{"id":2122,"date":"2021-02-24T14:44:57","date_gmt":"2021-02-24T12:44:57","guid":{"rendered":"https:\/\/autorenbuchhandlung-marx.de\/www\/?p=2122"},"modified":"2021-02-17T14:58:33","modified_gmt":"2021-02-17T12:58:33","slug":"buchempfehlung-51","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/autorenbuchhandlung-marx.de\/www\/buchempfehlung-51\/","title":{"rendered":"Buchempfehlung"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright\"><a href=\"https:\/\/kommbuch.com\/detail\/?ean=978-3-630-87251-3\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><noscript><img width=\"200\" height=\"319\" src=\"https:\/\/autorenbuchhandlung-marx.de\/www\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/9783630872513.jpg\" alt class=\"wp-image-2114\" srcset=\"https:\/\/autorenbuchhandlung-marx.de\/www\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/9783630872513.jpg 200w, https:\/\/autorenbuchhandlung-marx.de\/www\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/9783630872513-188x300.jpg 188w\" sizes=\"(max-width: 200px) 100vw, 200px\"><\/noscript><img width=\"200\" height=\"319\" src=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg%20xmlns%3D%22http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg%22%20viewBox%3D%220%200%20200%20319%22%3E%3C%2Fsvg%3E\" alt class=\"wp-image-2114 lazyload\" srcset=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg%20xmlns%3D%22http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg%22%20viewBox%3D%220%200%20200%20319%22%3E%3C%2Fsvg%3E 200w\" sizes=\"(max-width: 200px) 100vw, 200px\" data-srcset=\"https:\/\/autorenbuchhandlung-marx.de\/www\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/9783630872513.jpg 200w, https:\/\/autorenbuchhandlung-marx.de\/www\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/9783630872513-188x300.jpg 188w\" data-src=\"https:\/\/autorenbuchhandlung-marx.de\/www\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/9783630872513.jpg\"><\/a><figcaption>Luchterhand Verlag<br> 978-3-630-87251-3 <br>16 \u20ac<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<h3>Louise Gl\u00fcck <\/h3>\n\n\n\n<h2>Averno<\/h2>\n\n\n\n<p>Christian Metz sprach in seinem Buch <em>Poetisch denken<\/em>\n (Fischer Verlag, 2018) von unserer Gegenwart als einer Bl\u00fctezeit der \ndeutschsprachigen Lyrik. Aber auch international ist die Rezeption von \nLyrik in den letzten Jahren wieder gestiegen. Insbesondere aus dem \nenglischsprachigen Raum ist etwa mit den \u00dcbersetzungen von Anne Carson \n(Kanada), Alice Oswald (UK) und Ocean Vuong (US) f\u00fcr die deutsch- und \nzweisprachige Leserschaft viel Spannendes zu entdecken gewesen. \nVorl\u00e4ufiger H\u00f6hepunkt der internationalen Aufmerksamkeit ist aber wohl \ndie Auszeichnung von Louise Gl\u00fcck mit dem Nobelpreis f\u00fcr Literatur 2020.\n <\/p>\n\n\n\n<p>Ihr Lyrikband <em>Averno<\/em>, der bereits 2008 in der  \u00dcbersetzung von Ulrike Draesner im Luchterhand Verlag erschien und jetzt  neu aufgelegt worden ist, besteht aus zwei Gedichtzyklen. In ihnen  treten zwei Hauptthemen der Lyrik Gl\u00fccks besonders deutlich hervor: die  physische Erfahrung und das Schauspiel der Jahreszeiten einerseits und  die Erinnerung an eine Kindheit andererseits. Dabei entsteht bei Louise  Gl\u00fcck eine zerrissene Zeitlichkeit; das Vergangene bleibt als Erinnerung  ewig anwesend und pr\u00e4sent, w\u00e4hrend das zyklische Wiederkehren der Jahre  Stillstand hervorbringt. Zur Verdeutlichung: Das Gef\u00fchl des Neubeginns,  das dem Fr\u00fchling wie ein Klischee, aber auch wie eine kindliche  Vorstellung anh\u00e4ngt, der wir uns nicht entziehen k\u00f6nnen, wird in dem  Gedicht Oktober, das den ersten Gedichtzyklus er\u00f6ffnet, mit  offenherzigem Erstaunen und Verzweiflung als vergangen und vergeblich  erkannt. \u201eIst es wieder Winter, ist es wieder kalt [\u2026] war nicht die  Nacht vorbei, | flutete nicht das schmelzende | Eis die engen Rinnsteine  || wurde mein K\u00f6rper nicht  gerettet, war er nicht in Sicherheit [\u2026]?\u201c.  Das ganze Gedicht entfaltet sich entlang der einen Frage, ob es nicht  Fr\u00fchling gewesen sei. Man kann nun mit Recht sagen, dass diese  Beobachtung nicht neu ist, aber das Neue ist auch nicht Gl\u00fccks  Gegenstand. \u201eWar die Nacht nicht vorbei?