser das Feuilleton seiner Tageszeitung aufschlägt, wird er, weitgehend unabhängig von der linksliberalen oder konservativen Ausrichtung seines Lieblingsorgans, tagtäglich mit eher düsteren Meldungen zur psychosozialen Lage unseres Nachwuchses konfrontiert. Kinder seien reizüberflutet und unkonzentriert, sie hantierten nur noch mit Handys und Computern, globalisierungsgestresste Eltern begünstigten ein Klima der Wohlstandsvernachlässigung oder hinderten ihre Kinder durch subtile Formen der fürsorglichen Belagerung an ihrer Autonomisierung, der antiautoritäre Erziehungsstil fördere den allgemeinen Orientierungs- und Disziplinverlust und die von der Kultusbürokratie angezettelten G8-Reformen beraubten die Schüler ihrer Kindheit und verwandelten sie in miniaturisierte Leistungsträger . Dass 80 Prozent der Berichterstattung über Eltern und Kinder derart negativ ist, führt Dornes auf das Strukturprinzip der Medien zurück: Bad news are good news and good news are no news. Auf gut 500 Seiten widerlegen die von Dornes akribisch zusammengetragenen empirischen Daten dieses auf „atmosphärischen Labilitätseindrücken“ beruhende Lamento Punkt für Punkt und beweisen, dass die öffentlich gestreuten und gefühlten Wahrnehmungen mit den realen Fakten nicht übereinstimmen: „Noch nie,“ so die Essenz seiner Forschungsergebnisse, die ihm zweifellos aus allen Lagern den Vorwurf der Affirmation eintragen werden, „waren Kinder und Jugendliche in Deutschland so zufrieden, gesund, gebildet und wohlhabend wie heute.“ Gleichwohl räumt der Autor ein, dass sich in dem weit verbreiteten Gefühl, Kinder und Erwachsene würden immer kränker und alles würde immer unsicherer, eine begründete Ahnung über den inneren Zusammenhang von Freiheit und Risiko ausdrücke. „In der warmen Waschküche eingelebter Tradition lässt sich beengt, aber sicher leben. Betreten wir das freie Feld, so weht gelegentlich ein rauerer Wind, an den wir uns erst gewöhnen müssen, bevor wir ihn zu schätzen wissen; und mancher wird ein Leben lang die Waschküche bevorzugen.“

Dass Dornes Plädoyer für das Leben im Frost der Freiheit trotz seines einschüchternden Volumens auch für den Nichtwissenschaftler lesbar ist, mag ein Witz aus dem Vorwort illustrieren, mit dem der Autor seine fünfjährige Arbeit an seinem Studienobjekt charakterisiert. Eines Tages sagt der Ethnologe beim Frühstück zu seiner Frau: „Es gibt so viele Mythen, Gerüchte und schreckliche Geschichten über die Indianer. Ich will das alles mal genauer untersuchen.“ Nach vielen Jahren kehrt er zurück und seine Frau begrüßt ihn an der Haustür und sagt: „Schön, dass du wieder da bist. Und was hast du bei den Indianern eigentlich gelernt.“ Und der Ethnologe antwortet: „ich habe gelernt, dass alles halb so wild ist.“

Günter Franzen, Frankfurt am Main

Martin Dornes. Die Modernisierung der Seele. Kind-Familie-Gesellschaft
S. Fischer Verlag, 2012, 12.99 €

Wolfgang Pohrt

Kapitalismus forever

Über Krise, Krieg, Revolution, Evolution, Christentum und Islam

Im Science-Fiction-Klassiker Alien kämpft eine Raumschiffbesatzung gegen ein außerirdisches Monster. Zur Crew gehört unter anderem der Android Ash, der eine exklusive Meinung über das Monster hat: „Ich bewundere die konzeptionelle Reinheit. Geschaffen, um zu überleben. Kein Gewissen beeinflusst es“. Einen Bruder im Geiste scheint Ash nun in Wolfgang Pohrt gefunden zu haben, der in seinem neusten Buch Kapitalismus Forever einer ähnlich bizarren Schwärmerei das Wort redet: „Wunderbar, dieses Kapital, einfach wunderbar. Sein einziger Daseinszweck besteht darin, sich zu vermehren – wie das Leben selbst“. Was macht, fragt man sich verwundert, der ausgewiesene Marxist Pohrt da bloß?
Während anderswo der kommende Aufstand beschworen wird, erklärt er leichthändig, warum der Kapitalismus trotz Krise so gut funktioniert und wieso sich die Kritik an ihm seit eh und je die Zähne ausbeißt. Die Formel für die Art und Weise, wie das Erzählen in Kapitalismus Forever vonstatten geht, wird gleich zu Beginn mitgeliefert: „Der Blick zurück ist ein Blick in den Spiegel“. Über die Abrechnung mit seiner eigenen Vergangenheit, die mit den 68ern eng verknüpft ist, gelangt Pohrt zu einer schonungslosen Analyse der gegenwärtigen gesellschaftlichen Verhältnisse.
Analog zum Android Ash, einem künstlichen Menschen, handelt es sich bei dem Ich, das in Kapitalismus Forever spricht, um eine Kunstfigur. Sie lässt ein bestimmtes Bild vom Autor entstehen. Pohrt erscheint zum einen unheimlich zynisch und altersweise, der gegen jeden und alles polemisiert: vor allem aber gegen den Marxismus. Das zu lesen macht Laune. Der Ton ist passagenweise so ätzend wie das grüne, schleimige Blut, das durch die Adern des Aliens rinnt. Zum anderen tritt Pohrt aber auch zutiefst verunsichert auf, mit sich selbst ringend, ob der Kapitalismus nicht doch endlich sei.
All das spielt sich auf knapp 100 Seiten ab. Die komplexe Themenreihe, wie sie der Untertitel annonciert, wird förmlich in Lichtgeschwindigkeit abgehandelt. Auf der Strecke bleiben dabei manchmal unweigerlich die Argumente und Pointen. Die Lektüre wird deshalb zu einer speziellen Kopfsache: Kopfnicken und Kopfschütteln wechseln sich dabei ab.  Sich stets bestätigt zu fühlen wäre allerdings auch langweilig.
Hoffnung auf ein Leben jenseits des Kapitalismus macht Pohrt jedenfalls nicht. Er würde es in der Hinsicht wohl eher mit Ash halten: „Sie scheinen immer noch nicht zu begreifen, womit Sie es zu tun haben: Mit einem perfekten Organismus“.

Malte Kleinjung

Wolfgang Pohrt
Kapitalismus Forever .  
Über Krise, Krieg, Revolution, Evolution, Christentum und Islam.
Edition Tiamat, 2012, 13,- Euro

 

 

 

Unsere Lieblingsbücher und ein Satz dazu …

… mehr zu den Büchern erfahren Sie durch einen *Klick* auf das Cover, Sie landen dann auf unserer Website www.kommbuch.com.
 
 Belletristik / Sachbuch:
 
Olivier Adam:
Gegenwinde

Roman
Aus dem Französischen von Andrea Spingle
 
Klett-Cotta Verlag
 
"Ein Jahr nach dem spurlosen Verschwinden seiner Frau Sarah erträgt es Paul nicht länger, in Paris zu leben. Mit seinem neunjährigen Sohn und seiner fünfjährigen Tochter zieht er in seine Heimatstadt an die bretonische Küste, in der vagen Hoffnung, dort die Scherben des Familienlebens wieder zusammenfügen, seine Kindern dem unerträglichen Schmerz zu entreißen und von neuem im Leben Fuß fassen zu können. (…) Der Versuch eines Neuanfangs zwischen Hoffnung und Verzweiflung, gespiegelt und metaphorisch tief durchdrungen von eindrücklichen Naturbeobachtungen." CG
 
 
Zsuzsa Bánk:
Die hellen Tage
Roman
 
S. Fischer Verlag
 
 "… Es wäre noch viel zu sagen über die Meisterschaft, mit der Bánk ihre Geschichte aufgebaut hat, die vielen literarischen Kunstgriffe, die Sprache … Aber besser ist es, eins der wohl ungewöhnlichsten und schönsten Bücher dieses Jahres einfach selbst zu lesen" IH
 
