{"id":1138,"date":"2018-08-23T13:44:08","date_gmt":"2018-08-23T11:44:08","guid":{"rendered":"https:\/\/autorenbuchhandlung-marx.de\/www\/?p=1138"},"modified":"2019-05-23T13:47:05","modified_gmt":"2019-05-23T11:47:05","slug":"buchempfehlung-18","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/autorenbuchhandlung-marx.de\/www\/buchempfehlung-18\/","title":{"rendered":"Buchempfehlung"},"content":{"rendered":"<h2>Jens Rehn &#8211; Nichts in Sicht<\/h2>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft\"><noscript><img width=\"200\" height=\"326\" src=\"https:\/\/autorenbuchhandlung-marx.de\/www\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/rehn.jpg\" alt class=\"wp-image-1139\" srcset=\"https:\/\/autorenbuchhandlung-marx.de\/www\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/rehn.jpg 200w, https:\/\/autorenbuchhandlung-marx.de\/www\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/rehn-184x300.jpg 184w\" sizes=\"(max-width: 200px) 100vw, 200px\"><\/noscript><img width=\"200\" height=\"326\" src=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg%20xmlns%3D%22http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg%22%20viewBox%3D%220%200%20200%20326%22%3E%3C%2Fsvg%3E\" alt class=\"wp-image-1139 lazyload\" srcset=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg%20xmlns%3D%22http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg%22%20viewBox%3D%220%200%20200%20326%22%3E%3C%2Fsvg%3E 200w\" sizes=\"(max-width: 200px) 100vw, 200px\" data-srcset=\"https:\/\/autorenbuchhandlung-marx.de\/www\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/rehn.jpg 200w, https:\/\/autorenbuchhandlung-marx.de\/www\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/rehn-184x300.jpg 184w\" data-src=\"https:\/\/autorenbuchhandlung-marx.de\/www\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/rehn.jpg\"><figcaption>Sch\u00f6ffling &amp; Co, 20 \u20ac<br> 978-3-89561-149-0 <\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Der gleichg\u00fcltige Ozean, wie mit dem Rasiermesser \nglattgezogen, die steinkalte Ewigkeit des Universums dar\u00fcber. Ein Wohin \ngibt es hier nicht. Und was war gleich noch die Bedeutung der Zeit? \n\u201eGekr\u00fcmmter Raum? Gekr\u00fcmmte Zeit? Gekr\u00fcmmter Mensch?\u201c In ewigem \nGleichtakt versinkt die Sonne und steigt wenig sp\u00e4ter wieder auf. \nTagein, tagaus. Und in der Zwischenzeit verfault der Mensch. <\/p>\n\n\n\n<p>Es ist 1943, Weltenbrand. Ein amerikanischer Flieger und \nein deutscher U-Bootfahrer hocken zusammen auf einem Schlauchboot \nirgendwo im Mittelatlantik. Einer fiel vom Himmel, einer wurde aus dem \nMeer gezogen. Mit an Bord des Rettungsbootes: Eine Flasche Whiskey, \nZigaretten und Kaugummis. F\u00fcr ein paar Tage reicht diese Ration, dann \nw\u00fcrde Rettung kommen m\u00fcssen. Der Amerikaner hat zudem bei seinem Absturz\n einen Arm verloren, ist nun septisch und deliriert seinem Ende \nentgegen. Dabei erz\u00e4hlt er dem Deutschen aus seinem Leben, von seiner \nLiebe, wird zornig, h\u00f6hnisch und verstummt schlie\u00dflich endg\u00fcltig.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDer Andere\u201c, wie der Deutsche nur genannt wird, treibt \nnun alleine auf dem Schlauchboot seinem Schicksal entgegen und ist dabei\n seinen weit ausgreifenden Gedanken v\u00f6llig ausgeliefert.<\/p>\n\n\n\n<p>Mors omnia aequat, hei\u00dft es. Der Tod macht alles gleich. \nDas ist richtig, denkt man sich, wenn man Jens Rehns Deb\u00fctroman liest, \nder 1954 erstmals erschien und gerade von Sch\u00f6ffling neu aufgelegt \nwurde. Auch schon die Aussicht auf den baldigen Tod schleift alle \nUnterschiede ab. Freund und Feind, Krieg und Frieden \u2013 was sind das \nschon f\u00fcr Kategorien, wenn man auf die letzten Dinge zutreibt? Was ist \nBesitz und Geld? Was f\u00fcr einen Sinn hat noch abstrakte Philosophie?<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eKlein-Lie\u00dfchen-M\u00fcller-Gedanken\u201c, sagte er wieder laut. \n\u201eDie Auslassungen der Philosophen aller Zeiten sind nichts anderes!