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Betriebsblind und arbeitshörig – Psychische Erkrankungen in Arbeit und Therapie

Transcript, 29,99€

Ute Engelbach, Sabine Flick und Stephan Voswinkel im Gespräch

Montag, 13. November 2017, 20 Uhr

Prismen – Institut für Sozialforschung bei Marx & Co

Seit Jahren nimmt die Zahl psychischer Erkrankungen zu. Ursachen sind nicht zuletzt in der Arbeitswelt zu finden. Das Stichwort »Burnout« ist ein zeitdiagnostischer Marker einer gesellschaftlichen Problematik. Oft aber bleibt unklar, wie Belastungen in der Arbeit und psychische Erkrankungen zusammenhängen. Allgemeine Hinweise auf Anforderungen der modernen Gesellschaft (»Der Kapitalismus / die moderne Arbeitswelt / macht krank«) stehen unvermittelt individualisierenden Lösungen gegenüber: besseres Stressmanagement, Sich-Abgrenzen-Lernen.

Eine am Institut für Sozialforschung und am Sigmund-Freud-Institut Frankfurt a.M. durchgeführte Untersuchung zeigt an empirischen Fällen, wie Arbeitsbedingungen und persönliche Vulnerabilitäten zusammenwirken. 23 psychisch Erkrankte wurden in jeweils mehrstündigen Gesprächen zu Beginn und am Ende ihres Klinikaufenthaltes sowie mehrere Monate nach Verlassen der Klinik interviewt. Mit ihren Therapeut_ innen wurden ebenfalls umfangreiche Gespräche geführt und Interviews mit betrieblichen Expert_innen ergänzten die Empirie. Welche Arbeitssituationen sind psychisch gefährdend? Wie geht das betriebliche Umfeld damit um? Wie deuten die Betroffenen selbst ihre Krankheit und ihre Ursachen? Welche Bedeutung hat die Arbeit in den Therapien? Neigen Therapeut_innen dazu, die Arbeitswelt zu dethematisieren? Wie erklärt sich der individualisierende Umgang mit der Erkrankung trotz verallgemeinernder Zeitdiagnose? Fazit: Wenn Arbeitssituationen krank machen, reicht es nicht, nur die Erkrankten zu therapieren!

Ute Engelbach, Dr. med. Dipl.-Päd., ist Oberärztin des Bereichs Psychosomatik der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Universitätsklinikums Frankfurt. Dort leitet sie den Essstörungsschwerpunkt und den psychosomatischen Konsildienst. Arbeitsschwerpunkte sind Psychosomatik und Diabetes/HIV sowie Forschung zu psychischen Erkrankungen im Zusammenhang mit Erwerbsarbeit.

Sabine Flick, Dr. phil., ist Soziologin an der Goethe-Universität und assoziierte Wissenschaftlerin am Institut für Sozialforschung. Nach einer arbeitssoziologischen Dissertation über Selbstsorge in entgrenzter Arbeit, forscht sie im Kontext verschiedener Projekte zum Gesellschaftsbegriff der Psychotherapie. Zu ihren Arbeitsschwerpunkten zählen Medizinsoziologie, Soziologie der Freundschaft, Familien- und Geschlechtersoziologie.

Stephan Voswinkel, PD Dr. disc. pol., ist Soziologe am Institut für Sozialforschung und Privatdozent am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften der Goethe-Universität. Derzeit ist er Vertretungsprofessor für Allgemeine Soziologie an der TU Darmstadt. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten zählen die Soziologie der Anerkennung, prekäre Beschäftigung, Ansprüche an Arbeit und psychosoziale Gefährdungen in der Arbeit.

Die Ergebnisse des Projekts sind kürzlich als Buch erschienen:

Nora Alsdorf, Ute Engelbach, Sabine Flick, Rolf Haubl und Stephan Voswinkel: Psychische Erkrankungen in der Arbeitswelt. Analysen und Ansätze zur therapeutischen und betrieblichen Bewältigung. Bielefeld: transcript 2017.

 

Lesung & Screening: Jörg Metelmann „Deutschlandbilder. Filmische Landeskunde von Almanya bis Wolfsburg“

Bertz & Fischer Verlag, 12.90 €

Mittwoch 1. November 2017 um 18 Uhr

In Kooperation mit der Goethe-Universität Frankfurt, Master Ästhetik

Im IG-Farbenhaus der Uni Raum 7.312 (Filmraum TFM)

Moderation & Diskussion: Heinz Drügh

 

Was ist deutsch? Was ist Deutschland? Was ist Heimat?

