{"id":312,"date":"2014-06-12T19:44:03","date_gmt":"2014-06-12T17:44:03","guid":{"rendered":"http:\/\/autorenbuchhandlung-marx.de\/www\/?p=312"},"modified":"2014-06-12T19:44:54","modified_gmt":"2014-06-12T17:44:54","slug":"buchempfehlung-katja-petrowskaja-vielleicht-esther","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/autorenbuchhandlung-marx.de\/www\/buchempfehlung-katja-petrowskaja-vielleicht-esther\/","title":{"rendered":"Buchempfehlung &#8211; Katja Petrowskaja &#8222;Vielleicht Esther&#8220;"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_313\" aria-describedby=\"caption-attachment-313\" style=\"width: 180px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/autorenbuchhandlung-marx.de\/www\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/0-4381442.jpg\"><noscript><img class=\"wp-image-313 size-medium\" src=\"http:\/\/autorenbuchhandlung-marx.de\/www\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/0-4381442-180x300.jpg\" alt=\"Suhrkamp Verlag, 2014 \u20ac 19.95\" width=\"180\" height=\"300\"><\/noscript><img class=\"wp-image-313 size-medium lazyload\" src=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg%20xmlns%3D%22http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg%22%20viewBox%3D%220%200%20180%20300%22%3E%3C%2Fsvg%3E\" alt=\"Suhrkamp Verlag, 2014 \u20ac 19.95\" width=\"180\" height=\"300\" data-src=\"http:\/\/autorenbuchhandlung-marx.de\/www\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/0-4381442-180x300.jpg\"><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-313\" class=\"wp-caption-text\">Suhrkamp Verlag, 2014<br> \u20ac 19.95<\/figcaption><\/figure>\n<p>F\u00fcr das titelgebende Kapitel \u201eVielleicht Esther\u201c hat Katja Petrowskaja 2013 den Ingeborg-Bachmann-Preis erhalten. Damals lobten die Juroren einhellig die Leichtigkeit und sprachliche Sch\u00f6nheit, mit der die Autorin beschrieb, wie ihre j\u00fcdische Urgro\u00dfmutter im Zuge der gro\u00dfen S\u00e4uberung in Kiew erschossen wurde \u2013 ohne dass das Geschehen dadurch verharmlost wurde. Soviel vorweg: es ist eine der gro\u00dfen Qualit\u00e4ten von Petrowskajas Buch, dass sie Ungeheuerliches, Verst\u00f6rendes, Ber\u00fchrendes, Absurdes mit Leichtigkeit, Klugheit, Komik und Zartheit erz\u00e4hlen kann.<\/p>\n<p>Die Autorin versucht, ihre weitverzweigte j\u00fcdische Familie zu rekonstruieren, deren Wurzeln in der Ukraine, in Russland und in Polen liegen. Viele sind bereits tot \u2013 verschollen, vertrieben, ermordet. Es gibt Geschichten \u00fcber sie, aber auch Schweigen, und wie in jeder Familie werden Leerstellen \u00fcbergangen oder durch Mythen aufgef\u00fcllt. Die wenigen \u00dcberlebenden des Krieges starben, als sie noch ein Kind war, zu jung, um Fragen zu stellen.<\/p>\n<p>Einen Familienstammbaum wollte sie zeichnen, einen Scherbenhaufen hat sie gefunden, ein Puzzle, dessen Teile sich nicht ineinanderf\u00fcgen wollten. Denn anders als im Westen Europas h\u00f6rten die Schrecken nicht mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs auf. Gab es weiterhin Antisemitismus, war es besser, keine politisch bedenklichen Familienmitglieder zu haben, war ein Erinnern an die Kriegsopfer nur m\u00f6glich, wenn diese auf der \u201erichtigen\u201c Seite gestanden hatten.