\u201c Er \nsprach immer lauter. \u201eDie umschreiben es nur anders und denken \nkonsequenter dar\u00fcber nach und schriftstellern mit vielen Fremdworten \ndas, was sie auch nicht wissen. Homo singularis vis-\u00e0-vis der Gr\u00f6\u00dfe X. \nNa also. Es ist immer dasselbe. Immer. Unendlich wiederholt. Im Grunde \nist alles dasselbe.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><em>Nichts in Sicht<\/em> ist ein Roman, der dem Leser in \ndie Knochen f\u00e4hrt: Was Rehn hier auf wenigen Seiten mit Hilfe eines \nminimalistischen Settings beschreibt, ist nichts weniger als das \nlangsame Sterben eines Menschen. Es ist eine lange, meisterhaft \narrangierte Folge von hochtrabenden Gedanken, Abschweifungen in die \nVergangenheit, Verh\u00f6hnungen und Verzagtheiten, die mit der stummen \nGleichg\u00fcltigkeit des Ozeans kontrastiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Und damit schafft Rehn ein gestochen scharfes Bild f\u00fcr \ndas gro\u00dfe Dilemma der Menschheit: Schlussendlich, nach allen Erkl\u00e4rungs-\n und Konstruktionsversuchen, ist der Mensch doch nur ausgeliefert. Der \nOzean, die Natur, das All schweigen. Immer bleibt es bei der harten \nFeststellung, die sich, wie ein Motiv durch den gesamten Roman zieht: \nNichts in Sicht.<\/p>\n\n\n\n<p>K\u00fchl, entschlackt und bar jeden stilistischen Ornats ist \ndie Sprache, in der die endlos kreisenden Gedankeng\u00e4nge des \u201eAnderen\u201c \nbeschrieben werden, und genial ist die Konstruktion dieses Romans, dem \nes gelingt, die Grundfragen des Seins zu stellen \u2013 und als blo\u00dfe Ideen \nwieder zu verwerfen. Grandios!<\/p>\n\n\n\n<p>Johannes Fischer, autorenbuchhandlung marx &amp; co, Frankfurt <\/p>\n<div class=\"shariff shariff-align-flex-start shariff-widget-align-flex-start\" data-services=\"facebook%7Ctwitter\" data-url=\"https%3A%2F%2Fautorenbuchhandlung-marx.de%2Fwww%2Fbuchempfehlung-18%2F\" data-timestamp=\"1558619225\" data-backendurl=\"https:\/\/autorenbuchhandlung-marx.de\/www\/wp-json\/shariff\/v1\/share_counts?\"><ul class=\"shariff-buttons theme-round orientation-horizontal buttonsize-medium\"><li class=\"shariff-button facebook shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#4273c8\"><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sharer\/sharer.php?u=https%3A%2F%2Fautorenbuchhandlung-marx.de%2Fwww%2Fbuchempfehlung-18%2F\" title=\"Bei Facebook teilen\" aria-label=\"Bei Facebook teilen\" role=\"button\" rel=\"nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#3b5998; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style><svg width=\"32px\" height=\"20px\" viewBox=\"0 0 18 32\"><path fill=\"#3b5998\" d=\"M17.1 0.2v4.7h-2.8q-1.5 0-2.1 0.6t-0.5 1.9v3.4h5.2l-0.7 5.3h-4.5v13.6h-5.5v-13.6h-4.5v-5.3h4.5v-3.9q0-3.3 1.9-5.2t5-1.8q2.6 0 4.1 0.2z\" \/><\/svg><\/span><\/a><\/li><li class=\"shariff-button twitter shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#32bbf5\"><a href=\"https:\/\/twitter.com\/share?url=https%3A%2F%2Fautorenbuchhandlung-marx.de%2Fwww%2Fbuchempfehlung-18%2F&amp;text=Buchempfehlung\" title=\"Bei Twitter teilen\" aria-label=\"Bei Twitter teilen\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#55acee; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style><svg width=\"32px\" height=\"20px\" viewBox=\"0 0 30 32\"><path fill=\"#55acee\" d=\"M29.7 6.8q-1.2 1.8-3 3.1 0 0.3 0 0.8 0 2.5-0.7 4.9t-2.2 4.7-3.5 4-4.9 2.8-6.1 1q-5.1 0-9.3-2.7 0.6 0.1 1.5 0.1 4.3 0 7.6-2.6-2-0.1-3.5-1.2t-2.2-3q0.6 0.1 1.1 0.1 0.8 0 1.6-0.2-2.1-0.4-3.5-2.1t-1.4-3.9v-0.1q1.3 0.7 2.8 0.8-1.2-0.8-2-2.2t-0.7-2.9q0-1.7 0.8-3.1 2.3 2.8 5.5 4.5t7 1.9q-0.2-0.7-0.2-1.4 0-2.5 1.8-4.3t4.3-1.8q2.7 0 4.5 1.9 2.1-0.4 3.9-1.5-0.7 2.2-2.7 3.4 1.8-0.2 3.5-0.9z\" \/><\/svg><\/span><\/a><\/li><\/ul><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jens Rehn &#8211; Nichts in Sicht Der gleichg\u00fcltige Ozean, wie mit dem Rasiermesser glattgezogen, die steinkalte Ewigkeit des Universums dar\u00fcber. 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