Die Demokratie und ihre Leidenschaften – Zur Aktualität von Alexis de Tocqueville

Judith Mohrmann und Johannes Völz im Gespräch mit Felix Trautmann

Montag, 26. Juni 2017, 20 Uhr

Prismen – Institut für Sozialforschung bei Marx & Co

Betrachtet man aktuelle politische Krisendiagnosen, so fällt auf, dass diese selten ohne den Verweis auf die entsprechende Gefühlslage der politischen Subjekte auskommen. Mal sind diese enttäuscht, verdrossen oder apathisch, mal wütend, rasend oder sogar von Hass erfüllt. Diese Rolle von Leidenschaften und Affekten in der Politik wird allerdings meist mit Sorge betrachtet: sie scheinen unkontrollierbar und irrational. Dass Politik jedoch nicht ohne Affekte und insbesondere nicht ohne eine Leidenschaft für die Politik auskommt, behauptet bereits Anfang des 19. Jahrhunderts Alexis de Tocqueville. Ihm zufolge lässt sich die Demokratie als eine soziale Lebensform verstehen, in der bestimmte emotionale und affektive Verhaltensweisen gleichermaßen positive wie negative Auswirkungen auf die demokratische Freiheit und Gleichheit haben können. Anhand verschiedener Affekte veranschaulicht er die inneren Widersprüche der demokratischen Ideale.
Mit Blick auf die aktuellen politischen Verhältnisse, die von sozialer Ungleichheit, einem schwindenden Vertrauen in politische Parteien und Institutionen sowie der populistischen Mobilisierung geprägt sind, stellen sich diese Fragen erneut: wie lässt sich die Rolle von Affekten in der Demokratie verstehen? Welche von ihnen werden in der Politik zur Gefahr für andere und wann sind Affekte gerade das Antidot einer drohenden Entpolitisierung?

Über diese und weitere Fragen diskutieren die Philosophin Judith Mohrmann vom Institut für Sozialforschung und Johannes Völz, Heisenberg-Professor für Amerikanistik an der Goethe-Universität Frankfurt, mit Felix Trautmann (Institut für Sozialforschung). Hintergrund der Diskussion bildet der Themenschwerpunkt „Alexis de Tocqueville und die Paradoxien der Gleichheit“ in WestEnd. Neue Zeitschrift für Sozialforschung 1/2017.

Judith Mohrmann ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Sozialforschung im Rahmen des Forschungsprojekts „Verhandlungsformen normativer Paradoxien“. Sie promovierte 2013 an der Goethe-Universität Frankfurt mit einer Arbeit über die Rolle der Affekte in der Französischen Revolution sowie im Denken von Hannah Arendt und Immanuel Kant. In ihrer aktuellen Forschungsarbeit befasst sie sich mit der Rolle des guten Lebens im Kapitalismus.

Felix Trautmann ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Sozialforschung. Seine 2015 abgeschlossene Promotion behandelt die von Machiavelli und La Boétie formulierte Diagnose einer ‚freiwilligen Knechtschaft‘ und erweitert diese für demokratische Gesellschaften. Aktuell arbeitet er in einem Forschungsprojekt mit dem Titel „Paradoxien der Gleichheit. Die Demokratie und ihre Kulturindustrie“.

Johannes Völz ist Heisenberg-Professor für Amerikanistik mit dem Schwerpunkt „Demokratie und Ästhetik“ an der Goethe-Universität Frankfurt. In seinen jüngsten Buchpublikationen befasst er sich mit den Themen Angst, Sicherheit und Ungewissheit in der amerikanischen Literatur vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart. In einem weiteren Forschungsprojekt untersucht er den Wandel von Privatheitsheitsvorstellungen in der amerikanischen Gegenwartsliteratur.

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