 
 
  
 
Michael Kumpfmüller:
Die Herrlichkeit des Lebens
Roman
 
Kiepenheuer & Witsch
 
"… Dieses letzte Jahr im Leben Kafkas – der im Buch immer nur „der Doktor“ genannt wird – erzählt Michael Kumpfmüller in „Die Herrlichkeit des Lebens“, und er schreibt einen Roman, keine Biographie. Der Autor kennt sich in den Texten, Briefen und Tagebüchern Kafkas aus, geht aber weit darüber hinaus. Indem er abwechselnd die Perspektiven von Kafka und Dora Diamant wechselt, entsteht ein dichtes und zartes Bild des Dichters, das über den bekannten Zauderer, gedemütigten Sohn und verquälten Schriftsteller hinausreicht." RR
 
 
 
Wolfgang Büscher:
Hartland
Zu Fuß durch Amerika
 
Verlag Rowohlt Berlin
 
"… Büscher schafft es, all dem bereits Geschriebenen, Bekannten über Amerika etwas Neues hinzuzufügen. Das Laufen erzeugt einen Rhythmus, dem Büschers Sprache folgt. Sie ist klar, lakonisch, manchmal durchaus pathetisch, oft komisch.
Dieses Buch liest sich einfach großartig – und außerdem lernt man das eigene Sofa dabei doch sehr schätzen!" RR
 
 
 
 
Lorenza Foschini: Prousts Mantel
Die Geschichte einer Leidenschaft
Aus dem Italienischen von Annette Kopetzki
 
Verlag Nagel & Kimche
 
"Jacques Guérin war Eigentümer der berühmten Parfumfabrik „Parfums d’Orsay“ vor den Toren von Paris. Seine Mutter hatte das Unternehmen aufgebaut; 1936 übernahm der Sohn die Leitung, die er bis in die 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts innehatte. Aber er hatte nicht nur eine „Nase“ für erfolgreiche Düfte. Schon in jungen Jahren durchstöberte er erfolgreich Antiquariate, sammelte Handschriften und Autographen von damals noch unbekannten Künstlern. Proust zählte zu seinen Lieblingsautoren, und ihm sollte in späteren Jahren seine ganze Sammelleidenschaft gehören. (…) Prousts Mantel ist ein kurzweilig und amüsant erzähltes Stück Sammler-, Kultur- und Literaturgeschichte, das nicht nur Proustverehrern Spaß machen wird." RR
 
 
  
Kinderbuch / Jugendbuch:
 

Alexis Deacon: Sieben Hamster.
Wie wir das Meer überquerten, den Berg bestiegen, die Wüste überlebten – und ein neues Zuhause fanden.
Aus dem Englischen von Uwe-Michael Gutzschhahn.
Ab 3 Jahre
Gerstenberg Verlag

"Sieben Hamsterkinder wachsen in einer kleinen dunklen Höhle auf. Doch eines Tages werden sie zu groß und müssen sich ein neues Zuhause suchen. Als sie aus ihrem Loch krabbeln liegt die ganze Welt vor ihnen – nun ja, genauer gesagt ein kleiner Hinterhof-Schrottplatz (…) Ein witziges und außergewöhnlich illustriertes Bilderbuch, das zeigt, dass man mit Mut und Zusammenhalt alles schaffen kann." SB

 

Endre Lund Eriksen: To do!
Aus dem Norwegischen von Maike Dörries
Ab 13 Jahre
Sauerländer Verlag

"Julie ist vierzehn Jahre alt und hat eine Woche lang „sturmfreie Bude“. Jetzt will sie endlich eine aus zehn Punkten bestehende persönliche To-do-Liste abarbeiten, um sich von „Miss Nice Girl“ in die „Queen oft the World“ zu verwandeln. Auf der Liste stehen Dinge wie „jemanden Küssen, zur Not auch ein Mädchen“, „mich betrinken“ … Soweit also ganz normale Wünsche einer Vierzehnjährigen, allerdings ist bei Julie alles etwas anders, denn sie ist blind. Da bekommen die Punkte „auf einem Brückengeländer balancieren“ und „Auto fahren“ eine ganz andere Bedeutung." BR

 


Michael Frowin / Joelle Tourlonias: Mikropolis
Ab 5 Jahre
Jacoby & Stuart

"Auf einem kleinen Flecken Grün in der Großstadt lebt eine Insekten-Wohngemeinschaft. Da gibt es zum Beispiel Marienkäfer Kurt, der eigentlich Kung heißt uns sich als „deutschen Marienkäfer mit chinesischem Migrationshintergrund“ bezeichnet; Stubenfliege Kostas, der sich für eine Eintagsfliege hält und jeden Abend damit rechnet, dass es mit ihm vorbei ist (…) Dieses großartig illustrierte Bilderbuch für Kinder ab 5 Jahren basiert auf einer Kinderoper von Christian Jost, welche die „Komische Oper Berlin“ noch bis Februar 2012 aufführt." SB

 


Rose Lagercrantz / Eva Eriksson:
Mein glückliches Leben
Aus dem Schwedischen von Angelika Kutsch
Für alle, die schon gerne selber lesen
Moritz Verlag

 "Mein glückliches Leben ist die zauberhafte Geschichte eines kleinen Mädchens, das sich nie unterkriegen lässt. Ein Buch zum Vorlesen, Erstlesen oder einfach zum Anschauen, denn Eva Eriksson gelingt es mit ihren wundervollen Bildern eine ganz eigene Kinderwelt entstehen zu lassen." SB

 

 

Anke M. Leitzgen / Lisa Rienermann:
Erforsche deine Welt
Forschen lernen für Kinder

Ab 6 Jahren
Beltz & Gelberg

"Ein Forschungs- und Experimentierbuch mal von ganz anderer Art. Es geht um das Forschen an sich: neugierig auf seine Welt schauen, sie wahrnehmen und hinterfragen. Denn alles kann erforscht werden. Zwei Beispiele: ‘Was macht eine Mütze warm?’ oder: ‘Wie schafft man Erinnerungen?’" CG

 

 

Tosca Menten: Dummie die Mumie außer Rand und Band
Aus dem Niederländischen von Andrea Kluitmann.
Ab 9 Jahre

Thienemann Verlag

"Darwishi Ur-Atum Msamaki Minkabh Ishaq Edoni, Sohn des Pharaos Achnetoet, ist eigentlich eine 4000 Jahre alte Mumie. Auf einem Transport in ein niederländisches Museum wird er durch einen Blitzschlag “wiederbelebt”. Er flieht in dunkler Nacht durch diese ihm unbekannte Welt und trifft zufällig auf Goos und seinen Vater, die in einem kleinen Dorf wohnen.

Zunächst völlig verstört, versuchen seine Gastgeber ihn in die Eigenheiten des 21. Jahrhunderts einzuführen. Beiden ist jedoch klar, dass niemand Dummies (= Abkürzung seines Namens, s.o.) wahre Identität erfahren darf. Sonst würde er zu einer Art „Sensations-Forschungsobjekt“ missbraucht. Also wird er als Cousin aus Ägypten mit schweren Brandwunden ausgegeben. Dummie ist sehr wissbegierig, schäumt über vor Ideen und will natürlich auch wie Goos zur Schule gehen…" CG

 

Mirjam Pressler: Ein Buch für Hanna
Roman
Ab 14 Jahren

Beltz & Gelberg

"Leipzig im Sommer 1939. Die vierzehnjährige Hannelore Salomon aus Leipzig bereitet sich mit acht weiteren jüdischen Mädchen auf die Auswanderung nach Palästina vor. Doch der direkte Weg der Ausreise ist bereits versperrt, und die Gruppe landet in Dänemark. Ihr Halt ist die Gruppe und besonders die ältere Mira. (…) Als die Deutschen in Dänemark einmarschieren, wird sie aufgegriffen und ins KZ Theresienstadt transportiert. Auch die anderen Mädchen ihrer Gruppe wurden nach Theresienstadt gebracht und Hanna trifft sie dort wieder. Über ein Jahr leben sie im Lager, und wie ein Wunder überleben alle – außer Mira. Auf Umwegen schafft es Hanna, 1948 nach Israel zu gelangen. Damit endet das Buch.