Darüber lässt sich auch 25 Jahre nach der Wiedervereinigung nur streiten, denn eindeutige Antworten können nicht mehr sein als Zuschreibungen, so wie auch Nationen künstliche Konstrukte sind – aber doch existieren. Bürgerinnen und Bürger leben in ihnen und Künstler bearbeiten sie. In seinem Buch Deutschlandbilder. Filmische Landeskunde von Almanya bis Wolfsburg analysiert Jörg Metelmann jene Filmbilder, die über Deutschland seit 1989 entstanden sind. Er betrachtet sie als mediale „Vergegenwärtigungsorte“, die das Bild der Nation (mit) prägen und so deren „Erinnerungsorte“ neu vermessen.

Mit Filmstills, einem Screening und in der Diskussion mit Heinz Drügh wird Deutschland an diesem Abend zwischen Autorenfilm und populärem Genrefilm kartografiert, zwischen Good bye Lenin und Lichter, zwischen Almanya und Wolfsburg. Als studierter Literaturwissenschaftler und Philosoph weiß Metelmann aber zugleich um die Macht der Bilder und Vorstellungen des ‚Deutschseins’, die entstanden sind, noch lange bevor die Bilder das Laufen lernten. Sie werden in Literaturverfilmungen über Figuren wie Kohlhaas oder Effi Briest vergegenwärtigt und angeeignet.

Ein solcher Einblick in die deutsche Filmlandschaft bietet eine Vielzahl an Identitäten und schärft zugleich den Blick für unsere Konstruktionen von und Diskussionen über Deutschland und seine Kultur.

Jörg Metelmann ist Titularprofessor und Ständiger Dozent für Kultur- und Medienwissenschaft an der Universität St.Gallen, Schweiz. Neben zahlreichen Publikationen (zuletzt: Ressentimentalität. Die melodramatische Versuchung, 2016) hat er 2009 (zusammen mit Antje Dombrowsky) auch die Flucht seiner Mutter aus der DDR 1966 filmisch dokumentiert – eine weitere deutsche Geschichte.

Heinz Drügh ist Professor für Neuere Deutsche Literatur und Ästhetik an der Goethe-Universität Frankfurt. Zuletzt erschien von ihm Ästhetik des Supermarkts, Konstanz 2015.

Bilderbuchferien für Kindergarten- und Grundschulkinder

Das Leben der Freiheit und die Abschaffung der Freiheit

Thomas Khurana und Frank Ruda im Gespräch mit Dirk Setton

Buchvorstellung und Diskussion

Freitag, 14. Juli 2017, 20 Uhr

Es scheint unmöglich, gegen die Freiheit zu sein. Wenn es einen Wert gibt, der in den politischen Philosophien der Gegenwart unumstritten ist – gleich ob sie sich nun anarchistisch, libertär, liberalistisch, republikanisch oder kommunitaristisch verstehen –, dann ist es die Freiheit. Die Fraglosigkeit und die inflationäre Bestätigung der Freiheit sollten dabei jedoch misstrauisch machen: Da kann etwas nicht stimmen.

Die beiden Bücher, die an diesem Abend zur Diskussion stehen, fragen danach, was mit den beiden dominanten Freiheitskonzeptionen der Gegenwart nicht stimmt: mit der Idee der Wahlfreiheit und der Idee der vernünftigen Selbstbestimmung. Während Frank Ruda zeigt, dass die Freiheit der Wahl uns weder Freiheit ermöglicht noch die Wahl lässt, zeichnet Thomas Khurana eine grundlegende Paradoxie nach, nach der im Inneren der Autonomie Willkür und Zwang wiederzukehren drohen.

Frank Ruda schlägt vor diesem Hintergrund vor, die Freiheit abzuschaffen und sich in einem neuen Fatalismus zu üben: Nur derjenige, der einsieht, dass er keine Wahl hat, kann sich von der Freiheitsillusion befreien. Thomas Khurana schlägt vor, die Idee der Selbstbestimmung so neu zu verstehen, dass sich die inneren Spannungen der Autonomie entfalten statt bloß verdecken lassen. Die Frage ist, in welchem Verhältnis diese beiden Versuche eigentlich stehen: Wie steht das Vorhaben, die Freiheit abzuschaffen, zu dem, sie zu beleben?

Thomas Khurana ist Lecturer of Philosophy an der University of Essex. Er arbeitet gegenwärtig an einem Projekt zur Kunst der zweiten Natur und zum Verhältnis von Selbstbewusstsein und Vergegenständlichung.

