{"id":2582,"date":"2022-02-23T17:31:57","date_gmt":"2022-02-23T15:31:57","guid":{"rendered":"https:\/\/autorenbuchhandlung-marx.de\/www\/?p=2582"},"modified":"2022-02-17T17:32:59","modified_gmt":"2022-02-17T15:32:59","slug":"buchempfehlung-72","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/autorenbuchhandlung-marx.de\/www\/buchempfehlung-72\/","title":{"rendered":"Buchempfehlung"},"content":{"rendered":"<h3>Anna Mayr<\/h3>\n\n\n\n<h2>Die Elenden<\/h2>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright\"><a href=\"https:\/\/kommbuch.com\/detail\/?ean=978-3-446-26840-1\"><noscript><img width=\"278\" height=\"454\" src=\"https:\/\/autorenbuchhandlung-marx.de\/www\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/9783446268401-1.jpg\" alt class=\"wp-image-2583\" srcset=\"https:\/\/autorenbuchhandlung-marx.de\/www\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/9783446268401-1.jpg 278w, https:\/\/autorenbuchhandlung-marx.de\/www\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/9783446268401-1-184x300.jpg 184w\" sizes=\"(max-width: 278px) 100vw, 278px\"><\/noscript><img width=\"278\" height=\"454\" src=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg%20xmlns%3D%22http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg%22%20viewBox%3D%220%200%20278%20454%22%3E%3C%2Fsvg%3E\" alt class=\"wp-image-2583 lazyload\" srcset=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg%20xmlns%3D%22http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg%22%20viewBox%3D%220%200%20278%20454%22%3E%3C%2Fsvg%3E 278w\" sizes=\"(max-width: 278px) 100vw, 278px\" data-srcset=\"https:\/\/autorenbuchhandlung-marx.de\/www\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/9783446268401-1.jpg 278w, https:\/\/autorenbuchhandlung-marx.de\/www\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/9783446268401-1-184x300.jpg 184w\" data-src=\"https:\/\/autorenbuchhandlung-marx.de\/www\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/9783446268401-1.jpg\"><\/a><figcaption>Hanser Berlin<br>978-3-446-26840-1 <br>22 \u20ac<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Wie kommt es eigentlich, dass Arbeitslose in unserer \nGesellschaft keinen Platz zu haben scheinen? Anna Mayr geht dieser \n\u00fcberaus aktuellen Frage nach, indem sie einerseits kulturgeschichtlich \nbis zu den Urspr\u00fcngen der Verachtung f\u00fcr Arbeitslose vordringt und \nandererseits in ihrer eigenen Geschichte als Kind von \nHartz-IV-Empf\u00e4nger:innen das seltsame und scheinbar undurchdringliche \nGemisch aus moralischer Ablehnung und sozialer Isolierung erforscht, mit\n denen Arbeitslosen bis heute in Deutschland begegnet wird. Mehr noch: \nIhnen wird die M\u00f6glichkeit abgesprochen, eine Identit\u00e4t auszubilden und \nihrem Leben Orientierung zu geben. Das Ergebnis von Mayrs Recherche ist \ndas \u00fcberzeugende Pl\u00e4doyer f\u00fcr ein Umdenken.<\/p>\n\n\n\n<p>Mayrs zentrale These findet sich bereits im Untertitel: \nArbeitslose werden in unserer Gesellschaft als faule, ungebildete und \nschlampige Parasiten verachtet. Sie haben keine Funktion in der \nGesellschaft, und ihnen wird damit jedes Recht auf Teilhabe \nabgesprochen. Arbeitslosen wird nachgesagt, sie k\u00f6nnten nicht mit Geld \numgehen \u2013 statt ihr weniges Geld sinnvoll und nachhaltig einzusetzen, \nkauften sie davon Alkohol, Drogen und ungesundes Essen \u2013 w\u00fcrden zu viel \nfernsehen und seien insgesamt an nichts als ihrem eigenen Wohlbefinden \ninteressiert. Letztendlich, so das zentrale Stereotyp, das Mayr \nbeschreibt, seien sie selbst schuld an ihrem Schicksal. Sie k\u00f6nnten ja \nschlie\u00dflich etwas Vern\u00fcnftiges lernen und ihr Geld selbst verdienen. Das\n mag in Einzelf\u00e4llen stimmen, strukturell jedoch ist die Sache, wie \nMayr, auf Marx zur\u00fcckgreifend, \u00fcberzeugend nachweist, anders: Es sind \nnicht die Arbeitslosen an ihrer Arbeitslosigkeit schuld, es ist die \nkapitalistische Gesellschaft, die systematische Arbeitslosigkeit \nerzeugt, damit ihr bei Bedarf stets genug billige Arbeitskr\u00e4fte zur \nVerf\u00fcgung stehen, die jeden Job um jeden Preis machen. Erst durch die \nExistenz von Arbeitslosen kann es so billige Arbeitskr\u00e4fte und folglich \nso billige Produkte und Dienstleistungen geben. Und dazu kommt eine \nnicht weniger wichtige Funktion: Erst Arbeitslose best\u00e4tigen den Sinn \nder Arbeit und dienen so als wichtige Abgrenzungskategorie, sind also \nauch aus dieser Perspektive eine zentrale Ressource f\u00fcr die \nkapitalistische Gesellschaft. Dabei wird ihnen durch perfide Mechanismen\n der Konkurrenzerzeugung die M\u00f6glichkeit genommen, sich zu \nsolidarisieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Immer wieder l\u00e4sst Anna Mayr den autobiografischen \nHintergrund ihres Interesses an Arbeitslosigkeit einflie\u00dfen: Sie wuchs \nauf als Tochter zweier Langzeitarbeitslosen und erlebte als Kind die \nScham und das Gef\u00fchl, kein Recht auf Teilhabe zu haben, am eigenen Leib.\n Sie betont immer wieder, es sei eine Verkettung gl\u00fccklicher Zuf\u00e4lle \ngewesen, die ihr ein Studium und den Eintritt ins Berufsleben erm\u00f6glicht\n h\u00e4tten (heute ist Mayr Redakteurin im Politik-Ressort der ZEIT);\n das System allein h\u00e4tte dazu gef\u00fchrt, sie ebenfalls in die Spirale aus \nArbeitslosigkeit und Armut fallen zu lassen. Gegen Armut, so Mayrs \nForderung aufgrund dieser Erfahrung, hilft letztlich nur Geld.<\/p>\n\n\n\n<p>Der gr\u00f6\u00dfte Verdienst von Mayr ist die Dekonstruktion der \nVorstellung, nur Berufsarbeit k\u00f6nne dem Leben eines Menschen Sinn geben \u2013\n und sei sie auch noch so sinnlos. Historisch zeichnet Mayr die \nEntwicklung dieser Sakralisierung der Arbeit nach; sie macht Stationen \nbei Walter Benjamin, Benjamin Franklin, Martin Luther, den Schweizer \nReformatoren Zwingli und Calvin und findet dann zur\u00fcck in die \nSp\u00e4tmoderne. Denn diese Vorstellung pr\u00e4gt bis heute unsere Gesellschaft \nund hat verheerende Folgen nicht nur f\u00fcr die, die aus der \nLeistungsgesellschaft \u201eherausfallen\u201c, sondern f\u00fcr das gesamte \nSozialsystem. Mayrs Essay ist damit ein notwendiger und wichtiger \nKommentar zu aktuellen \u00dcberlegungen f\u00fcr ein anderes Arbeitsverst\u00e4ndnis.<\/p>\n\n\n\n<p>Alena Heinritz, Innsbruck<\/p>\n<div class=\"shariff shariff-align-flex-start shariff-widget-align-flex-start\" data-services=\"facebook%7Ctwitter\" data-url=\"https%3A%2F%2Fautorenbuchhandlung-marx.de%2Fwww%2Fbuchempfehlung-72%2F\" data-timestamp=\"1645119179\" data-backendurl=\"https:\/\/autorenbuchhandlung-marx.de\/www\/wp-json\/shariff\/v1\/share_counts?\"><ul class=\"shariff-buttons theme-round orientation-horizontal buttonsize-medium\"><li class=\"shariff-button facebook shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#4273c8\"><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sharer\/sharer.php?u=https%3A%2F%2Fautorenbuchhandlung-marx.de%2Fwww%2Fbuchempfehlung-72%2F\" title=\"Bei Facebook teilen\" aria-label=\"Bei Facebook teilen\" role=\"button\" rel=\"nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#3b5998; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style><svg width=\"32px\" height=\"20px\" viewBox=\"0 0 18 32\"><path fill=\"#3b5998\" d=\"M17.1 0.2v4.7h-2.8q-1.5 0-2.1 0.6t-0.5 1.9v3.4h5.2l-0.7 5.3h-4.5v13.6h-5.5v-13.6h-4.5v-5.3h4.5v-3.9q0-3.3 1.9-5.2t5-1.8q2.6 0 4.1 0.2z\" \/><\/svg><\/span><\/a><\/li><li class=\"shariff-button twitter shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#32bbf5\"><a href=\"https:\/\/twitter.com\/share?url=https%3A%2F%2Fautorenbuchhandlung-marx.de%2Fwww%2Fbuchempfehlung-72%2F&amp;text=Buchempfehlung\" title=\"Bei Twitter teilen\" aria-label=\"Bei Twitter teilen\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#55acee; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style><svg width=\"32px\" height=\"20px\" viewBox=\"0 0 30 32\"><path fill=\"#55acee\" d=\"M29.7 6.8q-1.2 1.8-3 3.1 0 0.3 0 0.8 0 2.5-0.7 4.9t-2.2 4.7-3.5 4-4.9 2.8-6.1 1q-5.1 0-9.3-2.7 0.6 0.1 1.5 0.1 4.3 0 7.6-2.6-2-0.1-3.5-1.2t-2.2-3q0.6 0.1 1.1 0.1 0.8 0 1.6-0.2-2.1-0.4-3.5-2.1t-1.4-3.9v-0.1q1.3 0.7 2.8 0.8-1.2-0.8-2-2.2t-0.7-2.9q0-1.7 0.8-3.1 2.3 2.8 5.5 4.5t7 1.9q-0.2-0.7-0.2-1.4 0-2.5 1.8-4.3t4.3-1.8q2.7 0 4.5 1.9 2.1-0.4 3.9-1.5-0.7 2.2-2.7 3.4 1.8-0.2 3.5-0.9z\" \/><\/svg><\/span><\/a><\/li><\/ul><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anna Mayr Die Elenden Wie kommt es eigentlich, dass Arbeitslose in unserer Gesellschaft keinen Platz zu haben scheinen? 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