Miriam Pressler hat Hanna Salomon in einem Kibbuz in Israel kennen gelernt und sie über dreißig Jahre lang regelmäßig getroffen. Sie hat viel aus deren Leben erfahren und war beeindruckt von ihrer Güte und Wärme. Nach Hannas Tod beginnt sie, deren Leben in den Jahren von 1939 bis 1948 aufzuschreiben. Das Buch ist jedoch keine Biografie geworden, sondern ein Roman, der wahre Begebenheiten und Fiktion verknüpft. Es ist ein Buch über die Erfahrungen von Leid, Einsamkeit und Tod, aber auch von Solidarität und Hilfe unter schwierigsten Bedingungen." RR

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Was wird denn hier so gelesen? Eine Buchempfehlung

 

 

Per Petterson: Ist schon in Ordnung. Roman.
Aus dem Norwegischen von Ina Kronenberger

224 Seiten, Gebunden.
ISBN-13: 978-3-446-23640-0
€ 19,90 (D)

Carl Hanser Verlag, 2011

Als ein wohlmeinender Lehrer den Neuen in der Klasse des Osloer Gymnasiums bittet, den anderen Schülern und ihm doch etwas über sein Leben auf dem Land zu erzählen, rastet der 13jährige Audun aus. Er hat an diesem Morgen auf dem Weg zu der neuen Schule schon einen Regenguss überstanden, der ihn völlig durchnässt hat, und dem Direktor bei der Vorstellung klar gemacht, dass er seine Sonnenbrille auf keinen Fall in der Schule abnehmen wird, aber jetzt reicht es ihm. Er packt seine Tasche, steht auf und erklärt, er habe immer gute Noten gehabt und könne dem Lehrer gerne seine Zeugnisse zeigen, aber sein Privatleben ginge niemanden etwas an. Der Lehrer entschuldigt sich, die Klassenkameraden sind beeindruckt, und er gewinnt einen Freund.
Selten hat ein Autor seinen Protagonisten und Ich-Erzähler beeindruckender eingeführt als Petterson in „Ist schon in Ordnung“. Der 13jährige, der da gerade mit Mutter und Geschwistern aus der Provinz in ein Osloer Arbeiterviertel gezogen ist und so cool und selbstbewusst seinen ersten Schultag beginnt, fesselt von der ersten Seite an. Umso mehr, als wir uns seine Geschichte im Grunde aus den wie absichtslos zwischen genauen Beobachtungen des Alltags eingestreuten Hinweisen selbst zusammensetzen müssen. Über Gefühle spricht Audun nicht, höchstens in knappen Worten über Ereignisse – und was für welche: der Tod des Bruders, die Szenen mit dem unberechenbaren, gewalttätigen Vater, der Einzug des neuen Partners der Mutter und noch so einiges, was ausreichen würde, um einen Jugendlichen aus der Bahn zu werfen. Aber Audun geht wie ein moderner Huckleberry Finn unbeirrt seinen Weg – allein, wenn es sein muss, aber auch bereit und in der Lage, Hilfe anzunehmen, wo sie ihm angeboten wird. Er weiß genau, was er will, und tut, was nötig ist, ob er das Haushaltsgeld mit Zeitungsaustragen aufbessert, seinem Freund hilft, die Rowdys zu verprügeln, die dessen Vater zusammengeschlagen haben, oder ob er alles stehen und liegen lässt, um seine verheiratete Schwester vor ihrem, wie er glaubt, prügelnden Ehemann zu retten. Und wenn er uns an seinem 18. Geburtstag schließlich verlässt, dann braucht man keine Angst um ihn zu haben. Audun „ist schon in Ordnung“.
„Ist schon in Ordnung“ ist das erste Buch von Per Petterson, der hierzulande mit einigen späteren Büchern „Pferde stehlen“, bekannt geworden ist. Es ist auch das erste Buch, das ich von Petterson gelesen habe, aber bestimmt nicht das letzte. Mir ist selten ein Buch begegnet, das auf eine so knappe, unaufdringliche Art eine so dichte Geschichte erzählt. Erst im Gespräch darüber wird klar, wie viele einzelne Geschichten in diesen knapp 200 Seiten verpackt sind, wie viel Leben in einem doch relativ schmalen Buch steckt. Eine echte Entdeckung.
 
Irmgard Hölscher, Frankfurt am Main
 
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Bücher für die Schultüte:

… Die Schule fängt wieder an Für alle, die in die erste Klasse kommen, haben wir hier unsere Lieblingsbücher zum Thema Schulanfang zusammengestellt. Manche finden wir auch für größere Grundschulkinder prima. Zum Beispiel die Geschichten über die finnische Ella, ihre Freunde und den herrlich lustigen Lehrer (davon gibt es auch gleich mehrere Bände – sämtlich empfehlenswert!) oder die Geschichten über das Traumpaar Oma und Frieder.
Wir wünschen: viel Spaß beim Stöbern! Mehr Infos zu den Büchern finden Sie durch einen Klick auf das Cover.
 
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Timo Parvela: Ella in der Schule
Aus dem Finnischen von Anu und Nina Stohner
dtv Reihe Hanser, 144 Seiten
Ab 6 Jahre

 

 

 

 

Gudrun Mebs: Schule! schreit der Frieder und die Oma, die kommt mit
Illustriert von Catharina Westphal
Sauerländer, Gebunden
72 Seiten
Ab 6 Jahre

 

 

 

Patricia Schröder: Erst ich ein Stück, dann du! 3 Schulgeschichten
Themenband 3
Mit Illustrationen von Antje Hagemann, Kris Van Alphen
Originalausgabe
Gebunden, Pappband, 96 Seiten,
Ab 6 Jahren

 

 

Matthias Duderstadt: Die Katze tritt die Treppe krumm
Mein großes Buchstabenspielbuch
ab 6 Jahren
 

 

 

 

Ulrike Ruwisch: Eine Schultüte voller Wunder
mit Illustrationen von Patrick Wirbeleit
Taschenbuch, 112 Seiten
ab 7 Jahren

 

 

 

 

Ingo Siegner: Der kleine Drache Kokosnuss kommt in die Schule
Mit farbigen Illustrationen des Autors
Gebundenes Buch, Pappband, 72 Seiten
Ab 6 Jahren
 

 

 

 

Erhard Dietl: Die Olchis fliegen in die Schule
64 Seiten · broschiert
ab 8 Jahren

 

 

 

 

Eveline Hasler: Schultüten-Geschichten
Mit vierfarbigen Illustrationen von Karoline Kehr
dtv junior
Hardcover, 72 Seiten
Ab 6

 

 

 

 

 

Was wird denn hier so gelesen? Eine Buchempfehlung!

Margriet de Moor
Der Maler und das Mädchen. Roman
Übersetzt aus dem Niederländischen von Helga van Beuningen
304 Seiten, Fester Einband
€ 19,90 (D)

Zwei Lebensgeschichten verknüpft Margriet de Moor in ihrem neuen Roman: Die des sechzigjährigen Malers (Rembrandt) und die der achtzehnjährigen Mörderin Elsje Christiaens.

An einem Maimorgen verlässt der Maler sein Haus, läuft durch die Straßen, kauft Farben ein. Eingebettet in den Tagesablauf erzählt Margriet de Moor seine Geschichte. Den Gipfel seiner Berühmtheit hat er weit überschritten, sein großes Haus und das Mobiliar sind versteigert worden, und seine geliebte zweite Frau ist an der Pest gestorben. Er lebt mit seinem Sohn in einer bescheidenen Unterkunft, aber er ist nicht unzufrieden. Mit jedem neuen Bild wagt er sich weiter vor zu einem neuen Verständnis des Lichts. Im Moment arbeitet er an dem Portrait zweier Liebenden. Dass sein künstlerischer Weg bei seinen Käufern zunehmend auf weniger Verständnis stößt, berührt ihn wenig, er findet Ruhe und Kraft in seiner Arbeit.

