{"id":1141,"date":"2018-08-19T13:47:08","date_gmt":"2018-08-19T11:47:08","guid":{"rendered":"https:\/\/autorenbuchhandlung-marx.de\/www\/?p=1141"},"modified":"2019-05-23T13:51:36","modified_gmt":"2019-05-23T11:51:36","slug":"buchempfehlung-19","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/autorenbuchhandlung-marx.de\/www\/buchempfehlung-19\/","title":{"rendered":"Buchempfehlung"},"content":{"rendered":"<h2>Gabriele Tergit &#8211; Etwas Seltenes \u00fcberhaupt<\/h2>\n\n\n\n<p>Erinnerungen. Herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Nicole Henneberg<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft\"><noscript><img width=\"200\" height=\"326\" src=\"https:\/\/autorenbuchhandlung-marx.de\/www\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/tergit.jpg\" alt class=\"wp-image-1142\" srcset=\"https:\/\/autorenbuchhandlung-marx.de\/www\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/tergit.jpg 200w, https:\/\/autorenbuchhandlung-marx.de\/www\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/tergit-184x300.jpg 184w\" sizes=\"(max-width: 200px) 100vw, 200px\"><\/noscript><img width=\"200\" height=\"326\" src=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg%20xmlns%3D%22http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg%22%20viewBox%3D%220%200%20200%20326%22%3E%3C%2Fsvg%3E\" alt class=\"wp-image-1142 lazyload\" srcset=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg%20xmlns%3D%22http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg%22%20viewBox%3D%220%200%20200%20326%22%3E%3C%2Fsvg%3E 200w\" sizes=\"(max-width: 200px) 100vw, 200px\" data-srcset=\"https:\/\/autorenbuchhandlung-marx.de\/www\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/tergit.jpg 200w, https:\/\/autorenbuchhandlung-marx.de\/www\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/tergit-184x300.jpg 184w\" data-src=\"https:\/\/autorenbuchhandlung-marx.de\/www\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/tergit.jpg\"><figcaption>Sch\u00f6ffling &amp; Co, 26 \u20ac<br>978-3-89561-492-7 <\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><em>Erinnerungen<\/em> hat Gabriele Tergit ihr Buch <em>Etwas Seltenes \u00fcberhaupt<\/em> genannt und nicht <em>Autobiographie<\/em>.\n Und in der Tat ist ihr Buch keine chronologische Erz\u00e4hlung ihres \nLebens. Es sind Schilderungen dessen, was ihr Leben am meisten pr\u00e4gte \u2013 \nund das ist mehr als genug. Aber letztlich f\u00fchrt alles, was sie erz\u00e4hlt,\n immer wieder zu den entscheidenden Fragen: \u201eWarum, wieso, weshalb \nHitler?\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>1894 wurde sie unter dem Namen Elise Hirschmann in eine \nj\u00fcdische Fabrikantenfamilie geboren. Nach einer Ausbildung an der \nSozialen Frauenschule von Alice Salomon holte sie das Abitur nach und \nstudierte Geschichte, Soziologie und Philosophie. Vor und w\u00e4hrend des \nStudiums publizierte sie Artikel in unterschiedlichen Zeitschriften. \nW\u00e4hrend der Weimarer Republik war Tergit Deutschlands erste \nGerichtsreporterin. Mit wachem Blick nahm sie nicht nur die \nkriminalistische Seite der F\u00e4lle, wahr, die sie beobachtete, ihr \nAugenmerk galt besonders deren sozialem und politischen Hintergrund. Vor\n allem dem zuerst schleichenden, dann immer deutlicher zu Tage tretenden\n Einfluss der erstarkenden nationalsozialistischen Bewegung und der \u2013 \nauch schon vor deren Wahlsieg \u2013 immer gr\u00f6\u00dfer werden Willf\u00e4hrigkeit der \nJustiz, die das Recht in deren Sinne beugte. Mit <em>K\u00e4sebier erobert den Kurf\u00fcrstendamm<\/em> hatte sie 1931 gro\u00dfen Erfolg als Romanautorin. <\/p>\n\n\n\n<p>Als J\u00fcdin, die in dem unter den Nazis als linksliberal \nverschrieenen \u201cBerliner Tageblatt\u201d schrieb, hatte sie ein sicheres \nGef\u00fchl f\u00fcr das, was sich in Deutschland zusammenbraute. Als kurz nach \nder Machtergreifung der Nationalsozialisten ein SA-Trupp versuchte, ihre\n Wohnung zu st\u00fcrmen, floh sie am n\u00e4chsten Tag \u00fcber die tschechische \nGrenze. Sie ging mit Mann und Kind ins Exil, zuerst nach Israel, dann \nnach England, wo sie 1982 starb. 