Frank Ruda ist Vertretungsprofessor an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Gegenwärtig arbeitet er an einem Projekt zum Begriff des Muts.

Dirk Setton ist Postdoktorand am Cluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität Frankfurt am Main.

Thomas Khurana. Das Leben der Freiheit.
Form und Wirklichkeit der Autonomie. Berlin: Suhrkamp 2017

Frank Ruda. Abolishing Freedom: A Plea for a Contemporary Use of Fatalism.
Lincoln/London: University of Nebraska Press 2016

Die Demokratie und ihre Leidenschaften – Zur Aktualität von Alexis de Tocqueville

Judith Mohrmann und Johannes Völz im Gespräch mit Felix Trautmann

Montag, 26. Juni 2017, 20 Uhr

Prismen – Institut für Sozialforschung bei Marx & Co

Betrachtet man aktuelle politische Krisendiagnosen, so fällt auf, dass diese selten ohne den Verweis auf die entsprechende Gefühlslage der politischen Subjekte auskommen. Mal sind diese enttäuscht, verdrossen oder apathisch, mal wütend, rasend oder sogar von Hass erfüllt. Diese Rolle von Leidenschaften und Affekten in der Politik wird allerdings meist mit Sorge betrachtet: sie scheinen unkontrollierbar und irrational. Dass Politik jedoch nicht ohne Affekte und insbesondere nicht ohne eine Leidenschaft für die Politik auskommt, behauptet bereits Anfang des 19. Jahrhunderts Alexis de Tocqueville. Ihm zufolge lässt sich die Demokratie als eine soziale Lebensform verstehen, in der bestimmte emotionale und affektive Verhaltensweisen gleichermaßen positive wie negative Auswirkungen auf die demokratische Freiheit und Gleichheit haben können. Anhand verschiedener Affekte veranschaulicht er die inneren Widersprüche der demokratischen Ideale.
Mit Blick auf die aktuellen politischen Verhältnisse, die von sozialer Ungleichheit, einem schwindenden Vertrauen in politische Parteien und Institutionen sowie der populistischen Mobilisierung geprägt sind, stellen sich diese Fragen erneut: wie lässt sich die Rolle von Affekten in der Demokratie verstehen? Welche von ihnen werden in der Politik zur Gefahr für andere und wann sind Affekte gerade das Antidot einer drohenden Entpolitisierung?

Über diese und weitere Fragen diskutieren die Philosophin Judith Mohrmann vom Institut für Sozialforschung und Johannes Völz, Heisenberg-Professor für Amerikanistik an der Goethe-Universität Frankfurt, mit Felix Trautmann (Institut für Sozialforschung). Hintergrund der Diskussion bildet der Themenschwerpunkt „Alexis de Tocqueville und die Paradoxien der Gleichheit“ in WestEnd. Neue Zeitschrift für Sozialforschung 1/2017.

Judith Mohrmann ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Sozialforschung im Rahmen des Forschungsprojekts „Verhandlungsformen normativer Paradoxien“. Sie promovierte 2013 an der Goethe-Universität Frankfurt mit einer Arbeit über die Rolle der Affekte in der Französischen Revolution sowie im Denken von Hannah Arendt und Immanuel Kant. In ihrer aktuellen Forschungsarbeit befasst sie sich mit der Rolle des guten Lebens im Kapitalismus.

Felix Trautmann ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Sozialforschung. Seine 2015 abgeschlossene Promotion behandelt die von Machiavelli und La Boétie formulierte Diagnose einer ‚freiwilligen Knechtschaft‘ und erweitert diese für demokratische Gesellschaften. Aktuell arbeitet er in einem Forschungsprojekt mit dem Titel „Paradoxien der Gleichheit. Die Demokratie und ihre Kulturindustrie“.

Johannes Völz ist Heisenberg-Professor für Amerikanistik mit dem Schwerpunkt „Demokratie und Ästhetik“ an der Goethe-Universität Frankfurt. In seinen jüngsten Buchpublikationen befasst er sich mit den Themen Angst, Sicherheit und Ungewissheit in der amerikanischen Literatur vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart. In einem weiteren Forschungsprojekt untersucht er den Wandel von Privatheitsheitsvorstellungen in der amerikanischen Gegenwartsliteratur.