Parallel dazu erzählt Moor das kurze Leben des Mädchens Elsje. Aufgewachsen in Dänemark, folgt sie der älteren Stiefschwester, die zum Arbeiten nach Holland gegangen ist, nach Amsterdam, ohne zu wissen, wie sie sie dort finden kann. Im Gegensatz zum langen und erfüllten Leben des Malers erfahren wir nur von vierzehn Tagen aus Elsjes Leben: es sind die Tage ihrer abenteuerlichen Reise und der Ankunft in Amsterdam. Dort sucht sie ihre Schwester, wohnt in einer zweifelhaften Unterkunft, und als ihr Geld aufgebraucht ist, kommt es zum Streit mit ihrer Vermieterin. Elsje nimmt eine herumliegende Axt und erschlägt die Frau. Sie wird verhaftet. Im Prozess kann sie weder ein Motiv für die Tat angeben, noch zeigt sie Reue. Das Urteil lautet auf Tod durch Erdrosseln und öffentliches Ausstellen des Leichnams.
Beide Erzählungen laufen nebeneinander her, aber berühren sich doch. Wo der Maler über Licht, Farben und ihre Wirkung nachdenkt, strahlen die Winterlandschaft, die Menschen und das Meer in den Schilderungen von Elsjes Reise, als sähe man Bilder aus dem siebzehnten Jahrhundert. Diese Passagen sind die schönsten und heitersten im Roman, vielleicht gerade deshalb, weil der Leser um das traurige Ende weiß.  
Margriet de Moor ist keine allwissende Erzählerin und taucht auch nicht mir Haut und Haar ins Zeitkolorit des 17. Jahrhunderts ein. In der Beschreibung der Bilder und ihrer Wirkung ist sie als heutige Betrachterin präsent. Und so wenig sie uns schlüssige Gründe dafür liefert, warum Elsje so zielstrebig in ihr Verderben reist, liefert sie Motive dafür, warum der Maler sich am Abend zu der Insel fahren lässt, wo Elsjes Leichnam an einem Pfahl gebunden hängt, um dort zwei kleine Zeichnungen von ihr anzufertigen, die unter dem Titel „Mädchen, an einem Galgen hängend“ heute im Museum zu betrachten sind.
„Das Mädchen und der Maler“ ist ein ruhiges, sanftes und melancholisches Buch. Neben den Hauptsträngen der Erzählung erfährt der Leser viel über das alltägliche Leben in der Rembrandtzeit. Über Kunst und über Liebe, Seuchen und Tod, Träume, Mut und Scheitern. Margriet de Moor gelingt es ganz wunderbar, den Leser in  den Bann ihrer Geschichte zu ziehen.
 
Ruth Roebke
 
 
Zusätzliche Informationen zu Margriet de Moor finden Sie über die Website des Hanser Verlags.

 

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Dezember 2010

Wenn wir ein Buch empfehlen sollten, dann….
Einiges von dem, was uns im vergangenen Jahr besonders aufgefallen ist, haben wir hier zusammengestellt.
Wir wünschen: Viel Vergnügen beim Stöbern!
 

Belletristik:

Martin Mosebach: Was davor geschah. Roman
Carl Hanser Verlag 2010. Geb.

"Ein Meister auf der Höhe seines Könnens: Martin Mosebachs Roman ‘Was davor geschah’ gehört nicht nur zum Besten der neuen Saison, sondern der neuen deutschen Gegenwartsliteratur überhaupt."
Hubert Spiegel, Frankfurter Allgemeine Zeitung

"Ein Porträt der Frankfurter Gesellschaft, nachgeschärft und zum Funkeln gebracht – der Gesellschaftsroman des frühen 21. Jahrhunderts."
Burkhard Müller, Süddeutsche Zeitung
Leseprobe

 
 
 
 
Garbriel Josipovici: Moo Pak.
Aus dem Englischen von Jochen Schimmang
Suhrkamp Verlag 2010. Geb.
 
Zwei Männer laufen durch Londons Parks, an Londons Wasserläufen entlang. Einer von beiden, Autor und Universitätsdozent, redet die ganze Zeit. Er erzählt – unter anderem von dem Buch Moo Pak, an dem er gerade schreibt.
Vom ersten Satz an fesselt dieser Endlostext über Gott und die Welt.
(Aus dem Klappentext)
 
 
  

Paul Auster: Unsichtbar. Roman
Aus dem Englischen von Werner Schmitz
Rowohlt Verlag 2010.
 
"In Unsichtbar beschreibt Paul Auster die narzisstische Störung eines ganzen Landes – sein bislang bestes und tiefstes Buch.
C. Schmidt, Süddeutsche Zeitung
 
 
 
 
 
 
 
Wolfgang Herrndorf: Tschick. Roman
Rowohlt Berlin. Geb.
 
"Auch in fünfzig Jahren wird dies noch ein Roman sein, den wir lesen wollen. Aber besser, man fängt gleich damit an."
Felicitas von Lovenberg, Frankfurter Allgemeine Zeitung
 
"Tschick ist ein Buch, das einen Erwachsenen rundum glücklich macht und das man den Altersgenossen seiner Helden jederzeit schenken kann."
Gustav Seibt, Süddeutsche Zeitung
 
 
 
 
 
 
 
Elizabeth Strout: Mit Blick aufs Meer. Roman
Aus dem Englischen von Sabine Roth.
Luchterhand Literaturverlag, Geb.
 
„Die Seele von diesem klugen, sorgfältig verfassten Buch, mit seinen gekonnt eingesetzten stilistischen Tief- und Höhepunkten, das was es zu einem Lesevergnügen macht, ist vor allem Menschenliebe und Lebenshunger“.
Ruth Klüger, Die Welt
 
 
 
 

Sachbuch:

 

Tony Judt
Das vergessene 20. Jahrhundert
Die Rückkehr des politischen Intellektuellen
Übersetzt aus dem Amerikanischen von Matthias Fienbork
Carl Hanser Verlag. Geb.

"Der versierte Forscher mit gründlichen Kenntnissen ist auch ein Kommentator des Zeitgeschehens, wo dieses auf Anschauungen, Überzeugungen, Visionen gründet."
Martin Meyer, Neue Zürcher Zeitung
 
 
 
 
 
Jürgen Peter Schmied, Sebastian Haffner. Eine Biographie.
Verlag C.H. Beck. Geb.
 
Sebastian Haffner war neben Golo Mann und Joachim Fest der erfolgreichste historische Publizist der Bundesrepublik. Auch nach seinem Tod machte er noch Furore. Seine im englischen Exil verfasste „Geschichte eines Deutschen“ wurde nach ihrer Erstveröffentlichung im Jahr 2000 zu einem Bestseller. Jürgen Peter Schmied legt nun die erste Biographie vor, die auf einer gründlichen Auswertung des umfangreichen Nachlasses beruht.
(Aus dem Klappentext) Leseprobe
 
 
  
 
 
Daniel Miller, Der Trost der Dinge.
Aus dem Englischen von Frank Jakubzik
Edition Suhrkamp. Broschur
 
Über die moderne Welt sind viele diagnostische Mythen im Umlauf. Der englische Anthropologe Daniel Miller hat diese Mythen hinterfragt – genauer: Er hat die Bewohner einer Londoner Straße befragt. Und da die Menschen nun einmal nicht gerne über ihr Leben Auskunft geben, hat er mit ihnen über die Dinge in ihren Wohnungen gesprochen
(Aus dem Klappentext) Leseprobe
  
 
 
 

Roger Willemsen, Die Enden der Welt.
S. Fischer Verlag. Geb.

"Er wendet sich voller Achtung und Empathie den anderen zu, denen er unterwegs begegnet, und im Augenblick des Abschieds entfaltet er eine scheue Zärtlichkeit, die zu Herzen geht."
Burkhard Müller, Süddeutsche Zeitung

"Schaulust und Wissensdurst prägen dieses Buch"
Denis Scheck, ›Druckfrisch‹ – ARD
Leseprobe
 

 
   

Kunstband:

 
Gesamtkunstwerk Expressionismus
Kunst, Film, Literatur, Theater, Tanz und Architektur 1905 bis 1925
hrsg. v.
Claudia Dillmann und Ralf Beil
Hatje Cantz Verlag. Geb.
 
