{"id":89,"date":"2012-05-30T15:21:14","date_gmt":"2012-05-30T13:21:14","guid":{"rendered":""},"modified":"2012-06-27T10:16:48","modified_gmt":"2012-06-27T08:16:48","slug":"martin-dornes-die-modernisierung-der-seele","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/autorenbuchhandlung-marx.de\/www\/martin-dornes-die-modernisierung-der-seele\/","title":{"rendered":"Martin Dornes &#8211; Die Modernisierung der Seele"},"content":{"rendered":"<p><a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/autorenbuchhandlung-marx.kommbuch.com\/detail.html?vlbid=0-3921015\"><noscript><img width=\"180\" height=\"273\" alt=\"Cover Dornes\" src=\"\/wp-content\/uploads\/u1\/dornes.jpg\"><\/noscript><img width=\"180\" height=\"273\" alt=\"Cover Dornes\" src=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg%20xmlns%3D%22http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg%22%20viewBox%3D%220%200%20180%20273%22%3E%3C%2Fsvg%3E\" data-src=\"\/wp-content\/uploads\/u1\/dornes.jpg\" class=\" lazyload\"><\/a><\/p>\n<p><strong>Buchempfehlung<\/strong><\/p>\n<p>Das Frankfurter Institut f&uuml;r Sozialforschung ist seit den Tagen Horkheimers und Adornos kaum daf&uuml;r bekannt, dass es der bundesrepublikanischen &Ouml;ffentlichkeit in seinen Publikationen ein &Uuml;berma&szlig; an gesellschaftlichem Optimismus zumutet. Umso erstaunlicher, dass Martin Dornes, langj&auml;hriges Kollegiumsmitglied des Instituts, in seiner j&uuml;ngsten Ver&ouml;ffentlichung im Hinblick auf die Situation von Kindern, Jugendlichen und Eltern in der zeitgen&ouml;ssischen Gesellschaft zu einer Einsch&auml;tzung gelangt, die auf eine umfassende Entdramatisierung der g&auml;ngigen Krisenszenarien hinausl&auml;uft.<\/p>\n<p>Wenn der geneigte Leser das Feuilleton seiner Tageszeitung aufschl&auml;gt, wird er, weitgehend unabh&auml;ngig von der linksliberalen oder konservativen Ausrichtung seines Lieblingsorgans, tagt&auml;glich mit eher d&uuml;steren Meldungen zur psychosozialen Lage unseres Nachwuchses konfrontiert. Kinder seien reiz&uuml;berflutet und unkonzentriert, sie hantierten nur noch mit Handys und Computern, globalisierungsgestresste Eltern beg&uuml;nstigten ein Klima der Wohlstandsvernachl&auml;ssigung oder hinderten ihre Kinder durch subtile Formen der f&uuml;rsorglichen Belagerung an ihrer Autonomisierung, der antiautorit&auml;re Erziehungsstil f&ouml;rdere den allgemeinen Orientierungs- und Disziplinverlust und die von der Kultusb&uuml;rokratie angezettelten G8-Reformen beraubten die Sch&uuml;ler ihrer Kindheit und verwandelten sie in miniaturisierte Leistungstr&auml;ger . Dass 80 Prozent der Berichterstattung &uuml;ber Eltern und Kinder derart negativ ist, f&uuml;hrt Dornes auf das Strukturprinzip der Medien zur&uuml;ck: Bad news are good news and good news are no news. Auf gut 500 Seiten widerlegen die von Dornes akribisch zusammengetragenen empirischen Daten dieses auf &bdquo;atmosph&auml;rischen Labilit&auml;tseindr&uuml;cken&ldquo; beruhende Lamento Punkt f&uuml;r Punkt und beweisen, dass die &ouml;ffentlich gestreuten und gef&uuml;hlten Wahrnehmungen mit den realen Fakten nicht &uuml;bereinstimmen: &bdquo;Noch nie,&ldquo; so die Essenz seiner Forschungsergebnisse, die ihm zweifellos aus allen Lagern den Vorwurf der Affirmation eintragen werden, &bdquo;waren Kinder und Jugendliche in Deutschland so zufrieden, gesund, gebildet und wohlhabend wie heute.