{"id":2292,"date":"2021-06-28T05:42:46","date_gmt":"2021-06-28T03:42:46","guid":{"rendered":"https:\/\/autorenbuchhandlung-marx.de\/www\/?p=2292"},"modified":"2021-07-15T17:44:08","modified_gmt":"2021-07-15T15:44:08","slug":"buchempfehlung-62","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/autorenbuchhandlung-marx.de\/www\/buchempfehlung-62\/","title":{"rendered":"Buchempfehlung"},"content":{"rendered":"<h3>Ulrike Edschmid<\/h3>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright is-resized\"><a href=\"https:\/\/kommbuch.com\/detail\/?ean=978-3-518-42974-7\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><noscript><img src=\"https:\/\/autorenbuchhandlung-marx.de\/www\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/9783518429747.jpg\" alt class=\"wp-image-2265\" width=\"204\" height=\"342\" srcset=\"https:\/\/autorenbuchhandlung-marx.de\/www\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/9783518429747.jpg 200w, https:\/\/autorenbuchhandlung-marx.de\/www\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/9783518429747-179x300.jpg 179w\" sizes=\"(max-width: 204px) 100vw, 204px\"><\/noscript><img src=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg%20xmlns%3D%22http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg%22%20viewBox%3D%220%200%20204%20342%22%3E%3C%2Fsvg%3E\" alt class=\"wp-image-2265 lazyload\" width=\"204\" height=\"342\" srcset=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg%20xmlns%3D%22http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg%22%20viewBox%3D%220%200%20204%20342%22%3E%3C%2Fsvg%3E 204w\" sizes=\"(max-width: 204px) 100vw, 204px\" data-srcset=\"https:\/\/autorenbuchhandlung-marx.de\/www\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/9783518429747.jpg 200w, https:\/\/autorenbuchhandlung-marx.de\/www\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/9783518429747-179x300.jpg 179w\" data-src=\"https:\/\/autorenbuchhandlung-marx.de\/www\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/9783518429747.jpg\"><\/a><figcaption>Suhrkamp Verlag<br>20 \u20ac<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<h2>Levys Testament<\/h2>\n\n\n\n<p>Der Roman \nbeginnt im Jahr 1972 in Berlin. Die namenlose Ich-Erz\u00e4hlerin, Studentin \nder Berliner Filmakademie, reist von Berlin nach London, weil sie der \n\u00dcberwachung durch die bundesrepublikanische Polizei entkommen will. Nach\n dem Verschwinden ihres Freundes Philip S., der aus ihrem Leben \n\u201everschwunden und mit falschen Papieren untergetaucht ist\u201c, will die \nErz\u00e4hlerin nur raus aus der eingemauerten Stadt. In London lernt sie \n\u201eden Engl\u00e4nder\u201c kennen und lieben, von ihm ist im weiteren Verlauf des \nRomans fast ausschlie\u00dflich die Rede.<\/p>\n\n\n\n<p>In knappen S\u00e4tzen wird die politisch aufgeheizte \nSituation der 70ger Jahre geschildert. Der Roman spielt in besetzten \nH\u00e4usern, in deren Wohngemeinschaften politisch debattiert wird; \nFlugbl\u00e4tter werden verfasst gegen Ausbeutung, gegen den Kapitalismus und\n den Imperialismus. Er berichtet von den Bombenanschl\u00e4gen der IRA\n und der Angry Brigade, einer anarchistischen Gruppe, die Bomben auf \nEigentum geworfen hat, aber keine Menschen t\u00f6ten wollte. Hier beschreibt\n Ulrike Edschmid eine grundlegende Differenz zu den deutschen \npolitischen K\u00e4mpfen gegen \u201edas System\u201c. Gemeinsam mit anderen verfolgen \ndie Ich-Erz\u00e4hlerin und der Engl\u00e4nder den Prozess gegen acht Anarchisten \nim Gerichtssaal des Old Bailey. Die Angeklagten erhalten drakonische \nStrafen. Das Paar erkundet London mit dem Bus, er zeigt ihr die Orte, an\n denen er aufgewachsen ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie leben gemeinsam in Berlin, danach in Frankfurt.  