(…) Kunst, Film, Literatur, Theater, Tanz und Architektur. Das faszinierende Panorama einer bewegten Epoche und bahnbrechenden Kunstbewegung
(Aus dem Klappentext)
Mathildenhöhe Darmstadt: 24.10.2010–13.2.2011
Zur Verlagsseite mit Leseprobe
 
 
 

Barbara Klemm, Straßen Bilder. Mit Texten von Barbara Catoir und Hans Magnus Enzensberger Nimbus Verlag. Geb.
Barbara Klemm ist Max Beckmann Preisträgerin 2010.
 
Trotz aller Kontraste, die ihr begegnen, vermeidet Barbara Klemm alles Plakative. Denn dies ist ihre große Kunst: dem Unscheinbarsten und Elendsten seine Würde zu lassen. Und man fragt sich: Wie sie es, an jedem Punkt dieser Welt, fertig bringt, mit ihrer Kamera ohne sichtbares Aufhebens anwesend zu sein und gleichzeitig in tiefstem Sinn Anteil zu nehmen.
(Aus dem Klappentext)
Der Bildband ist bei uns signiert erhältlich. Barbara Klemm ist Mitglied und Gesellschafterin der autorenbuchhandlung marx & co.
 
 

Bilderbuch:

 

Christopher Wormell, Von allen Tieren immer zwei. Die Geschichte der Arche Noah
Aus dem Englischen von Stephanie Menge
Sauerländer Verlag.
Bilderbuch, geb., mit Ausklappseiten.
Ab 4 Jahre.
 
"Du musst ein Schiff bauen!" Eines Tages sprach Gott zu Noah und erzählte ihm von einer großen Flut. Sie werde bald die ganze Erde bedecken. Er sagte zu Noah, er müsse die Tiere retten. Nachdem Noah eine große Arche gebaut hatte, begann er, Tiere aufzunehmen…"
 
  
 

Nadia Budde: Unheimliche Begegnungen auf Quittenquart
Peter Hammer Verlag.
Bilderbuch, geb. Ab 4 Jahre.

"Was ihre Figuren, was die Inhalte ihrer Bilderbücher angeht, so hat Nadia Budde ohne Zweifel ihren eigenen, ganz unverkennbaren Stil. Es ist gerade diese Mixtur aus witzig und schräg und hintersinnig, die ihre Bücher so erfolgreich macht."
Axel Vits für www.kommbuch.com

  

Manuela Olten, Monster gibt’s wirklich, oder?
Carlsen Verlag. Bilderbuch, geb.
Ab 4 Jahre.

Meine große Schwester, die ist echt komisch. Sie behauptet nämlich, dass
Monster ausgestorben sind. So ein Quatsch!

 
"Gar nicht zum Gruseln. Lieber zum Überlegen, zu welcher Monstersorte du dich zählst!"
Geo mini
 
 

Vorlesebuch / Erstes Lesealter:

 
 
Barbara Gelberg (Hg.): Starke Freunde. Die schönsten Vorlesegeschichten. Mit Bildern von Philip Waechter. Beltz Verlag. Geb.
Ab 6 Jahre
 
Ein neues, wunderschönes Vorlesebuch für Kinder mit Geschichten beliebter Autorinnen und Autoren und Originalbeiträgen von Rafik Schami, Martina Wildner, Wiland Freund, Annette Pehnt u.a.m. Philip Waechter hat sie reich bebildert; originell und verblüffend, witzig und liebevoll – wie es eben so die waechtersche Art ist.
(Aus dem Klappentext) Leseprobe
 
  
Gunnel Linde, Mit Jasper im Gepäck. Mit Bildern von Susanne Göhlich. Aus dem Schwedischen von Birgitta Kicherer
Gerstenberg Verlag. Geb.
Ab 7 zum Selberlesen, ab 5 zum Vorlesen.
 
Es gibt Kinder, denen geht es gut! Die haben eine Tante, die sie zu einer Reise nach Kopenhagen einlädt. Und sie in den Zoo führt, wo es eine Lotterie mit herrlichen Gewinnen gibt… Eine turbulente Komödie, ideal auch zum Vorlesen.
(Klappentext)

 
 
 
 

Lesealter bis ca. 11 Jahre:

Monika Helfer/Michael Köhlmeier
Rosie und der Urgroßvater
Mit Bildern von Barbara Steinitz
Hanser Kinderbuchverlag. Geb.

Ab 10 Jahre.
 
Das Buch handelt von einem Mädchen namens Rosie, das in New York lebt und jeden Mittwoch ihren Urgroßvater besucht. Er erzählt ihr Geschichten aus Hohenems. Dort ist er in der großen jüdischen Gemeinde aufgewachsen. Die Geschichten sind manchmal traurig und manchmal lustig. Nicht alle Geschichten sind ganz wahr; manche sind auch erfunden, wenigstens zum Teil.
Das Buch erzählt nicht nur eine Geschichte, sondern zwei: einmal die vom Urgroßvater und seinem früheren Leben in Hohenems und einmal die von Rosie und ihrer Familie und ihrer Freundin in New York.
Ich finde das Buch sehr schön geschrieben, aber wenn man wenig über das Judentum weiß, ist es manchmal schwer zu verstehen.
 
Anna Determann, 12 Jahre, Frankfurt am Main für www.kommbuch.com

 

 
 
 
 
Maria Parr, Sommersprossen auf den Knien. Illustrationen von Heike Herold. Aus dem Norwegischen von Christel Hildebrandt. 
Celilie Dressler Verlag. Geb. Ab 8 Jahre.
 
Hinreißend: Tonje bringt Sonnenschein! Ein Buch, das glücklich macht.
(Aus dem Klappentext.)

 Zu den vielen Pressezitaten von der Verlagsseite

 
 
 
 
 

Boris Pfeiffer, Die Knochen der Götter. Die Akademie der Abenteuer. Bibliographisches Institut. Geb. Ab 10 Jahre.
 
Als Rufus die Eingangshalle der Akademie betritt, beginnt für ihn ein aufregendes Abenteuer! Das altehrwürdige Gebäude ist gefüllt mit den rätselhaftesten Fundstücken aus der Vergangenheit. Was hatte es mit diesen Scherben, Fetzen und Bruchstücken auf sich? Und warum wurden hier an der Akademie neben "Ausgestorbene Sprachen" und "Antike Schwertkunde" auch seltsam klingende Fächer wie "Gesetzmäßigkeiten der Fluten" oder "Seltene Anschwemmungsartefakte" unterrichtet? Artefakte – was sollte das überhaupt sein? Rufus, Fili und No sind dem Geheimnis auf der Spur – und schon bald durchströmen längst vergessene Szenen aus der Zeit der Pharaonen die Akademie … (Aus dem Klappentext).
 
 
 

Für Jugendliche:

 
Susanne Collins, Die Tribute von Panem. Gefährliche Liebe. Band 2 der Trilogie.Aus dem Amerikanischen von Sylke Hachmeister / Peter Klöss. Oettinger Verlag. Geb.
Ab ca. 14 Jahre
 
Seitdem Katniss und Peeta sich geweigert haben, einander in der Arena zu töten, werden sie vom Kapitol als Liebespaar durch das ganze Land geschickt. Doch da ist auch noch Gale, der Jugendfreund von Katniss. Und mit einem Mal weiß sie nicht mehr, was sie wirklich fühlt – oder fühlen darf. Als immer mehr Menschen in ihr und Peeta ein Symbol des Widerstands sehen, geraten sie alle in große Gefahr. Und Katniss muss sich entscheiden – zwischen Peeta und Gale, zwischen Freiheit und Sicherheit, zwischen Leben und Tod …  (Aus dem Klappentext)
Zu den vielen Pressezitaten von der Verlagsseite.
 
 
Peter van Olmen, Odessa und die geheime Welt der Bücher. Mit Vignetten von Nicole de Cock. Aus dem Niederländischen von Mirjam Pressler. Cecilie Dressler Verlag. Geb.
Ab 12 Jahre.
 
