{"id":1144,"date":"2018-08-30T13:51:42","date_gmt":"2018-08-30T11:51:42","guid":{"rendered":"https:\/\/autorenbuchhandlung-marx.de\/www\/?p=1144"},"modified":"2019-05-23T13:55:08","modified_gmt":"2019-05-23T11:55:08","slug":"buchempfehlung-20","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/autorenbuchhandlung-marx.de\/www\/buchempfehlung-20\/","title":{"rendered":"Buchempfehlung"},"content":{"rendered":"<h2>Angela Rohr &#8211; Zehn Frauen am Amur<\/h2>\n\n\n\n<p> Feuilletons f\u00fcr die Frankfurter Zeitung. Reportagen und Erz\u00e4hlungen aus  der Sowjetunion (1928 \u2013 1936). <\/p>\n\n\n\n<p>Herausgegeben von Gesine Bey, Foto(s) von  Margarete Steffin <\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft\"><noscript><img width=\"200\" height=\"349\" src=\"https:\/\/autorenbuchhandlung-marx.de\/www\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/frauen.jpg\" alt class=\"wp-image-1145\" srcset=\"https:\/\/autorenbuchhandlung-marx.de\/www\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/frauen.jpg 200w, https:\/\/autorenbuchhandlung-marx.de\/www\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/frauen-172x300.jpg 172w\" sizes=\"(max-width: 200px) 100vw, 200px\"><\/noscript><img width=\"200\" height=\"349\" src=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg%20xmlns%3D%22http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg%22%20viewBox%3D%220%200%20200%20349%22%3E%3C%2Fsvg%3E\" alt class=\"wp-image-1145 lazyload\" srcset=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg%20xmlns%3D%22http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg%22%20viewBox%3D%220%200%20200%20349%22%3E%3C%2Fsvg%3E 200w\" sizes=\"(max-width: 200px) 100vw, 200px\" data-srcset=\"https:\/\/autorenbuchhandlung-marx.de\/www\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/frauen.jpg 200w, https:\/\/autorenbuchhandlung-marx.de\/www\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/frauen-172x300.jpg 172w\" data-src=\"https:\/\/autorenbuchhandlung-marx.de\/www\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/frauen.jpg\"><figcaption>Basisdruck Verlag, 23 \u20ac<br>978-3-86163-159-0 <\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Die 2010 wiederentdeckte Autorin Angela Rohr emigrierte nach ihrem  Studium der Medizin und Psychoanalyse nach Moskau. Dort wurde sie 1941  verhaftet und kehrte erst 1957 aus der Verbannung zur\u00fcck in die Stadt.  Ihre gro\u00dfartigen Erz\u00e4hlungen \u00fcber ihre Zeit im Gulag sind unter dem  Titel <em>Der Vogel<\/em> bereits bei Basisdruck erschienen, genauso wie ihr Roman <em>Lager<\/em>. Mit <em>Zehn Frauen am Amur<\/em>  erhalten wir nun einen Einblick in ihr literarisches Schaffen aus ihrer  fr\u00fchen Zeit in Moskau. Ihre genaue Beobachtungsgabe und ihr  empathisches Gesp\u00fcr machen ihre Erz\u00e4hlungen zu einem literarischen  MeisterInnenwerk. <\/p>\n\n\n\n<p>Das Interesse an Reportagen aus Sowjet-Russland war in  den 20er Jahren gro\u00df, und so hatten sie einen festen Platz in den  Feuilletons der gro\u00dfen deutschen Zeitungen dieser Zeit. Eine der  KorrespondentInnen dieser Zeit war Angela Rohr, die nach ihrem Studium  der Medizin und Psychoanalyse 1925 nach Russland emigrierte. Von ihren  zahlreichen KollegInnen unterscheidet sie nicht nur die Tatsache, dass  sie eine der ersten weiblichen Korrespondenten war, sondern auch, dass  sie Moskau und die zahlreichen anderen St\u00e4dte und Regionen, die sie  besuchte, nicht als Reisende und Gast beschrieb und wahrnahm. Vielmehr  erhalten wir eine Art Innensicht auf das Wesen und vielleicht auch die  Struktur der Orte. Rohrs Reportagen sind nicht zuletzt deshalb so  lesenswert, weil sie nicht versuchen, ihre LeserInnen mitzunehmen, f\u00fcr  sie Reisende und Berichtende zu sein, sondern weil die Autorin sich  selbst als Teil des Ortes begreift, von \u201eunserer Stadt\u201c spricht. <\/p>\n\n\n\n<p>Das Moskau der sp\u00e4ten 20er und fr\u00fchen 30er Jahre wird uns\n nicht anhand der politischen und geschichtlichen Ereignisse dieser Zeit\n nahe gebracht, auch das gesellschaftliche