1948 reiste sie erstmals wieder nach \nDeutschland, weitere Reisen folgten. Die Erfahrungen von politischem \nTerror, Rassismus und Verfolgung pr\u00e4gen ihre Erinnerungen, sie sind die \nFolie, vor der sie ihr Leben beschreibt. Das gilt nicht nur vor und \nw\u00e4hrend der NS-Zeit, mit wachem Blick sieht sie auch nach Ende des \nKrieges, dass es in Deutschland keine \u201eStunde Null\u201c gab und \nAntisemitismus und rechtes Gedankengut mit dem verlorenen Krieg nicht \nverschwunden waren. <\/p>\n\n\n\n<p>Wie vielen Exilanten war es auch ihr nicht m\u00f6glich, an \nihren fr\u00fcheren Erfolg anzukn\u00fcpfen. Erst ab 1977, als sie im Rahmen der \nBerliner Festwochen \u201ewiederentdeckt\u201c wurde, erschienen einzelne ihrer \nWerke erneut. Ihre Erinnerungen kamen ein Jahr nach ihrem Tod heraus und\n wurden, wie dem informativen Nachwort der Herausgeberin Nicole \nHenneberg zu entnehmen ist, vom Verlag vielfach gek\u00fcrzt und inhaltlich \nentstellt.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Etwas Seltenes \u00fcberhaupt<\/em> ist ein prall gef\u00fclltes\n Buch. Eine gro\u00dfe Anzahl Portraits von Freunden und Kollegen, \nReiseberichte, Erinnerungen an ihren Mann und den fr\u00fch verstorbenen \nSohn, Anekdoten, Schilderungen der erlebten Gerichtsverhandlungen und \nBerichte aus dem Nachkriegsdeutschland sind atmosph\u00e4risch ungeheuer \ndicht und temporeich. Ihr flott dahineilender, lebendiger Schreibstil, \nmanchmal vom H\u00f6lzchen aufs St\u00f6ckchen kommend, manchmal mit eigenwilligen\n Formulierungen und typisch berlinerischer Lakonie, ist \u2013 trotz oder \ngerade \u2013 wegen seiner Leichtigkeit ernsthaft und tiefgr\u00fcndig. Ein \nungemein fesselndes, hellsichtiges, lebendig geschriebenes Buch, das auf\n best\u00fcrzende Weise zeigt, wie eine zunehmende sprachliche Verrohung in \nGesellschaft und Politik den Weg f\u00fcr ebensolche Taten ebnet. Das ist \nzeitgeschichtlich erhellend und stellenweise erschreckend aktuell. Jetzt\n sind Gabriele Tergits Erinnerungen ein zweites Mal zu entdecken \u2013 es \nlohnt sich!<\/p>\n\n\n\n<p>Ruth Roebke, Bochum<\/p>\n\n\n\n<p> <\/p>\n<div class=\"shariff shariff-align-flex-start shariff-widget-align-flex-start\" data-services=\"facebook%7Ctwitter\" data-url=\"https%3A%2F%2Fautorenbuchhandlung-marx.de%2Fwww%2Fbuchempfehlung-19%2F\" data-timestamp=\"1558619496\" data-backendurl=\"https:\/\/autorenbuchhandlung-marx.de\/www\/wp-json\/shariff\/v1\/share_counts?\"><ul class=\"shariff-buttons theme-round orientation-horizontal buttonsize-medium\"><li class=\"shariff-button facebook shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#4273c8\"><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sharer\/sharer.php?u=https%3A%2F%2Fautorenbuchhandlung-marx.de%2Fwww%2Fbuchempfehlung-19%2F\" title=\"Bei Facebook teilen\" aria-label=\"Bei Facebook teilen\" role=\"button\" rel=\"nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#3b5998; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style><svg width=\"32px\" height=\"20px\" viewBox=\"0 0 18 32\"><path fill=\"#3b5998\" d=\"M17.1 0.2v4.7h-2.8q-1.5 0-2.1 0.6t-0.5 1.9v3.4h5.2l-0.7 5.3h-4.5v13.6h-5.5v-13.6h-4.5v-5.3h4.5v-3.9q0-3.3 1.9-5.2t5-1.8q2.6 0 4.1 0.2z\" \/><\/svg><\/span><\/a><\/li><li class=\"shariff-button twitter shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#32bbf5\"><a href=\"https:\/\/twitter.com\/share?url=https%3A%2F%2Fautorenbuchhandlung-marx.de%2Fwww%2Fbuchempfehlung-19%2F&amp;text=Buchempfehlung\" title=\"Bei Twitter teilen\" aria-label=\"Bei Twitter teilen\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#55acee; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style><svg width=\"32px\" height=\"20px\" viewBox=\"0 0 30 32\"><path fill=\"#55acee\" d=\"M29.7 6.8q-1.2 1.8-3 3.1 0 0.3 0 0.8 0 2.5-0.7 4.9t-2.2 4.7-3.5 4-4.9 2.8-6.1 1q-5.1 0-9.3-2.7 0.6 0.1 1.5 0.1 4.3 0 7.6-2.6-2-0.1-3.5-1.2t-2.2-3q0.6 0.1 1.1 0.1 0.8 0 1.6-0.2-2.1-0.4-3.5-2.1t-1.4-3.9v-0.1q1.3 0.7 2.8 0.8-1.2-0.8-2-2.2t-0.7-2.9q0-1.7 0.8-3.1 2.3 2.8 5.5 4.5t7 1.9q-0.2-0.7-0.2-1.4 0-2.5 1.8-4.3t4.3-1.8q2.7 0 4.5 1.9 2.1-0.4 3.9-1.5-0.7 2.2-2.7 3.4 1.8-0.2 3.5-0.9z\" \/><\/svg><\/span><\/a><\/li><\/ul><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gabriele Tergit &#8211; Etwas Seltenes \u00fcberhaupt Erinnerungen. 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