Rätsel, Geheimnisse und eine große Verschwörung in einer faszinierenden literarischen Parallelwelt, in der Musen, die Ritter der Tafelrunde, Shakespeare und viele andere große Schriftsteller der Literaturgeschichte leben. Glossar mit wichtigen Persönlichkeiten im Anhang.
(Aus dem Klappentext)
 
  
Keith Gray, Ostrich Boys. rororo Rotfuchs, Rowohlt Verlag. Aus dem Englischen von Uwe-Michael Gutschahn. Taschenbuch. Ab 13 Jahre
 
"Das ist aber kein richtiges Kidnapping, oder? Dazu müsste er doch lebendig sein!" Drei Freunde, eine gestohlene Urne, eine wilde Reise nach Schottland ­- Kenny, Sim und Blake haben nur ein Ziel: Sie wollen ihrem verstorbenen Freund Ross ein Begräbnis ermöglichen, wie es ihm gefallen hätte.
(Aus dem Klappentext)
Leseprobe
 
 
 

 Und wenn Sie noch weitere Buchempfehlungen von uns anschauen mögen, dann schauen Sie doch auch einmal bei www.kommbuch.com. Oder kommen Sie in unsere Buchhandlung, da können Sie in Ruhe stöbern und Sie erhalten unseren neuen gedruckten Katalog, mit Buchempfehlungen.
 

 
 

 

Was wird denn hier so gelesen? Zwei Buchempfehlungen!

 
 

Romualdas Granauskas:

Das Strudelloch
Roman.
Aus dem Litauischen von Gila Rom

Wallstein Verlag 2010, 248 Seiten

„Was bleibt zurück von einem Menschen, wenn er selbst nicht mehr da ist?“ Diese Frage steht am Anfang des so berührenden wie verstörenden Romans eines der wichtigsten Schriftsteller Litauens, und es ist ein Glück, dieses großartige Buch auf Deutsch lesen zu können.

Erzählt wird die Geschichte von Gaucis, der nach dem Tod des aus einem Kriegsgefangenenlager entlassenen Vaters mit seiner Mutter in einem Dorf aufwächst, das Lesen entdeckt, einen Freund findet und verliert, nach dem Militärdienst in einem Montagewerk in der Stadt arbeitet, im Wohnheim lebt, heiratet und geschieden wird. „Er lebte so, dass man – auch bei bestem Willen – nichts Interessantes über ihn hätte schreiben können“, sagt der Erzähler im Vorwort, nur um dann auf den restlichen 230 Seiten das genaue Gegenteil zu beweisen. Mit kargen Worten gelingt dem Autor die unglaublich dichte Beschreibung eines Menschen auf der verzweifelten Suche nach einem Gegenüber, einem Anderen, scheitert aber auf schreckliche Weise an einer Welt, die von Brutalität, Habgier, Kälte und Sprachlosigkeit geprägt ist. Natürlich ist das Buch auch als eine – brillante – Abrechnung mit dem Stalinismus zu lesen, aber vor allem ist „Das Strudelloch“ ein literarisches Meisterwerk, dem man nur viele Leser wünschen kann.

Irmgard Hölscher

Hier finden Sie zu dem Roman von Romualdas Granauskas eine Leseprobe.

 

Lutz van Dijk:
Romeo und Jabulile
Peter Hammer Verlag 2010, 112 Seiten, € 12,90.
Ab 12 Jahre

Die 13jährige Jabulile hat gerade ein Traumtor für ihr Mädchenteam aus dem Township Masi geschossen. Alle jubeln, und ein fremder Junge gratuliert ihr strahlend: Romeo. Jabulile wundert sich, als ihr älterer Bruder herbei stürmt, den Fremden beschimpft und ihn verjagt. Romeo ist ein “Simbo“, ein Flüchtling aus Simbabwe. Viele im Township sehen in ihnen nur bettelarme Leute, die den Südafrikanern die Arbeit wegnehmen. Es ist der Beginn einer zarten Liebesgeschichte zwischen Romeo und Jabulile, aber auch die Geschichte einer Jagd auf die verhassten Fremden.
Lutz van Dijk lässt ohne viele Umstände Wut und Hass, aber auch Liebe und Hoffnung lebendig werden, und schafft es, den Leser sehr schnell in seinen Bann zu ziehen. Trotz des heiklen Themas Fremdenhass ein leicht und gut zu lesendes, aktuelles Buch.
Die Geschichte basiert auf einer wahren Begebenheit. Bei ausländerfeindlichen Ausschreitungen in einem Township in der Nähe von Kapstadt wurden im Mai 2008 über 60 Menschen ermordet und die Häuser von tausenden Familien in Brand gesteckt.
 
Chantal Gissel
Und wenn Sie in unseren Leseempfehlungen weiterlesen möchten, schauen Sie doch einmal unter www.kommbuch.com. Wir wünschen viel Vergnügen!
 
 
 

Was wird denn hier so gelesen? Zwei Buchempfehlungen!

 

Wilfried Steiner: Bacons Finsternis. Roman

Deuticke im Paul Zsolnay Verlag, Wien 2010, geb. 288 Seiten

Als Arthur Valentins Frau Isabel ihm am Ende des gemeinsamen Griechenlandurlaubs ohne jede Vorwarnung erklärt, dass sie sich von ihm trennen will, bricht für ihn eine Welt zusammen. Aus seinem Rausch von Leid und Selbstmitleid retten ihn – ausgerechnet, möchte man sagen – die Bilder von Francis Bacon, auf die er bei einem zufälligen Museumsbesuch stößt. Bacon wird ihm zur Besessenheit, er ist von den Bildern völlig fasziniert und fährt sogar nach London, um sich in der Tate Gallery weitere Bilder anzusehen. Dabei stößt er auf Isabel – natürlich in Begleitung eines anderen Mannes. Aus den Fetzen ihrer Unterhaltung, die er aufschnappen kann, schließt er, dass die beiden einen Kunstraub planen – und setzt sich verbissen auf ihre Spur.

Wilfried Steiner hat ein wunderbares Buch geschrieben. Ein Buch, das witzig und ironisch das Liebesleid eines verlassenen Mannes schildert und gleichzeitig eine so kluge, kenntnisreiche und unglaublich lesbare Einführung in das Werk von Bacon und Lucien Freud bietet, dass jeder Kunstwissenschaftler oder –pädagoge vor Neid erblassen müsste. Ich habe lange kein Buch mehr in der Hand gehabt, dem es so gut gelingt, sein keineswegs einfaches Thema – Leben und Werk von Francis Bacon – durch eine in jeder Beziehung gelungene und stimmige Rahmenhandlung so unterhaltsam zu vermitteln. Ich kann das Buch jedem kunstinteressierten Laien nur dringend ans Herz legen – genauso wie all denen, die einfach eine gute, tragikkomische und spannende Geschichte lesen wollen und dafür in Kauf nehmen, nebenbei noch viel über einen der faszinierendsten Künstler des 20. Jahrhunderts zu erfahren. Großartig!
Irmgard Hölscher

Hier finden Sie eine Leseprobe zu Wilfried Steiners Roman.

 

 


  

Judy Blume / Karsten Teich: Luis und Amanda
Spinnenkackesuppe und der erste Halbgeburtstag der Weltgeschichte

Aus dem Amerikanischen von Brigitte Jakobeit. Tulipan Verlag, Berlin 2010, Fadenheftung, 168 Seiten
Ab 6 Jahre
Das ist mal wieder eines der wunderschönen Vorlesebücher für die ganze Familie! Amanda geht in die dritte Klasse, Luis in die erste. Niemand kann ein größerer Nervzwerg sein als dieser kleine Bruder – davon ist Amanda felsenfest überzeugt. Er nuckelt nachts noch an seinem Schmuseelefanten, fürchtet sich vor der Schere des Friseurs (und trägt deshalb dort Ohrenschützer), isst nur weiße Lebensmittel und verliert seinen Wackelzahn ausgerechnet im Schulbus. Amanda dagegen ist superschlau – und so nennt ihr kleiner Bruder Luis sie auch. Die Superschlaue glaubt, dass sie seine Gedanken lesen kann, sie feiert ihren Halbgeburtstag als Prinzessinnenparty und wünscht sich sehnlich einen anderen Namen. Viel Konkurrenz gibt es zwischen den beiden, aber andererseits ist eines auch ganz klar: trotz allem trösten und verbünden sich die beiden, spielen gemeinsam und wenn es sein muss, halten sie fest zusammen. Das müssen sie auch wirklich, denn es gibt einen älteren Schüler, der Luis auf dem Schulhof bedroht und ihm seine Lupe klauen will. Behutsam wird der Konflikt aus der Sicht der Kinder geschildert: die Sorge, das Bauchweh, die Schlaflosigkeit des Kleinen, der Löwenmut und die Entschiedenheit der größeren Schwester, Luis gegen den viel älteren Jungen zu beschützen. Das bleibt bei aller Dramatik genauso hörbar wie der sensibel-zurückhaltende Rat der Eltern, im Notfall bei ihnen oder den Lehrern Unterstützung einzufordern. Am Ende ist es übrigens Luis, der für seine Schwester die Lehrerin zur Hilfe holt: „In der Schule sollte niemand Angst haben.“