Leben und die sozialen \nUmst\u00e4nde werden nicht dargestellt. Und doch scheint all das in den \nErz\u00e4hlungen Rohrs auf. So ist das, was die Autorin in ihrer ersten \nErz\u00e4hlung als charakteristisch f\u00fcr Moskau benennt, nicht etwa der \nWinter, den sie fast ironisch ins Bild bringt, sondern die Verwendung \nund der Verkauf k\u00fcnstlicher Blumen. Gepflogenheiten und teils skurrile \nAnstandsregeln sind in ihren Erz\u00e4hlungen h\u00e4ufig Thema. Ein anderes \nwiederkehrendes Thema ist die Architektur. In einer der besten \nErz\u00e4hlungen des Buches richtet Rohr den Blick auf einen Milizion\u00e4r und \nsein aussichtsloses Unterfangen, die Stra\u00dfen Moskaus zu \u00fcberblicken. Das\n Bewusstsein der Arbeitsklasse erkennt Rohr im Umgang in der Stra\u00dfenbahn\n und im Warten im Schuhgesch\u00e4ft. Rohrs Figuren sind oft von einer \ntragisch-komischen, immer aber aufrichtigen F\u00e4rbung. In ihnen gelingt es\n Rohr, im Kleinen das Ganze aufscheinen zu lassen, ohne dass man genau \nsagen k\u00f6nnte, was dieses Gro\u00dfe sein sollte oder sein k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Aufteilung dieses Sammelband nach Reportagen,  geordnet nach den Schaupl\u00e4tzen, und Erz\u00e4hlungen ist hilfreich, weil sich  die Betrachtungen zu einem Ort wie Schichten \u00fcbereinanderlegen und so  das Bild vertiefen. Es w\u00e4re jedoch falsch zu glauben, die Reportagen  st\u00fcnden den Erz\u00e4hlungen an literarischer Tiefe nach. In ihrer genauen  Betrachtung des Allt\u00e4glichen erinnern sie nicht nur an die ber\u00fchmte <em>Berliner Kindheit um 1900<\/em> von Walter Benjamin, sondern auch an die ebenfalls zuerst im Feuilleton erschienenen Erz\u00e4hlungen <em>Die Gelbe Stra\u00dfe<\/em> von Veza Canetti. <\/p>\n\n\n\n<p>\nTheresa Mayer, autorenbuchhandlung marx &amp; co, Frankfurt\n\n<\/p>\n<div class=\"shariff shariff-align-flex-start shariff-widget-align-flex-start\" data-services=\"facebook%7Ctwitter\" data-url=\"https%3A%2F%2Fautorenbuchhandlung-marx.de%2Fwww%2Fbuchempfehlung-20%2F\" data-timestamp=\"1558619708\" data-backendurl=\"https:\/\/autorenbuchhandlung-marx.de\/www\/wp-json\/shariff\/v1\/share_counts?\"><ul class=\"shariff-buttons theme-round orientation-horizontal buttonsize-medium\"><li class=\"shariff-button facebook shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#4273c8\"><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sharer\/sharer.php?u=https%3A%2F%2Fautorenbuchhandlung-marx.de%2Fwww%2Fbuchempfehlung-20%2F\" title=\"Bei Facebook teilen\" aria-label=\"Bei Facebook teilen\" role=\"button\" rel=\"nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#3b5998; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style><svg width=\"32px\" height=\"20px\" viewBox=\"0 0 18 32\"><path fill=\"#3b5998\" d=\"M17.1 0.2v4.7h-2.8q-1.5 0-2.1 0.6t-0.5 1.9v3.4h5.2l-0.7 5.3h-4.5v13.6h-5.5v-13.6h-4.5v-5.3h4.5v-3.9q0-3.3 1.9-5.2t5-1.8q2.6 0 4.1 0.2z\" \/><\/svg><\/span><\/a><\/li><li class=\"shariff-button twitter shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#32bbf5\"><a href=\"https:\/\/twitter.com\/share?url=https%3A%2F%2Fautorenbuchhandlung-marx.de%2Fwww%2Fbuchempfehlung-20%2F&amp;text=Buchempfehlung\" title=\"Bei Twitter teilen\" aria-label=\"Bei Twitter teilen\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#55acee; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style><svg width=\"32px\" height=\"20px\" viewBox=\"0 0 30 32\"><path fill=\"#55acee\" d=\"M29.7 6.8q-1.2 1.8-3 3.1 0 0.3 0 0.8 0 2.5-0.7 4.9t-2.2 4.7-3.5 4-4.9 2.8-6.1 1q-5.1 0-9.3-2.7 0.6 0.1 1.5 0.1 4.3 0 7.6-2.6-2-0.1-3.5-1.2t-2.2-3q0.6 0.1 1.1 0.1 0.8 0 1.6-0.2-2.1-0.4-3.5-2.1t-1.4-3.9v-0.1q1.3 0.7 2.8 0.8-1.2-0.8-2-2.2t-0.7-2.9q0-1.7 0.8-3.1 2.3 2.8 5.5 4.5t7 1.9q-0.2-0.7-0.2-1.4 0-2.5 1.8-4.3t4.3-1.8q2.7 0 4.5 1.9 2.1-0.4 3.9-1.5-0.7 2.2-2.7 3.4 1.8-0.2 3.5-0.9z\" \/><\/svg><\/span><\/a><\/li><\/ul><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Angela Rohr &#8211; Zehn Frauen am Amur Feuilletons f\u00fcr die Frankfurter Zeitung. 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