Edschmid erz\u00e4hlt ihre Liebesgeschichte als Teil der politischen  Bewegungsgeschichte der 70er Jahre: die Frankfurter H\u00e4userk\u00e4mpfe, die  \u201epolitische Fabrikarbeit\u201c (der Engl\u00e4nder arbeitet zwei Jahre bei  Degussa), die Nelkenrevolution in Portugal, Flugblattaktionen gegen  Francos Diktatur in Spanien. Das Paar trennt sich, aber sie bleiben in  Freundschaft tief verbunden.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann beginnt ein ganz anderer Teil dieses Romans. Die \nIch-Erz\u00e4hlerin ist nicht mehr agierender Teil der Erz\u00e4hlung. Sie erz\u00e4hlt\n das weitere Leben \u201edes Engl\u00e4nders\u201c: Er macht eine erstaunliche Karriere\n als Regisseur, wird sp\u00e4ter Professor f\u00fcr Theaterwissenschaft. Sehr sp\u00e4t\n wird er von einem Teil seiner Familie entdeckt, die er nicht kannte. Er\n wusste, dass er Jude ist, aber das spielte bisher nur eine Rolle zur \nErkl\u00e4rung seiner Heimatlosigkeit und Nicht-Zugeh\u00f6rigkeit. So wie seine \nMutter ihm prophezeite: \u201eDu wirst nie dazugeh\u00f6ren. Du bist Jude und \nwirst es immer bleiben.\u201c Das lebenslange Schweigen seines Vaters \u00fcber \ndie Geschichte seiner Herkunftsfamilie erweist sich im Nachhinein als \nein v\u00f6llig anderes und viel gewichtigeres Motiv f\u00fcr sein \nNirgends-Dazugeh\u00f6ren, Nicht-Sesshaft werden K\u00f6nnen.<br>\nNun sucht der Engl\u00e4nder nach seiner Familiengeschichte und findet eine \nTrag\u00f6die. Sie beginnt im fr\u00fchen 20. Jahrhundert und handelt von einem \nPatriarchen und von einem gro\u00dfen Betrug, dessen Opfer der eine Sohn wird\n \u2013 der Gro\u00dfvater \u201edes Engl\u00e4nders\u201c. Der Urgro\u00dfvater hat einen \nVersicherungsbetrug begangen, sein Sohn Jacob musste die Schuld seines \nVaters auf sich nehmen. Jacob wird in einem Gerichtsverfahren, das \u2013 wie\n das Verfahren gegen die Anarchisten \u2013 im Old Bailey stattfindet, zu \neiner Gef\u00e4ngnisstrafe mit Zwangsarbeit verurteilt. Er stirbt an den \nFolgen. Er selbst und seine Nachkommen, der Ginger Joe genannte Sohn \nJoseph und dessen Sohn, \u201eder Engl\u00e4nder\u201c, werden aus der Familie \nausgesto\u00dfen und aus der Familiengeschichte getilgt. Die Familie des \n\u201eEngl\u00e4nders\u201c \u00fcberlebt in gro\u00dfer Armut, w\u00e4hrend der andere Teil der \nFamilie reich und erfolgreich weiter leben kann. Der Vater \u201edes \nEngl\u00e4nders\u201c hat sein Leben lang \u00fcber seine Herkunft aus dem reichen \nB\u00fcrgertum und \u00fcber das Schicksal des Gro\u00dfvaters geschwiegen. Es gab nie \neine Entschuldigung und auch keine sp\u00e4te Wiedergutmachung.<\/p>\n\n\n\n<p>Beim Lesen entsteht f\u00fcr die deutsche Leserin eine \nErwartung, ein Grundgef\u00fchl des Grauens. Sie rechnet mit einem Schicksal \nvon Verfolgung in der Schoa, sobald dieses Drama der j\u00fcdischen Familie \nauftaucht. Das ist im Blick auf die Erz\u00e4hlung eine falsche Erwartung, \naus der die Lekt\u00fcre allerdings ihre Spannung bezieht. Sehr lesenswert.<\/p>\n\n\n\n<p>Barbara Determann, autorenbuchhandlung marx &amp; co, Frankfurt<\/p>\n<div class=\"shariff shariff-align-flex-start shariff-widget-align-flex-start\" data-services=\"facebook%7Ctwitter\" data-url=\"https%3A%2F%2Fautorenbuchhandlung-marx.de%2Fwww%2Fbuchempfehlung-62%2F\" data-timestamp=\"1626371048\" data-backendurl=\"https:\/\/autorenbuchhandlung-marx.de\/www\/wp-json\/shariff\/v1\/share_counts?