{"id":1866,"date":"2020-11-05T13:02:43","date_gmt":"2020-11-05T11:02:43","guid":{"rendered":"https:\/\/autorenbuchhandlung-marx.de\/www\/?p=1866"},"modified":"2020-10-26T13:34:11","modified_gmt":"2020-10-26T11:34:11","slug":"buchempfehlung-46","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/autorenbuchhandlung-marx.de\/www\/buchempfehlung-46\/","title":{"rendered":"Buchempfehlung"},"content":{"rendered":"<h4>Edvarts Virza<\/h4>\n\n\n\n<h2>Straumeni<\/h2>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright\"><noscript><img width=\"200\" height=\"326\" src=\"https:\/\/autorenbuchhandlung-marx.de\/www\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/9783945370254.jpg\" alt class=\"wp-image-1857\" srcset=\"https:\/\/autorenbuchhandlung-marx.de\/www\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/9783945370254.jpg 200w, https:\/\/autorenbuchhandlung-marx.de\/www\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/9783945370254-184x300.jpg 184w\" sizes=\"(max-width: 200px) 100vw, 200px\"><\/noscript><img width=\"200\" height=\"326\" src=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg%20xmlns%3D%22http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg%22%20viewBox%3D%220%200%20200%20326%22%3E%3C%2Fsvg%3E\" alt class=\"wp-image-1857 lazyload\" srcset=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg%20xmlns%3D%22http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg%22%20viewBox%3D%220%200%20200%20326%22%3E%3C%2Fsvg%3E 200w\" sizes=\"(max-width: 200px) 100vw, 200px\" data-srcset=\"https:\/\/autorenbuchhandlung-marx.de\/www\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/9783945370254.jpg 200w, https:\/\/autorenbuchhandlung-marx.de\/www\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/9783945370254-184x300.jpg 184w\" data-src=\"https:\/\/autorenbuchhandlung-marx.de\/www\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/9783945370254.jpg\"><figcaption>Guggolz Verlag<br>25 \u20ac<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Straum\u0113ni ist ein altes Geh\u00f6ft in Zemgalen, einem \nLandstrich im s\u00fcdlichen Lettland. Mitte des 19. Jahrhunderts ist das \nb\u00e4uerliche Leben dort noch weitgehend so, wie es seit Generationen war. \nEs folgt dem Jahresrhythmus, der die Arbeiten auf dem Land vorgibt. In \ndiesem Gef\u00fcge haben die Menschen ihre vorgegebenen T\u00e4tigkeiten und \nRollen, und jenseits des zugewiesenen Platzes gibt es wenig Spielraum \nf\u00fcr den Einzelnen. So sind es weniger die Menschen, die den Mittelpunkt \ndes Buches bilden, sondern vielmehr ihre Funktionen und Arbeiten, die \nwiederum den Anforderungen der Natur und der Landwirtschaft folgen. Im \nZentrum steht das Geh\u00f6ft \u2013 Straum\u0113ni. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Handlung \u2013 falls man davon \u00fcberhaupt reden kann \u2013 \nspielt in der Zeit kurz vor Beginn der Mechanisierung der \nLandwirtschaft. Sie beginnt mit dem Winterende, als das Eis schmilzt und\n der kleine Fluss Lilupe sich in einen rei\u00dfenden Strom verwandelt, der \nmitten durch das Geh\u00f6ft braust. Beschrieben werden die vielf\u00e4ltigen \nT\u00e4tigkeiten der M\u00e4nner und Frauen im Haus, in den St\u00e4llen und auf den \nFeldern, die mit dem Fr\u00fchjahr beginnen. Der kurze, hei\u00dfe Sommer gipfelt \nin der Heu- und Getreideernte. Der Herbst ist die Zeit der \nKartoffelernte und des Haltbarmachens der Vorr\u00e4te f\u00fcr die Winterzeit, in\n der sich eine harte kalte Decke aus Eis und Schnee \u00fcber das Land legt \nund das Leben drau\u00dfen fast zum Stillstand bringt. Das ist die Zeit, in \nder im Innern des Hauses der Flachs gesponnen wird und die Werkzeuge f\u00fcr\n das kommende Jahr repariert werden. Dieser Kreislauf wird durch die \nunterschiedlichsten Feste unterbrochen, die die harte Arbeit kurz \nvergessen lassen und bei denen geschmaust, getrunken und getanzt wird \u2013 \nund das nicht zu knapp!