Die Gegenwart der Homophobie

Volker M. Heins im Gespräch mit Sophinette Becker und Bernd Simon

Montag, 24. April 2017, 20 Uhr

Prismen – Institut für Sozialforschung bei Marx & Co

Vieles spricht dafür, den Kampf um die rechtliche Gleichstellung und gesellschaftliche Akzeptanz von nicht-heterosexuellen Menschen als eine große Erfolgsgeschichte zu erzählen. Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender sind in einer Weise rechtlich, medial und sozial aufgewertet worden, wie man es noch in den 1960er Jahren nicht für möglich gehalten hätte. Dennoch stellt sich bei näherem Hinsehen eine Vielzahl von Fragen: Was sind die Gründe für die wachsende Akzeptanz von Schwulen und Lesben? Wie stabil oder brüchig ist dieser Trend? Lässt er sich globalisieren? Wie verhält sich eine progressive Gesetzgebung zum Abbau von gruppenbezogenen Vorurteilen? Vor allem: Was bedeutet eigentlich »Anerkennung« in diesem Zusammenhang?

Über diese und weitere Fragen diskutieren der Kieler Psychologe Bernd Simon und die Frankfurter Psychoanalytikerin Sophinette Becker. Moderieren wird Volker M. Heins vom Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI). Den Hintergrund bildet der Themenschwerpunkt »Die Gegenwart der Homophobie« in WestEnd. Neue Zeitschrift für Sozialforschung 2/2016.

Sophinette Becker ist Psychoanalytikerin. Sie leitete bis 2011 die Sexualmedizinische Am­bulanz der Uniklinik Frankfurt. Die Psychotherapeutin und Sexualwissenschaftlerin ist seit vielen Jahren auf Transsexualität und andere Besonderheiten der Geschlechteridentität, aber auch auf den kulturellen Wandel der Sexualität spezialisiert. Sie war lange Zeit Mitherausge­berin der renommierten Zeitschrift für Sexualforschung.

Volker M. Heins ist Permanent Fellow und Leiter des Forschungsbereichs Interkultur am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI). Er ist Mitglied der sozialwissenschaftlichen Fakultät der Ruhr-Universität Bochum sowie Leiter des Forschungsbereichs »Globale Kul­turkonflikte und transkulturelle Kooperation« am Centre for Global Cooperation Research / Käte Hamburger Kolleg in Duisburg.

Bernd Simon ist Professor für Sozialpsychologie und Politische Psychologie am Institut für Psychologie der Christian-Albrechts-Universität Kiel. Seine Arbeitsschwerpunkte sind die Identitäts-und Gruppenforschung unter besonderer Berücksichtigung von Beziehungen zwi­schen Minoritäten und Majoritäten, Politisierungsprozessen, Macht, Respekt und Toleranz.

Jörg Später. Siegfried Kracauer. Eine Biographie

Suhrkamp, 39.95 €

Detlev Claussen spricht mit Jörg Später über seine Kracauer Biographie

Mittwoch, 29.03.2017, 20 Uhr

Siegfried Kracauer (* 1889 Frankfurt am Main – † 1966 New York) war Journalist und Soziologe, Filmwissenschaftler und Romancier. Er war Teil des philosophischen Quartetts mit Adorno, Benjamin und Bloch. Als Jude und politisch Linker musste er 1933 aus Deutschland fliehen.

Kracauers soziologische und filmtheoretische Studien zu den Angestellten, zum Ornament der Masse und Von Caligari zu Hitler gelten heute noch als Meilensteine – erstaunlich genug, dass es über ihn, den „wunderlichen Realisten“ (Adorno), bis heute keine große Biographie gegeben hat. Eine Lücke, die der Historiker Jörg Später schließt und erfreulicherweise Kracauers Tugenden fortsetzt: leichte Lesbarkeit mit tiefsinnigen Einsichten zu verknüpfen. Dabei entfaltet Später nicht nur das ganze Panorama von Kracauers Leben, sondern auch das einer ganzen Generation und Epoche.

Jörg Später, geboren 1966, studierte Politikwissenschaft, Islamwissenschaft und Neuere und Neueste Geschichte. Der promovierte Historiker ist Mitarbeiter am Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Freiburg.

Detlev Claussen, geboren 1948, studierte Philosophie, Soziologie, Literatur und Politik in Frankfurt am Main, u.a. bei Adorno, und lehrte als Professor für Gesellschaftstheorie, Kultur- und Wissenschaftssoziologie an der Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover.

Utopie und Gewalt – Andrej Platonov „Die Baugrube“

Suhrkamp Verlag, 24 €

Die Übersetzerin Gabriele Leupold im Gespräch mit Manfred Sapper

Dienstag 21. Februar 2017, 20 Uhr

Andrej Platonov (1899–1951) ist ein Schriftsteller vom literarischen Rang eines James Joyce, Robert Musil oder Franz Kafka. Doch sein Werk ist bis heute weithin unbekannt. Sein Schreiben steht quer zu den literarischen, ästhetischen und ideologischen Konventionen seiner Zeit. Seine wichtigsten Romane konnten zu seinen Lebzeiten nicht erscheinen und seine hochkomplexe Sprache macht ihn zu einem Autor für anspruchsvolle Leser.