\"><ul class=\"shariff-buttons theme-round orientation-horizontal buttonsize-medium\"><li class=\"shariff-button facebook shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#4273c8\"><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sharer\/sharer.php?u=https%3A%2F%2Fautorenbuchhandlung-marx.de%2Fwww%2Fbuchempfehlung-62%2F\" title=\"Bei Facebook teilen\" aria-label=\"Bei Facebook teilen\" role=\"button\" rel=\"nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#3b5998; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style><svg width=\"32px\" height=\"20px\" viewBox=\"0 0 18 32\"><path fill=\"#3b5998\" d=\"M17.1 0.2v4.7h-2.8q-1.5 0-2.1 0.6t-0.5 1.9v3.4h5.2l-0.7 5.3h-4.5v13.6h-5.5v-13.6h-4.5v-5.3h4.5v-3.9q0-3.3 1.9-5.2t5-1.8q2.6 0 4.1 0.2z\" \/><\/svg><\/span><\/a><\/li><li class=\"shariff-button twitter shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#32bbf5\"><a href=\"https:\/\/twitter.com\/share?url=https%3A%2F%2Fautorenbuchhandlung-marx.de%2Fwww%2Fbuchempfehlung-62%2F&amp;text=Buchempfehlung\" title=\"Bei Twitter teilen\" aria-label=\"Bei Twitter teilen\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#55acee; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style><svg width=\"32px\" height=\"20px\" viewBox=\"0 0 30 32\"><path fill=\"#55acee\" d=\"M29.7 6.8q-1.2 1.8-3 3.1 0 0.3 0 0.8 0 2.5-0.7 4.9t-2.2 4.7-3.5 4-4.9 2.8-6.1 1q-5.1 0-9.3-2.7 0.6 0.1 1.5 0.1 4.3 0 7.6-2.6-2-0.1-3.5-1.2t-2.2-3q0.6 0.1 1.1 0.1 0.8 0 1.6-0.2-2.1-0.4-3.5-2.1t-1.4-3.9v-0.1q1.3 0.7 2.8 0.8-1.2-0.8-2-2.2t-0.7-2.9q0-1.7 0.8-3.1 2.3 2.8 5.5 4.5t7 1.9q-0.2-0.7-0.2-1.4 0-2.5 1.8-4.3t4.3-1.8q2.7 0 4.5 1.9 2.1-0.4 3.9-1.5-0.7 2.2-2.7 3.4 1.8-0.2 3.5-0.9z\" \/><\/svg><\/span><\/a><\/li><\/ul><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ulrike Edschmid Levys Testament Der Roman beginnt im Jahr 1972 in Berlin. Die namenlose Ich-Erz\u00e4hlerin, Studentin der Berliner Filmakademie, reist von Berlin nach London, weil sie der \u00dcberwachung durch die bundesrepublikanische Polizei entkommen will. Nach dem Verschwinden ihres Freundes Philip S., der aus ihrem Leben \u201everschwunden und mit falschen Papieren untergetaucht ist\u201c, will die Erz\u00e4hlerin [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_links_to":"","_links_to_target":""},"categories":[8],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/autorenbuchhandlung-marx.de\/www\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2292"}],"collection":[{"href":"https:\/\/autorenbuchhandlung-marx.de\/www\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/autorenbuchhandlung-marx.de\/www\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/autorenbuchhandlung-marx.de\/www\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/autorenbuchhandlung-marx.de\/www\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2292"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/autorenbuchhandlung-marx.de\/www\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2292\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2382,"href":"https:\/\/autorenbuchhandlung-marx.de\/www\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2292\/revisions\/2382"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/autorenbuchhandlung-marx.de\/www\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2292"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/autorenbuchhandlung-marx.de\/www\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2292"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/autorenbuchhandlung-marx.de\/www\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2292"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}