{"id":2591,"date":"2022-03-10T17:38:20","date_gmt":"2022-03-10T15:38:20","guid":{"rendered":"https:\/\/autorenbuchhandlung-marx.de\/www\/?p=2591"},"modified":"2022-02-17T17:41:03","modified_gmt":"2022-02-17T15:41:03","slug":"buchempfehlung-74","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/autorenbuchhandlung-marx.de\/www\/buchempfehlung-74\/","title":{"rendered":"Buchempfehlung"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright\"><noscript><img width=\"278\" height=\"454\" src=\"https:\/\/autorenbuchhandlung-marx.de\/www\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/ARTK_CT0_9783446272927_0001.jpg\" alt class=\"wp-image-2592\" srcset=\"https:\/\/autorenbuchhandlung-marx.de\/www\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/ARTK_CT0_9783446272927_0001.jpg 278w, https:\/\/autorenbuchhandlung-marx.de\/www\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/ARTK_CT0_9783446272927_0001-184x300.jpg 184w\" sizes=\"(max-width: 278px) 100vw, 278px\"><\/noscript><img width=\"278\" height=\"454\" src=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg%20xmlns%3D%22http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg%22%20viewBox%3D%220%200%20278%20454%22%3E%3C%2Fsvg%3E\" alt class=\"wp-image-2592 lazyload\" srcset=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg%20xmlns%3D%22http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg%22%20viewBox%3D%220%200%20278%20454%22%3E%3C%2Fsvg%3E 278w\" sizes=\"(max-width: 278px) 100vw, 278px\" data-srcset=\"https:\/\/autorenbuchhandlung-marx.de\/www\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/ARTK_CT0_9783446272927_0001.jpg 278w, https:\/\/autorenbuchhandlung-marx.de\/www\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/ARTK_CT0_9783446272927_0001-184x300.jpg 184w\" data-src=\"https:\/\/autorenbuchhandlung-marx.de\/www\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/ARTK_CT0_9783446272927_0001.jpg\"><figcaption>Hanser Verlag <br>978-3-446-27292-7 <br>22\u20ac<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<h3>Yasmina Reza<\/h3>\n\n\n\n<h2>Serge<\/h2>\n\n\n\n<p>Herkunft und Familie \u2013 ewig w\u00e4hrende Themen, die in immer\n neuen Konstellationen und Variationen den Hintergrund, wenn nicht das \nZentrum der meisten literarischen Werke der sch\u00f6nen Literatur bilden. So\n auch in <em>Serge<\/em>, dem neuen Roman der erfolgreichen franz\u00f6sischen\n Theater- und Romanautorin Yasmina Reza. Hier ist es die in Paris \nlebende j\u00fcdische Familie Popper. Im Mittelpunkt stehen die drei \nGeschwister Serge, Jean und Nana, alle bereits in der zweiten \nLebensh\u00e4lfte: Serge, der \u00c4lteste, gro\u00dfm\u00e4ulig, ein ewiger Schlawiner, \nder, zumeist gl\u00fccklos, Zeit und Geld in windige Gesch\u00e4fte investiert; \nJean, ein Leben lang nichts weiter als das mittlere Kind, ist bis zur \nUnkenntlichkeit der eigenen Meinung auf Ausgleich bedacht. Und Nana, die\n j\u00fcngste, einst das h\u00fcbsche Prinzesschen, hat dann leider keinen \nZahnarzt geheiratet, sondern den aus dem Arbeitermilieu stammenden Ramos\n Ochoa, dem die Br\u00fcder unterstellen, sich Arbeitslosenhilfe zu \nergaunern. Bis auf kurze sentimentale Anwandlungen sind die drei \neinander in hingebungsvollem, von Serge immer wieder entfachtem  \nDauergez\u00e4nk verbunden.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Text beginnt mit dem Tod der alten Mutter, die zum \nEntsetzen aller darauf bestanden hat, sich ein\u00e4schern zu lassen. Als die\n Familie nach einem tr\u00fcbseligen Begr\u00e4bnis zusammen im Caf\u00e9 sitzt, \nverk\u00fcndet Jos\u00e9phine, Serges Tochter, dass sie nach Auschwitz fahren \nwill, den Ort, nach dem niemand in der Familie die Mutter, deren \nAngeh\u00f6rige dort ermordet wurden, jemals gefragt hat. <\/p>\n\n\n\n<p>Im darauf folgenden April machen sich Serge, Jean, Nana \nund Jos\u00e9phine auf den Weg nach Polen. Bei einem f\u00fcr April unnat\u00fcrlich \nhei\u00dfen Wetter schleppen sie sich durch diesen von Touristenmassen \n\u00fcberschwemmten Schreckensort, an dem auf Schritt und Tritt mit dem \nAppell, nie zu vergessen, das Erinnern beschworen wird. Das Erinnern \nmisslingt, weil keiner der drei sich auf diesen Ort einlassen kann oder \nwill. Serge l\u00e4sst r\u00e4sonierend niemanden im Zweifel, dass er eigentlich \nwoanders sein will. Nana sucht verwirrt hektisch in einer Datenbank nach\n Spuren ihrer ungarischen Vorfahren und Jean bringt auf den Punkt, warum\n ihm das Erinnern nicht m\u00f6glich ist: \u201c<em>Vergesst nicht!