<\/p>\n<p>So erz\u00e4hlt sie Geschichten, die sich zu Kapiteln f\u00fcgen und letztlich doch ein Ganzes werden. Von ihren Reisen, ihren Recherchen, ihren Erfahrungen und eigenen Erinnerungen. Das f\u00fcgt sich weder chronologisch aneinander noch inhaltlich stringent zusammen. Ihr Erz\u00e4hlen ist wie das, was sie vorfindet \u2013 ein Puzzle, dessen St\u00fccke mal hier, mal dort passen. Einzelne Bilder lassen sich zusammenf\u00fcgen, andere nicht . Da finden sich Lehrer, die Waisenh\u00e4user f\u00fcr taubstumme Kinder gr\u00fcnden, ein Gro\u00dfonkel, der 1932 ein Attentat auf den deutschen Botschafter in Moskau ver\u00fcbt, ein Gro\u00dfvater, der 41 Jahre nach dem Krieg wieder zu Hause auftaucht, Tanten, Onkel, Urgro\u00dfm\u00fctter und Anna und Ljolja, die in Babij Jar liegen. Aber in ihrem Netz verfangen sich auch die Geschichten g\u00e4nzlich fremder Menschen, deren Schicksale sich vielleicht mit denen ihrer Familienmitglieder ber\u00fchrt haben k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Und es gibt \u201eVielleicht Esther\u201c die so hei\u00dft, weil der Vater sich an den Namen seiner Gro\u00dfmutter nicht mehr erinnern kann, die er immer nur z\u00e4rtlich Babutschka nannte. Die zu alt war, um auf die Flucht mitgenommen zu werden, als der Aufruf an alle Juden erging, sich zu der totbringenden Schlucht zu begeben, und die, als sie zwei Soldaten nach dem Weg fragte, sofort erschossen wurde.<\/p>\n<p>Es ist die gro\u00dfartige Qualit\u00e4t dieses Buches, dass es nicht von der Last seines eigenen Inhalts erdr\u00fcckt wird. Petrowskaja hat eine wunderbar klare Sprache, und dass sie noch in weiteren Sprachen zu Hause ist, gibt ihrem Ausdruck eine Bewusstheit und Vielfalt, die man bei jungen deutschen Autoren sonst oft vermisst.<\/p>\n<p><strong>Ruth Roebke, autorenbuchhandlung marx &amp; co, Frankfurt<\/strong><\/p>\n<div class=\"shariff shariff-align-flex-start shariff-widget-align-flex-start\" data-services=\"facebook%7Ctwitter\" data-url=\"https%3A%2F%2Fautorenbuchhandlung-marx.de%2Fwww%2Fbuchempfehlung-katja-petrowskaja-vielleicht-esther%2F\" data-timestamp=\"1402602294\" data-backendurl=\"https:\/\/autorenbuchhandlung-marx.de\/www\/wp-json\/shariff\/v1\/share_counts?\"><ul class=\"shariff-buttons theme-round orientation-horizontal buttonsize-medium\"><li class=\"shariff-button facebook shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#4273c8\"><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sharer\/sharer.php?u=https%3A%2F%2Fautorenbuchhandlung-marx.de%2Fwww%2Fbuchempfehlung-katja-petrowskaja-vielleicht-esther%2F\" title=\"Bei Facebook teilen\" aria-label=\"Bei Facebook teilen\" role=\"button\" rel=\"nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#3b5998; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style><svg width=\"32px\" height=\"20px\" viewBox=\"0 0 18 32\"><path fill=\"#3b5998\" d=\"M17.1 0.2v4.7h-2.8q-1.5 0-2.1 0.6t-0.5 1.9v3.4h5.2l-0.7 5.3h-4.5v13.6h-5.5v-13.6h-4.5v-5.3h4.5v-3.9q0-3.3 1.9-5.2t5-1.8q2.6 0 4.1 0.2z\" \/><\/svg><\/span><\/a><\/li><li class=\"shariff-button twitter shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#32bbf5\"><a href=\"https:\/\/twitter.com\/share?url=https%3A%2F%2Fautorenbuchhandlung-marx.de%2Fwww%2Fbuchempfehlung-katja-petrowskaja-vielleicht-esther%2F&amp;text=Buchempfehlung%20%E2%80%93%20Katja%20Petrowskaja%20%E2%80%9EVielleicht%20Esther%E2%80%9C\" title=\"Bei Twitter teilen\" aria-label=\"Bei Twitter teilen\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#55acee; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style><svg width=\"32px\" height=\"20px\" viewBox=\"0 0 30 32\"><path fill=\"#55acee\" d=\"M29.7 6.8q-1.2 1.8-3 3.1 0 0.3 0 0.8 0 2.5-0.7 4.9t-2.2 4.7-3.5 4-4.9 2.8-6.1 1q-5.1 0-9.3-2.7 0.6 0.1 1.5 0.1 4.3 0 7.6-2.6-2-0.1-3.5-1.2t-2.2-3q0.6 0.1 1.1 0.1 0.8 0 1.6-0.2-2.1-0.4-3.5-2.1t-1.4-3.9v-0.1q1.3 0.7 2.8 0.8-1.2-0.8-2-2.2t-0.7-2.9q0-1.7 0.8-3.1 2.3 2.8 5.5 4.5t7 1.9q-0.2-0.7-0.2-1.4 0-2.5 1.8-4.3t4.3-1.8q2.7 0 4.5 1.9 2.1-0.4 3.9-1.5-0.7 2.2-2.7 3.4 1.8-0.2 3.5-0.9z\" \/><\/svg><\/span><\/a><\/li><\/ul><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr das titelgebende Kapitel \u201eVielleicht Esther\u201c hat Katja Petrowskaja 2013 den Ingeborg-Bachmann-Preis erhalten. 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