&ldquo; Gleichwohl r&auml;umt der Autor ein, dass sich in dem weit verbreiteten Gef&uuml;hl, Kinder und Erwachsene w&uuml;rden immer kr&auml;nker und alles w&uuml;rde immer unsicherer, eine begr&uuml;ndete Ahnung &uuml;ber den inneren Zusammenhang von Freiheit und Risiko ausdr&uuml;cke. &bdquo;In der warmen Waschk&uuml;che eingelebter Tradition l&auml;sst sich beengt, aber sicher leben. Betreten wir das freie Feld, so weht gelegentlich ein rauerer Wind, an den wir uns erst gew&ouml;hnen m&uuml;ssen, bevor wir ihn zu sch&auml;tzen wissen; und mancher wird ein Leben lang die Waschk&uuml;che bevorzugen.&ldquo;<\/p>\n<p>Dass Dornes Pl&auml;doyer f&uuml;r das Leben im Frost der Freiheit trotz seines einsch&uuml;chternden Volumens auch f&uuml;r den Nichtwissenschaftler lesbar ist, mag ein Witz aus dem Vorwort illustrieren, mit dem der Autor seine f&uuml;nfj&auml;hrige Arbeit an seinem Studienobjekt charakterisiert. Eines Tages sagt der Ethnologe beim Fr&uuml;hst&uuml;ck zu seiner Frau: &bdquo;Es gibt so viele Mythen, Ger&uuml;chte und schreckliche Geschichten &uuml;ber die Indianer. Ich will das alles mal genauer untersuchen.&ldquo; Nach vielen Jahren kehrt er zur&uuml;ck und seine Frau begr&uuml;&szlig;t ihn an der Haust&uuml;r und sagt: &bdquo;Sch&ouml;n, dass du wieder da bist. Und was hast du bei den Indianern eigentlich gelernt.&ldquo; Und der Ethnologe antwortet: &bdquo;ich habe gelernt, dass alles halb so wild ist.&ldquo;<\/p>\n<p><strong>G&uuml;nter Franzen, Frankfurt am Main<\/strong><\/p>\n<p><em>Martin Dornes.&nbsp;<\/em><em>Die Modernisierung der Seele.&nbsp;<\/em><em>Kind-Familie-Gesellschaft<\/em><br>\n<em>S. Fischer Verlag, 2012, 12.99 &euro;<\/em><\/p>\n<div class=\"shariff shariff-align-flex-start shariff-widget-align-flex-start\" data-services=\"facebook%7Ctwitter\" data-url=\"https%3A%2F%2Fautorenbuchhandlung-marx.de%2Fwww%2Fmartin-dornes-die-modernisierung-der-seele%2F\" data-timestamp=\"1340792208\" data-backendurl=\"https:\/\/autorenbuchhandlung-marx.de\/www\/wp-json\/shariff\/v1\/share_counts?\"><ul class=\"shariff-buttons theme-round orientation-horizontal buttonsize-medium\"><li class=\"shariff-button facebook shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#4273c8\"><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sharer\/sharer.php?u=https%3A%2F%2Fautorenbuchhandlung-marx.de%2Fwww%2Fmartin-dornes-die-modernisierung-der-seele%2F\" title=\"Bei Facebook teilen\" aria-label=\"Bei Facebook teilen\" role=\"button\" rel=\"nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#3b5998; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style><svg width=\"32px\" height=\"20px\" viewBox=\"0 0 18 32\"><path fill=\"#3b5998\" d=\"M17.1 0.2v4.7h-2.8q-1.5 0-2.1 0.6t-0.5 1.9v3.4h5.2l-0.7 5.3h-4.5v13.6h-5.5v-13.6h-4.5v-5.3h4.5v-3.9q0-3.3 1.9-5.2t5-1.8q2.6 0 4.1 0.2z\" \/><\/svg><\/span><\/a><\/li><li class=\"shariff-button twitter shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#32bbf5\"><a href=\"https:\/\/twitter.com\/share?url=https%3A%2F%2Fautorenbuchhandlung-marx.de%2Fwww%2Fmartin-dornes-die-modernisierung-der-seele%2F&amp;text=Martin%20Dornes%20%E2%80%93%20Die%20Modernisierung%20der%20Seele\" title=\"Bei Twitter teilen\" aria-label=\"Bei Twitter teilen\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#55acee; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style><svg width=\"32px\" height=\"20px\" viewBox=\"0 0 30 32\"><path fill=\"#55acee\" d=\"M29.7 6.8q-1.2 1.8-3 3.1 0 0.3 0 0.8 0 