Ernsthaftes wechselt mit Vergnüglichem ab. Bloßgestellt wird niemand, abwechselnd erzählen beide Kinder aus ihrem Geschwisteralltag, und auch die Eltern bekommen durch sie eine Stimme. Sehr authentisch im Ton, witzig und doch mit leisen, klugen Zwischentönen, ist so ein wunderschönes, zeitgemäßes Familienporträt entstanden mit hohem Identifikationspotential für alle Zuhörer-(Geschwister-) Kinder und nicht zuletzt auch für deren Eltern. Perfekt illustrieren dieses Buch die pointierten, freundlichen Zeichnungen.
Claudia Biester

 
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Wir wünschen viel Vergnügen!
 
 

Eine Buchempfehlung:

 

Hausrezept:

 
Zutaten: 1 oder mehr berühmte Architekten, 1 freier Bauplatz, eine Handvoll frischer Ideen, 2-4 Haufen Geld. Alle Zutaten gut vermischen, schütteln und mindestens 5 Monate stehen lassen. Das fertige Haus mit Bewohnern servieren.

So skurril wie das Rezept sind auch die 35 vorgestellten Bauten in diesem bunten, vergnüglichen Buch. Die Häuser stehen so ziemlich überall auf der Welt: es gibt das Birnenhaus, das Seifenblasenhaus, das Anhängehaus, das Sandhaus, das Obdachlosenhaus, das aufblasbare Haus und natürlich auch das Haus am Ende der Welt zu bestaunen.

Mit viel Witz und buntbemalten Bildern lässt sich so zeitgenössische Architektur entdecken. Dass es keine Photos, sondern „nur“ Bilder der Häuser zum Anschauen gibt, mag auf den ersten Blick etwas befremden, passt aber vorzüglich zu diesem ungewöhnlichen Buch. Auf den zweiten bis mindestens dreißigsten Blick (man nimmt es wirklich immer wieder gern zur Hand) ist man doch sehr froh, keine Photos zu sehen. So kann die eigene Phantasie über die Stränge schlagen oder man nimmt sich am besten gleich vor, einige der Häuser „in echt“ besuchen zu gehen – vielleicht auf der Fahrt in den nächsten Urlaub?

Chantal Gissel, Autorenbuchhandlung Marx & Co, Frankfurt

 
 
Aleksandra Machowiak / Daniel Mizielinski
Treppe Fenster Klo
Aus dem Polnischen von Dorota Stroinska
156 S., Pappband in Fadenheftung
Moritz Verlag, 2010,
ab 7 Jahren

 
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Eine Buchempfehlung:

Rudolf Rach: Eine französische Geschichte. Roman

Weissbooks, Frankfurt am Main 2010, Hardcover, 182 S.
Während sich das Feuilleton im Frühjahr 2010 in einer Debatte um authentisches Schreiben selbst bespiegelt, erscheint der erste Roman von Rudolf Rach, Eine französische Geschichte. Der Geschichte steht ein Motto voran, das keinen Zweifel offen läßt: »Schon der erste Satz, den man über sich schreibt, ist eine Lüge.« Das Zitat wird mit den Initialen »J. B.« ausgewiesen. Zwei Seiten weiter gibt es den Anlaß für den Verdacht, die Zeile stamme von Jean Bart, dem Protagonisten des Romans, und von diesem Moment an entfaltet sich ein feines literarisches Spiel. Bart, Pariser Verleger, sucht eine neue Assistentin. Er findet Margot Rotier, eine hochbegabte Karrierefrau aus der Kulturverwaltung, die sich auf die Stelle bewirbt. Sie ist Barts Verlag durch ihre zurückliegende Affäre mit einem erfolgreichen Autor des Hauses bereits verbunden, und innerhalb dieses Dreiecksverhältnisses zeigen sich Eros und Eitelkeit, Loyalität und Verrat als so unverzichtbare Zutaten bei der Entstehung der »geheiligten Ware« Buch, wie wir es bislang von Text, Druckmaschine, Papier und Einband kennen. Als die designierte Assistentin des Verlegers andernorts einen Roman veröffentlicht, in dem sie Ihren früheren Geliebten durch dessen eigene Briefe bloßstellt, bricht das Beziehungsgebäude zusammen.
Rach beläßt es nicht bei der Einladung zum Blick durch das Schlüsselloch einer Tür des Literaturbetriebs, auch nicht bei einer bezaubernden Ansicht von Paris. Er jongliert mit der Figuration, indem er den Akteuren seines Romas historische Vorbilder unterschiebt, auf Nebengleise lockt, die doch zum Ganzen führen, also einfach brillant erzählt. Das heißt Fiktion und Faktum zu vermengen: »Schließlich ist alle Literatur Verarbeitung von Erlebtem, selbst wenn man es nur in seiner Vorstellung erlebt hat. Im Übrigen, kann man sich etwas vorstellen, was man nicht erlebt hat?« Die Frage, im Roman vom früheren Assistenten des Verlegers gestellt, bleibt offen. Ungewiß auch, wieviel in Jean Bart von Rudolf Rach durchscheint, der seinem Hauptgeschäft natürlich als Verleger in Paris nachgeht. Dort befand schon 1854 ein aus Deutschland Zugezogener: »Ich verbürge nicht die Wahrheit dieser Geschichte; aber sollte sie auch unwahr sein, so bleibt sie doch gut erfunden.« So sprach Heinrich Heine. Vortrefflich erfunden ist Eine französische Geschichte.
Wolfgang Schopf, Frankfurt
 
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Hasenbücher … Hasenbücher … Hasenbücher

Viele schöne Bilderbücher gibt es zur Osterzeit. Eine Auswahl der schönsten (wie wir finden) empfehlen wir hier:

 

 

 James Krüss: Der Sängerkrieg der Heidehasen

Ab 4 Jahre Hörspiel mit Musik. Verlag: Hörcompany 2006

Das Bilderbuch, illustriert von Ole Könnecke, ist 2009 im Carlsen Verlag erschienen.

 „Jedes Jahr im warmen Sommer wird das Singen sehr publik / denn dann gibt´s im Hasenreiche den berühmten Sängerkrieg. / Wer wird siegen, wer wird diesmal wohl der beste Sänger sein? / Passt fein auf und spitzt die Ohren: gleich fällt die Trompete ein.“

Wie in jedem Jahr findet im Heidehasenreich ein Sängerwettstreit statt. Diesmal allerdings gibt es einen ganz besonderen Preis zu gewinnen: der beste Sänger bekommt die Tochter von Lamprecht VII, dem König der Hasen und Karnickel, zur Frau. Die besten Chancen hat Lodengrün, ein junger Hase und begabter Sänger. Doch einfach ist es nicht zu gewinnen. Wackelohr, der Direktor des Hasen-Musikvereins, will die Prinzessin auch, und das ist ihm einiges wert.

