Einladung: Prismen. Dienstag, 3. Februar, 20 Uhr

Autoritarismus als Krisenbearbeitung. Über die psychosozialen Dynamiken des Rechtsrucks

Markus Brunner und Saskia Gränitz im Gespräch mit Ann-Katrin Kastberg

Das Erstarken rechter Bewegungen, die Wahlerfolge antidemokratischer Parteien und die Verbreitung menschenfeindlicher Einstellungen: Die Gegenwart zeigt mit neuer Schärfe, was die Kritische Theorie seit ihren Anfängen unter dem Begriff des Autoritarismus zu verstehen versuchte. Anknüpfend an diese Tradition widmet sich die Doppelbuchvorstellung den psychosozialen Bedingungen des Rechtsrucks entlang der Frage, inwiefern Autoritarismus als Form der Krisenbearbeitung verstanden werden kann. Denn dass sich wachsende Teile der Bevölkerung für das rechte »Ticket« entscheiden, hängt sowohl mit der gesellschaftlichen Lage als auch damit zusammen, wie Menschen psychisch damit umgehen.

Markus Brunner stellt in seinem Buch die vielfältigen Überlegungen der Frankfurter Schule zum Thema dar, zeichnet aktuelle Debatten nach und plädiert für eine dynamisierte Perspektive in der Autoritarismusforschung. Saskia Gränitz zeigt in ihrer Studie, in der sie die Bewältigung von Wohnungsnot untersucht hat, wie autoritäre Krisenbearbeitung im Subjekt konkret vor sich geht. An Fallbeispielen möchten die Autor:innen schließlich mit Ann-Katrin Kastberg und dem Publikum über autoritäre Dynamiken sowie ihren Nährboden diskutieren.

Grundlage des Gesprächs ist das kürzlich von Markus Brunner erschienene Buch Sozialpsychologie des Autoritären. Zur Aktualität der Autoritarismusforschung der Frankfurter Schule. Gießen: Psychosozial-Verlag 2025 sowie Saskia Gränitz‘ kürzlich veröffentlichte Dissertation Wohnungsnot und Autori­tarismus. Subjektanalytische Zugänge zur psychosozialen Bewältigung prekären Wohnens. Wiesbaden: Springer VS 2025.

José Brunner ist emeritierter Professor an der Buchmann Faculty of Law und dem Cohn Institute for the History and Philosophy of Science and Ideas der Tel Aviv University und war bis 2024 Mitglied des wissenschaftlichen Beirats am Institut für Sozialforschung.

Vera King ist Professorin für Soziologie und psychoanalytische Sozialpsychologie an der Goethe-Universität Frankfurt a. M. und Geschäftsführende Direktorin des Sigmund-Freud-Instituts

Einladung: Prismen. Brutale Nachbarn – Wie Emotionen den Nahostkonflikt antreiben – und entschärfen können | Mittwoch, 16. Juli 20 Uhr |

Tür an Tür mit brutalen Nachbarn leben zu müssen, deren Gewalt man nicht entfliehen kann – ein Horrorszenario. Israelis und Palästinenser erleben diesen Albtraum jeden Tag neu: Die zwei sich bekämpfenden Nationen können nicht, aber sie müssen miteinander leben. Seit fünf Jahrzehnten beobachtet José Brunner unmittelbar, wie auf dem Reißbrett entworfene Friedenspläne und Appelle an die Vernunft in diesem Krieg der Emotionen kläglich versagen. Daher setzt er dort an, wo die Menschen zutiefst ansprechbar sind: bei den Gefühlen, und holt die Erkenntnisse der Psychologie in die politische Debatte. Denn Traumata, Narzissmus und Paranoia prägen nicht nur den Einzelnen, sondern ganze Nationen. Deshalb muss vor einer politischen Lösung zunächst eine psychologische erfolgen: Erst wenn beide Seiten ihre eigene Gewalttätigkeit kritisch analysieren und zugefügte Verletzungen gegenseitig anerkennen, können sie zu einer humanen Sicht aufeinander finden. Nur so kann es für Israeli und Palästinenser eine Zukunft geben.

Den Hintergrund der Veranstaltung bildet das im Mai erschienene Buch von José Brunner: Brutale Nachbarn. Wie Emotionen den Nahostkonflikt antreiben – und entschärfen können. Berlin: Ullstein 2025.

José Brunner ist emeritierter Professor an der Buchmann Faculty of Law und dem Cohn Institute for the History and Philosophy of Science and Ideas der Tel Aviv University und war bis 2024 Mitglied des wissenschaftlichen Beirats am Institut für Sozialforschung.

Vera King ist Professorin für Soziologie und psychoanalytische Sozialpsychologie an der Goethe-Universität Frankfurt a. M. und Geschäftsführende Direktorin des Sigmund-Freud-Instituts