<\/p>\n\n\n\n<p>Dass der Text, der keinerlei Identifikation mit einzelnen\n Personen bietet, dennoch nie langweilig wird, liegt an Edvarts Virzas \nwunderbar genauen und sinnlichen Sprache. Man f\u00fchlt beim Lesen die \nsorgsam glatt geschliffenen Holzstiele der Arbeitsger\u00e4te, h\u00f6rt das \ntrockene Stroh unter den F\u00fc\u00dfen der Schnitter knacken und riecht das \nfrisch gebackene Brot. Man sieht die weiten Himmel und Wolken, die \nZugv\u00f6gel, den ersten Schnee, und man blickt in eine vom schweren Essen \nund den vielen K\u00f6rpern aufgeheizte Sch\u00e4nke, in der nach dem \nJahrmarktbesuch die obligatorische Schl\u00e4gerei zwischen den Land- und \nStadtbewohnern ausbricht. <\/p>\n\n\n\n<p>Wenn man dem Buch etwas vorwerfen k\u00f6nnte, ist es die \nIdealisierung einer untergegangenen b\u00e4uerlichen Welt. Vielleicht sollte \ndas Nachwort <em>vor<\/em> der Lekt\u00fcre des Haupttextes gelesen werden, \ndenn es erkl\u00e4rt vieles, an dem der heutigen Leser sich st\u00f6ren k\u00f6nnte \u2013 \nals erstes die unhinterfragten Rollenbilder von Herren, Knechten und \nM\u00e4gden oder das Frauenbild. Soziale Konflikte spart der Autor v\u00f6llig aus\n \u2013 aber seine Absicht ist auch eine andere. Edvarts Virza wurde 1883 in \neiner Zeit geboren, in der das \u00fcberwiegend b\u00e4uerliche lettische Volk  \nauf unterschiedliche russische Gouvernements verteilt lebte, w\u00e4hrend die\n Oberschicht deutschst\u00e4mmig war. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde \nLettland erstmals unabh\u00e4ngig. Dennoch war es nach Jahrhunderten einer \nals Unterdr\u00fcckung empfundenen Geschichte nicht einfach, eine eigene \nnationale Identit\u00e4t zu finden. <em>Straum\u0113ni<\/em> ist als ein Beitrag \ndazu zu verstehen, und es ist die hohe stilistische Qualit\u00e4t des Textes,\n die die Lekt\u00fcre zu einem literarischen Genuss macht. Sie bescherte dem \n1933 erstmals erschienenen Buch einen gro\u00dfen Erfolg, der \u2013 unterbrochen \ndurch die Jahre der sowjetischen Okkupation \u2013 in Lettland bis heute \nanh\u00e4lt. Es lohnt sich, <em>Straum\u0113ni<\/em> jetzt auch auf Deutsch zu entdecken!<\/p>\n\n\n\n<p>Ruth Roebke, Bochum<\/p>\n<div class=\"shariff shariff-align-flex-start shariff-widget-align-flex-start\" data-services=\"facebook%7Ctwitter\" data-url=\"https%3A%2F%2Fautorenbuchhandlung-marx.de%2Fwww%2Fbuchempfehlung-46%2F\" data-timestamp=\"1603719251\" data-backendurl=\"https:\/\/autorenbuchhandlung-marx.de\/www\/wp-json\/shariff\/v1\/share_counts?\"><ul class=\"shariff-buttons theme-round orientation-horizontal buttonsize-medium\"><li class=\"shariff-button facebook shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#4273c8\"><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sharer\/sharer.php?u=https%3A%2F%2Fautorenbuchhandlung-marx.de%2Fwww%2Fbuchempfehlung-46%2F\" title=\"Bei Facebook teilen\" aria-label=\"Bei Facebook teilen\" role=\"button\" rel=\"nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#3b5998; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style><svg width=\"32px\" height=\"20px\" viewBox=\"0 0 18 32\"><path fill=\"#3b5998\" d=\"M17.1 0.2v4.7h-2.8q-1.5 0-2.1 0.6t-0.5 1.9v3.4h5.2l-0.7 5.3h-4.5v13.6h-5.5v-13.6h-4.5v-5.3h4.5v-3.9q0-3.3 1.9-5.2t5-1.8q2.6 0 4.1 0.2z\" \/><\/svg><\/span><\/a><\/li><li class=\"shariff-button twitter shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#32bbf5\"><a href=\"https:\/\/twitter.com\/share?url=https%3A%2F%2Fautorenbuchhandlung-marx.de%2Fwww%2Fbuchempfehlung-46%2F&amp;text=Buchempfehlung\" title=\"Bei Twitter teilen\" aria-label=\"Bei Twitter teilen\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#55acee; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style><svg width=\"32px\" height=\"20px\" viewBox=\"0 0 30 32\"><path fill=\"#55acee\" d=\"M29.7 6.8q-1.2 1.8-3 3.1 0 0.3 0 0.8 0 2.5-0.7 4.9t-2.2 4.7-3.5 4-4.9 2.8-6.1 1q-5.1 0-9.3-2.7 0.6 0.1 1.5 0.1 4.3 0 7.6-2.6-2-0.1-3.5-1.2t-2.2-3q0.6 0.1 1.1 0.1 0.8 0 1.6-0.2-2.1-0.4-3.5-2.1t-1.4-3.9v-0.1q1.3 0.7 2.8 0.8-1.2-0.8-2-2.2t-0.7-2.9q0-1.7 0.8-3.1 2.3 2.8 5.5 4.5t7 1.9q-0.2-0.7-0.2-1.4 0-2.5 1.8-4.3t4.3-1.8q2.7 0 4.5 1.9 2.1-0.4 3.9-1.5-0.7 2.2-2.7 3.4 1.8-0.2 3.5-0.9z\" \/><\/svg><\/span><\/a><\/li><\/ul><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Edvarts Virza Straumeni Straum\u0113ni ist ein altes Geh\u00f6ft in Zemgalen, einem Landstrich im s\u00fcdlichen Lettland. 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