Mit dem bestechlichen Minister für Hasengesang führt er Böses im Schilde … Dieses Hörspiel, eine Produktion des Bayerischen Rundfunks aus dem Jahr 1952, ist Kult. Einmal gehört, wird man die wunderbare Arie aus Hoppelbergers Oper Hasenfrühling „Nun ist der Schnee zerflossen / nun gibt es bald Salat“ nie mehr vergessen. Natürlich könnte man in diesem Stück auch manche veritable Wagner-Parodie entdecken, allerdings geht es gar nicht darum, es ist musikalisch einfach ein großer Spaß, mit Klaus Hafenstein (Münchner Lach- und Schießgesellschaft) in der Rolle des Moritatensängers und Franz Muxeneder als Lodengrün. Das Ganze hat eindeutig Ohrwurmpotential und ist unbedingt wieder (mit oder ohne Kinder) an Ostern anzuhören! Wer die Geschichte nicht nur hören will, kann das Bilderbuch anschauen.

Es ist 2009 im Carlsen Verlag erschienen. Ole Könnecke – bekannt geworden durch seine witzigen, reduziert- comicähnlichen Zeichnungen, hat auch mit diesem Buch wieder einen kleinen Bilderbuchschatz geschaffen. Die Ästhetik erinnert an die Entstehungszeit von James Krüss‘ Sängerkrieg und – wie es sich für ein richtig gutes Bilderbuch gehört – entdeckt man mit jedem Anschauen mehr von der eigenständigen Geschichte und skurrilen Komik, die in Könneckes Illustration steckt.

Claudia Biester 

Emily Gravett: Das komische Ei

Aus dem Englischen von Uwe-Michael Gutzschhahn Bilderbuch. Ab 3 Jahre. Verlag: Sauerländer 2010

Alle Vögel haben ein Ei gelegt. Alle außer Erpel. Doch Erpel findet ein Ei – das schönste der Welt! Die anderen Vögel sind da ganz anderer Meinung und erleben am Ende eine große Überraschung. „Das komische Ei“ ist ein wundervolles Bilderbuch, das sich mit ausdrucksstarken Zeichnungen und kleinen Seitenhieben auf die Spießbürgerlichkeit von den vielen kitschigen Bilderbüchern zu Ostern abhebt.

Silke Bexhöft

Martina Mair: Mümmel sucht das Weite

Bilderbuch. Ab 5 Jahre. Verlag: Atlantis 2010

Der Hase Mümmel hat viele Geschwister und die nerven ihn doch sehr. Er würde so gern in Ruhe seinen Gedanken nachhängen und in sein Skizzenbuch zeichnen. Da er außerdem neugierig auf die große weite Welt ist, hat er schnell einen Plan gefasst: Er lässt den ganzen "Kaninchenstall" hinter sich und macht sich auf den Weg. Sein erstes Ziel ist sein Onkel Karl Karnickel, ein echter Sammler, der alles aufhebt, weil man es vielleicht noch mal gebrauchen kann. Dort gefällt es ihm gut, aber nachts schnarcht der Onkel so laut, dass sich Mümmels Schnauzhaare biegen. Da hilft nur weiterziehen. Er findet einen alten Hut und macht es sich bequem. Er streckt sich und genießt die unendliche Stille, zeichnet, zählt die Sterne …

Ein bisschen langweilig wird das auf die Dauer schon, keiner zum Spielen da und die Familie weit weg. Am nächsten Morgen kommt der (betrunkene) Besitzer des Hutes vorbei und stülpt ihn sich auf den Kopf. Mümmel ist erschrocken, aber dann froh über die neugewonnene Aussicht, wenn nur dieser schreckliche Hund an der Seite des Mannes nicht wäre, der knurrt und fletscht die Zähne. Plötzlich sieht Mümmel seine heimatliche Wiese wieder, und ohne nachzudenken hüpft er vom Kopf und landet – na wo wohl: auf dem Hunderücken. Reiten macht Spaß, und zum Glück stellt sich der Hund als Kunstkenner heraus. Nachdem Mümmel ihm eine seiner Zeichnungen geschenkt hat, hört das Geknurre auf. Jetzt hat seine Familie ihn entdeckt und trägt ihn im Triumphzug nach Hause. Mümmel hat viel zu erzählen, und alle Hasen machen lange Ohren. Schließlich sagt Mümmel leise: Ich habe Euch so vermisst.

Eine nette Geschichte über die schlichte Erkenntnis, dass manchmal ein bisschen Abstand nötig ist, um zu sehen, was man an seiner Familie hat, auch wenn sie nervt. Das Ganze ist schön und liebevoll illustriert, ohne irgendwie „niedlich“ zu sein. Eine lese- und anschauenswerte Hasengeschichte ganz ohne Ostereier.

Bettina Raue 

Majaleena Lembcke: Hasenlenz

Illustration und grafische Gestaltung Verena Hochleitner Bilder- und Vorlesebuch. Ab 4 Jahre. Verlag: Residenz 2010

Ein buntes Buch, eine Einladung zum Anschauen und Vorlesen! Mit dem Betrachten kann es auch sofort losgehen, gleich auf dem Vorsatz sind zwei Schweine auf einer Bank unter Frühlingsbäumen abgebildet. Herr Schwein spielt Gitarre, Frau Schwein sitzt im grünen Tupfenkleid daneben, ihm sehr zugeneigt, die Pfoten im Schoß gefaltet. Ist das der Lenz? Oder ist es der Lenz, für den die Amseln ein Nest bauen? Irgendetwas liegt in der Luft, sorgt dafür, dass das Hasenkind Hassu laut rufen muss „Ach was, die Sonne scheint“ (…) „und ich bin so fröhlich, dass ich rückwärts hoppeln könnte oder auf den Vorderpfoten laufen! Ich möchte mit dem Schwanz wedeln wie ein Hund, zwitschern wie ein Vogel und galoppieren wie ein Pferd.“

Seine Mutter meint, das mache der Lenz, und lässt ihr Kind mit dieser Erklärung ratlos zurück. Neugierig macht sich der Kleine also auf die Suche nach der Antwort, was denn der Lenz sei. Er begegnet anderen Tieren, schlauen, dummen, griesgrämigen ebenso wie scheuen und emsigen. Überall das Gleiche: es liegt was in der Luft. Sein Vater will ihm schließlich erklären, was es mit dem Lenz auf sich hat, doch gerade in diesem Moment sieht Hassu das Wesen, von dem er in der Nacht geträumt hatte: „Ein Hasenmädchen mit herrlich langen Ohren und einem entzückenden Mümmelmund.“

Ein pralles, schönes Spiel mit Farben, eine nette, frühlingsleichte Hasen-Geschichte zum Vorlesen, und zwischendurch gibt es in all den freundlich-lustigen Bildern immer mal Ungewöhnliches zu Entdecken. Sehr nett!

Claudia Biester 

Lida Dijkstra: Guck mal, wie niedlich!

Aus dem Niederländischen von Barbara Küper Bilderbuch. Ab 3 Jahre. Moritz Verlag 2008

Ein Buch für alle, die eigentlich kein niedliches Hasenbuch mehr vorlesen wollen. Oder vielleicht doch? Niedlich ist Tobi, der kleine, weiche, wuschelige Hase jedenfalls, und genau das gefällt ihm gar nicht. Also besorgt er sich eine coole Sonnenbrille – doch das nutzt nichts. Auch ein Tattoo und ein Ring im Ohr bringen nichts. „Was veranstaltet dieser niedliche Hase doch für ein Affentheater“, sagen die anderen. Es ist doch frustrierend. Tobi im Ledermantel und mit Motorrad? Das reicht dann allerdings aus. Ausgerechnet Tine findet ihn ein Ekel. Doch zum Glück nicht für immer: Ratzfatz wirft Tobi alles weg, fühlt sich richtig froh und kann jetzt auch wieder so sein, wie er eigentlich ist. Alles wird gut, Tobi zieht in Tines große Hasenhöhle ein, dort gibt es viel Platz, und im nächsten Frühjahr kommen dann zwölf kleine Hasenkinder dazu, weich, wuschelig und rotzfrech…

Die Vorliebe der Illustratorin für harmlose, freche Späße amüsiert beim Vorlesen, und der Moment, als Tine auf einer Giraffe sitzt und Tobi mit Blumenstrauß auf einem Zebra über die Blumenwiese angeritten kommt, ist so herzallerliebst gezeichnet, dass man eigentlich doch immer wieder kleine niedliche Hasengeschichten vorlesen möchte.

Claudia Biester

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