\u201c \u2013 darin steckt die so naive  wie ehrliche Frage: Ist es nicht eine Zumutung, ist es nicht eigentlich  unbegreiflich, dass die Zeit vergeht? Dass Tod und Winter immer  wiederkehren, dass Heilung tempor\u00e4r ist? Im zweiten Teil des Bandes  verl\u00e4sst ein verzweifelter Farmer sein Feld, als er sieht, dass es nach  einem alles vernichtenden Feuer wieder von Neuem zu wachsen beginnt:  \u201eDie Natur, stellt sich heraus, ist nicht wie wir; sie hat keinen  Speicher f\u00fcr Erinnerung. Das Feld hat nicht pl\u00f6tzlich Angst vor  Streichh\u00f6lzern\u201c. Gl\u00fccks Dichtungen sind im Gesamten genommen solche  reduzierenden R\u00fcckf\u00fchrungen. Sie lenken die Aufmerksamkeit auf  Widerspr\u00fcche und Fragen, die wir mit der Zeit zu relativieren gelernt  haben. Die Schlichtheit ihres Ausdrucks ist demnach auch nicht in erste  Linie als postmoderne Sachlichkeit zu verstehen. Der Mythos ist nicht  nur durch die Figur Persephones, die als Verk\u00f6rperung sowohl der  verlorenen Kindheit als auch der wiederkehrenden Jahreszeiten die  Galionsfigur von Averno ist, das Leitmotiv der Dichtung, sondern auch in  der durch die Ernsthaftigkeit, mit der einfache und grunds\u00e4tzliche  Fragen gestellt und Beobachtungen gemacht werden. Gl\u00fcck wehrt  romantisierende und symbolische Aufladungen nicht mit gro\u00dfer Geste ab,  sondern vertraut darauf, dass sie sich beim Lesen von selbst als  Fehllekt\u00fcre erweisen. Das Feld ist wirklich nur ein Feld, aber was hei\u00dft  nur? Gl\u00fccks Dichtung zeichnet sich bei genauerem Hinsehen durch eine  Art Abwesenheit des Metaphorischen und Symbolischen aus. Lassen sich  gerade Natur und Kindheit \u00fcberhaupt (noch) als solche betrachten? Und  das auch noch in der Form der Poetik? Mit der Lekt\u00fcre Gl\u00fccks l\u00e4sst sich  dieser Versuch unternehmen.  <\/p>\n\n\n\n<p>Theresa Mayer, autorenbuchhandlung marx &amp; co, Frankfurt<\/p>\n<div class=\"shariff shariff-align-flex-start shariff-widget-align-flex-start\" data-services=\"facebook%7Ctwitter\" data-url=\"https%3A%2F%2Fautorenbuchhandlung-marx.de%2Fwww%2Fbuchempfehlung-51%2F\" data-timestamp=\"1613573913\" data-backendurl=\"https:\/\/autorenbuchhandlung-marx.de\/www\/wp-json\/shariff\/v1\/share_counts?\"><ul class=\"shariff-buttons theme-round orientation-horizontal buttonsize-medium\"><li class=\"shariff-button facebook shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#4273c8\"><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sharer\/sharer.php?u=https%3A%2F%2Fautorenbuchhandlung-marx.de%2Fwww%2Fbuchempfehlung-51%2F\" title=\"Bei Facebook teilen\" aria-label=\"Bei Facebook teilen\" role=\"button\" rel=\"nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#3b5998; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style><svg width=\"32px\" height=\"20px\" viewBox=\"0 0 18 32\"><path fill=\"#3b5998\" d=\"M17.1 0.2v4.7h-2.8q-1.5 0-2.1 0.6t-0.5 1.9v3.4h5.2l-0.7 5.3h-4.5v13.6h-5.5v-13.6h-4.5v-5.3h4.5v-3.9q0-3.3 1.9-5.2t5-1.8q2.6 0 4.1 0.2z\" \/><\/svg><\/span><\/a><\/li><li class=\"shariff-button twitter shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#32bbf5\"><a href=\"https:\/\/twitter.com\/share?url=https%3A%2F%2Fautorenbuchhandlung-marx.de%2Fwww%2Fbuchempfehlung-51%2F&amp;text=Buchempfehlung\" title=\"Bei Twitter teilen\" aria-label=\"Bei Twitter teilen\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#55acee; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style><svg width=\"32px\" height=\"20px\" viewBox=\"0 0 30 32\"><path fill=\"#55acee\" d=\"M29.7 6.8q-1.2 1.8-3 3.1 0 0.3 0 0.8 0 2.5-0.7 4.9t-2.2 4.7-3.5 4-4.9 2.8-6.1 1q-5.1 0-9.3-2.7 0.6 0.1 1.5 0.1 4.3 0 7.6-2.6-2-0.1-3.5-1.2t-2.2-3q0.6 0.1 1.1 0.1 0.8 0 1.6-0.2-2.1-0.4-3.5-2.1t-1.4-3.9v-0.1q1.3 0.7 2.8 0.8-1.2-0.8-2-2.2t-0.7-2.9q0-1.7 0.8-3.1 2.3 2.8 5.5 4.5t7 1.9q-0.2-0.7-0.2-1.4 0-2.5 1.8-4.3t4.3-1.8q2.7 0 4.5 1.9 2.1-0.4 3.9-1.5-0.7 2.2-2.7 3.4 1.8-0.2 3.5-0.9z\" \/><\/svg><\/span><\/a><\/li><\/ul><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Louise Gl\u00fcck Averno Christian Metz sprach in seinem Buch Poetisch denken (Fischer Verlag, 2018) von unserer Gegenwart als einer Bl\u00fctezeit der deutschsprachigen Lyrik. 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