Nun liegt Platonovs Schlüsselwerk „Die Baugrube“ (1930) in einer neuen Übersetzung von Gabriele Leupold vor. Platonov erweist sich darin als literarischer Chronist und unbestechlicher Beobachter der frühen Sowjetunion. Er ist als Klassiker der Moderne zu entdecken, dessen Texte der gnadenlosen Kausalität von Utopie und Gewalt unvergleichliche Prägnanz und Ausdruckskraft verliehen haben.

Gabriele Leupold ist Übersetzerin aus dem Russischen (u.a. Michail Bachtin, Vladimir Sorokin, Michail Ryklin). Sie erhielt 2002 den Celan Preis für die Übersetzung von Andrej Belyjs Petersburg, sowie 2012 den Johann-Heinrich-Voß-Preis für Übersetzung.

Manfred Sapper leitet als Redakteur die Zeitschrift OSTEUROPA, deren letzter Band „Utopie und Gewalt“ Andrej Platonov gewidmet ist.
In Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde (DGO), Berlin

Adventslesung für Kinder

Wilde WeihnachtswichtelAdventslesung für Kinder
am Samstag, 10. Dezember 2016
um 17 Uhr
ab 4 Jahren

13 wilde Weihnachtskerle stürmen unsere Buchhandlung für die alljährliche Adventslesung. Sie haben jede Menge Unsinn im Kopf, sie sind immer hungrig und sie haben eine Mission, denn die Weihnachtskerle kommen aus dem fernen Island. Dort gibt es zwar ganz sicher weiße Weihnacht, aber Tannenbäume, die gibt’s nicht. Weihnachten ohne Tannenbaum? Für die Geschwister Smilla und Snorre machen sich die wilden Weihnachtskerle auf die Reise, damit sie endlich mit einem echten Weihnachtsbaum Weihnachten feiern können.

Orgelmann. Felix Nussbaum – Ein Malerleben

Schaevers

Galiani Berlin, 38 €

Der Autor Mark Schaevers im Gespräch mit Anne Sibylle Schwetter

Dienstag, 15. November 2016, 20 Uhr

In den 1930er Jahren ist der Maler Felix Nussbaum eine Berühmtheit der Berliner Kunstszene, mit 23 hat er seine erste Einzelausstellung in der Galerie Casper am Halleschen Ufer und Max Liebermann soll über ihn gesagt haben: „Der wird mal beinah so jut wie ick“. Mit Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft muss er fliehen und lebt mit seiner Frau, der Malerin Felka Platek, im Exil – in Italien, in Frankreich und ab 1937 in Brüssel. Auch in der Illegalität malt Nussbaum weiter, es entstehen beeindruckende Bilder. Am 20. Juni 1944 werden die Eheleute von der Gestapo aufgespürt und nach Auschwitz deportiert.

Mark Schaevers Orgelmann erzählt die Lebensgeschichte des Malerpaars, sucht die Spuren des nach dem Krieg vergessenen Künstlers Nussbaum und dokumentiert die Geschichte der schwierigen Etablierung eines toten Malers in den internationalen Kunstbetrieb. Seit 1998 gibt es ein eigenes, von Daniel Liebeskind entworfenes Felix-Nussbaum-Haus in Osnabrück, auch das Jüdische Museum Frankfurt ist im Besitz einiger berühmter Nussbaum-Gemälde – die Bedeutung seines Werkes ist heute wieder anerkannt, von Felka Platek sind nur wenige Bilder überliefert.

Mark Schaevers ist Journalist und Autor. Er lebt in Brüssel und hat zahlreiche Bücher veröffentlicht, u.a. in Zusammenarbeit mit Hugo Claus. 2015 veröffentlichte er ein Buch über den Sommer 1936 in Ostende: Oostende, de zomer van 1936: Irmgard Keun, Egon Erwin Kisch, Joseph Roth, Stefan Zweig aan de Belgische kust.

Anne Sibylle Schwetter, Kunsthistorikerin, ist seit über 10 Jahren wissenschaftliche Mitarbeiterin und Kuratorin am Felix-Nussbaum-Haus Osnabrück.

Diese Veranstaltung wird gefördert von: Flandern & die Niederlande – Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2016.