<\/em> Aber \nwarum? Um es nicht wieder zu tun? Aber du wirst es wieder tun. Ein \nWissen, das nicht zutiefst mit einem selbst verbunden ist, bleibt \nfolgenlos.\u201d <\/p>\n\n\n\n<p>Dieser Roman ist eine Farce, die Yasmina Reza in einer \nfragilen Balance zwischen Komik und B\u00f6sartigkeit h\u00e4lt. Sie verwendet \nnicht viel Zeit darauf, Verhaltensweisen psychologisch oder historisch \nherzuleiten. Alles erschlie\u00dft sich bei ihr durch pr\u00e4zise Schilderungen \nund bissige Dialoge \u2013 sie ist nicht umsonst eine erfolgreiche \nDramatikerin. Manches Lachen bleibt im Halse stecken. Da sich bei den \nPersonen Wut und Trauer zumeist in Selbstmitleid \u00e4u\u00dfern, h\u00e4lt sich auch \ndie Empathie mit ihnen in Grenzen. All das zu lesen, w\u00e4re schwer \nauszuhalten, w\u00e4re da nicht zugleich der unterirdische Strom von \nHilflosigkeit, Verletztheit, Einsamkeit und \u2013 man glaubt es bei dem \nst\u00e4ndigen Redefluss kaum \u2013 Sprachlosigkeit. Denn die \u00fcberbordende, immer\n um sich selbst kreisende Kakophonie der Geschwister hat nur eine \nFunktion: Gef\u00fchle zu verdr\u00e4ngen und das Versteckte, nicht Sagbare, das \ndie Familie mit sich herumschleppt, zu \u00fcberdecken. Erst ganz am Schluss \nkehrt angesichts eines realen Ungl\u00fccks doch so etwas wie Frieden \nzwischen den Geschwistern ein \u2013 ganz ohne Kitsch und Sentimentalit\u00e4t. <\/p>\n\n\n\n<p>Ruth Roebke, Frankfurt a. M.<\/p>\n<div class=\"shariff shariff-align-flex-start shariff-widget-align-flex-start\" data-services=\"facebook%7Ctwitter\" data-url=\"https%3A%2F%2Fautorenbuchhandlung-marx.de%2Fwww%2Fbuchempfehlung-74%2F\" data-timestamp=\"1645119663\" data-backendurl=\"https:\/\/autorenbuchhandlung-marx.de\/www\/wp-json\/shariff\/v1\/share_counts?\"><ul class=\"shariff-buttons theme-round orientation-horizontal buttonsize-medium\"><li class=\"shariff-button facebook shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#4273c8\"><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sharer\/sharer.php?u=https%3A%2F%2Fautorenbuchhandlung-marx.de%2Fwww%2Fbuchempfehlung-74%2F\" title=\"Bei Facebook teilen\" aria-label=\"Bei Facebook teilen\" role=\"button\" rel=\"nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#3b5998; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style><svg width=\"32px\" height=\"20px\" viewBox=\"0 0 18 32\"><path fill=\"#3b5998\" d=\"M17.1 0.2v4.7h-2.8q-1.5 0-2.1 0.6t-0.5 1.9v3.4h5.2l-0.7 5.3h-4.5v13.6h-5.5v-13.6h-4.5v-5.3h4.5v-3.9q0-3.3 1.9-5.2t5-1.8q2.6 0 4.1 0.2z\" \/><\/svg><\/span><\/a><\/li><li class=\"shariff-button twitter shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#32bbf5\"><a href=\"https:\/\/twitter.com\/share?url=https%3A%2F%2Fautorenbuchhandlung-marx.de%2Fwww%2Fbuchempfehlung-74%2F&amp;text=Buchempfehlung\" title=\"Bei Twitter teilen\" aria-label=\"Bei Twitter teilen\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#55acee; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style><svg width=\"32px\" height=\"20px\" viewBox=\"0 0 30 32\"><path fill=\"#55acee\" d=\"M29.7 6.8q-1.2 1.8-3 3.1 0 0.3 0 0.8 0 2.5-0.7 4.9t-2.2 4.7-3.5 4-4.9 2.8-6.1 1q-5.1 0-9.3-2.7 0.6 0.1 1.5 0.1 4.3 0 7.6-2.6-2-0.1-3.5-1.2t-2.2-3q0.6 0.1 1.1 0.1 0.8 0 1.6-0.2-2.1-0.4-3.5-2.1t-1.4-3.9v-0.1q1.3 0.7 2.8 0.8-1.2-0.8-2-2.2t-0.7-2.9q0-1.7 0.8-3.1 2.3 2.8 5.5 4.5t7 1.9q-0.2-0.7-0.2-1.4 0-2.5 1.8-4.3t4.3-1.8q2.7 0 4.5 1.9 2.1-0.4 3.9-1.5-0.7 2.2-2.7 3.4 1.8-0.2 3.5-0.9z\" \/><\/svg><\/span><\/a><\/li><\/ul><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Yasmina Reza Serge Herkunft und Familie \u2013 ewig w\u00e4hrende Themen, die in immer neuen Konstellationen und Variationen den Hintergrund, wenn nicht das Zentrum der meisten literarischen Werke der sch\u00f6nen Literatur bilden. 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