2.5-0.7 4.9t-2.2 4.7-3.5 4-4.9 2.8-6.1 1q-5.1 0-9.3-2.7 0.6 0.1 1.5 0.1 4.3 0 7.6-2.6-2-0.1-3.5-1.2t-2.2-3q0.6 0.1 1.1 0.1 0.8 0 1.6-0.2-2.1-0.4-3.5-2.1t-1.4-3.9v-0.1q1.3 0.7 2.8 0.8-1.2-0.8-2-2.2t-0.7-2.9q0-1.7 0.8-3.1 2.3 2.8 5.5 4.5t7 1.9q-0.2-0.7-0.2-1.4 0-2.5 1.8-4.3t4.3-1.8q2.7 0 4.5 1.9 2.1-0.4 3.9-1.5-0.7 2.2-2.7 3.4 1.8-0.2 3.5-0.9z\" \/><\/svg><\/span><\/a><\/li><\/ul><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/autorenbuchhandlung-marx.kommbuch.com\/detail.html?vlbid=0-3921015\"><img width=\"180\" height=\"273\" alt=\"Cover Dornes\" src=\"\/files\/u1\/dornes.jpg\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Buchempfehlung<\/strong><\/p>\n<p>Das Frankfurter Institut f&uuml;r Sozialforschung ist seit den Tagen Horkheimers und Adornos kaum daf&uuml;r bekannt, dass es der bundesrepublikanischen &Ouml;ffentlichkeit in seinen Publikationen ein &Uuml;berma&szlig; an gesellschaftlichem Optimismus zumutet. Umso erstaunlicher, dass Martin Dornes, langj&auml;hriges Kollegiumsmitglied des Instituts, in seiner j&uuml;ngsten Ver&ouml;ffentlichung im Hinblick auf die Situation von Kindern, Jugendlichen und Eltern in der zeitgen&ouml;ssischen Gesellschaft zu einer Einsch&auml;tzung gelangt, die auf eine umfassende Entdramatisierung der g&auml;ngigen Krisenszenarien hinausl&auml;uft.<\/p>\n<p>Wenn der geneigte Leser das Feuilleton seiner Tageszeitung aufschl&auml;gt, wird er, weitgehend unabh&auml;ngig von der linksliberalen oder konservativen Ausrichtung seines Lieblingsorgans, tagt&auml;glich mit eher d&uuml;steren Meldungen zur psychosozialen Lage unseres Nachwuchses konfrontiert. Kinder seien reiz&uuml;berflutet und unkonzentriert, sie hantierten nur noch mit Handys und Computern, globalisierungsgestresste Eltern beg&uuml;nstigten ein Klima der Wohlstandsvernachl&auml;ssigung oder hinderten ihre Kinder durch subtile Formen der f&uuml;rsorglichen Belagerung an ihrer Autonomisierung, der antiautorit&auml;re Erziehungsstil f&ouml;rdere den allgemeinen Orientierungs- und Disziplinverlust und die von der Kultusb&uuml;rokratie angezettelten G8-Reformen beraubten die Sch&uuml;ler ihrer Kindheit und verwandelten sie in miniaturisierte Leistungstr&auml;ger . Dass 80 Prozent der Berichterstattung &uuml;ber Eltern und Kinder derart negativ ist, f&uuml;hrt Dornes auf das Strukturprinzip der Medien zur&uuml;ck: Bad news are good news and good news are no news. Auf gut 500 Seiten widerlegen die von Dornes akribisch zusammengetragenen empirischen Daten dieses auf &bdquo;atmosph&auml;rischen Labilit&auml;tseindr&uuml;cken&ldquo; beruhende Lamento Punkt f&uuml;r Punkt und beweisen, dass die &ouml;ffentlich gestreuten und gef&uuml;hlten Wahrnehmungen mit den realen Fakten nicht &uuml;bereinstimmen: &bdquo;Noch nie,&ldquo; so die Essenz seiner Forschungsergebnisse, die ihm zweifellos aus allen Lagern den Vorwurf der Affirmation eintragen werden, &bdquo;waren Kinder und Jugendliche in Deutschland so zufrieden, gesund, gebildet und wohlhabend wie heute.&ldquo; Gleichwohl r&auml;umt der Autor ein, dass sich in dem weit verbreiteten Gef&uuml;hl, Kinder und Erwachsene w&uuml;rden immer kr&auml;nker und alles w&uuml;rde immer unsicherer, eine begr&uuml;ndete Ahnung &uuml;ber den inneren Zusammenhang von Freiheit und Risiko ausdr&uuml;cke. &bdquo;In der warmen Waschk&uuml;che eingelebter Tradition l&auml;sst sich beengt, aber sicher leben. 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