Utopie und Gewalt – Andrej Platonov „Die Baugrube“

Suhrkamp Verlag, 24 €

Die Übersetzerin Gabriele Leupold im Gespräch mit Manfred Sapper

Dienstag 21. Februar 2017, 20 Uhr

Andrej Platonov (1899–1951) ist ein Schriftsteller vom literarischen Rang eines James Joyce, Robert Musil oder Franz Kafka. Doch sein Werk ist bis heute weithin unbekannt. Sein Schreiben steht quer zu den literarischen, ästhetischen und ideologischen Konventionen seiner Zeit. Seine wichtigsten Romane konnten zu seinen Lebzeiten nicht erscheinen und seine hochkomplexe Sprache macht ihn zu einem Autor für anspruchsvolle Leser.

Nun liegt Platonovs Schlüsselwerk „Die Baugrube“ (1930) in einer neuen Übersetzung von Gabriele Leupold vor. Platonov erweist sich darin als literarischer Chronist und unbestechlicher Beobachter der frühen Sowjetunion. Er ist als Klassiker der Moderne zu entdecken, dessen Texte der gnadenlosen Kausalität von Utopie und Gewalt unvergleichliche Prägnanz und Ausdruckskraft verliehen haben.

Gabriele Leupold ist Übersetzerin aus dem Russischen (u.a. Michail Bachtin, Vladimir Sorokin, Michail Ryklin). Sie erhielt 2002 den Celan Preis für die Übersetzung von Andrej Belyjs Petersburg, sowie 2012 den Johann-Heinrich-Voß-Preis für Übersetzung.

Manfred Sapper leitet als Redakteur die Zeitschrift OSTEUROPA, deren letzter Band „Utopie und Gewalt“ Andrej Platonov gewidmet ist.
In Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde (DGO), Berlin

Buchempfehlung – Annie Dillard „Pilger am Tinker Creek“

Matthes & Seitz, 22.- €

Lange bevor der jetzige Natur- und Tier-Boom in der Bücher- und TV-Welt ausgebrochen ist, lebte Annie Dillard in den sich nördlich von Oregon erstreckenden Blue Mountains, auf den Spuren von Henry David Thoreaus Walden, aber auch, um die Folgen einer schweren Krankheit auszukurieren. Über diese Zeit hat sie 1974 das Buch Pilgrim at Tinker Creek verfasst, das mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnet wurde und 1996 bei Klett Cotta unter dem Titel Der freie Fall der Spottdrossel erschien. Jetzt hat der Matthes & Seitz Verlag es in seiner wunderbaren Reihe Naturkunden mit dem Originaltitel Pilger am Tinker Creek wieder aufgelegt, und ich stelle mit großer Freude fest: es fasziniert mich genauso wie beim ersten Lesen und hat nichts von seiner Frische und sprachlichen Kraft eingebüßt.

Der Text folgt den Jahreszeiten, ist aber letztlich an keine Chronologie gebunden. Dillard verbringt ihre Tage mit langen Wanderungen, beobachtet Tiere und Pflanzen und lässt ihre Gedanken herumstromern. Wissbegierig und mit großer Neugierde beschreibt sie, was ihr begegnet. Assoziativ, aber nie beliebig, fragend und offen für alles, was kommt – was oft zu unerwarteten Erlebnissen führt. Eben noch in die Betrachtung von Schönheit versunken oder erheitert, kann der Text in puren Schrecken kippen. Zum Beispiel als sie erkennt, dass der halb aus dem Wasser lugende Frosch von unten von einer Riesenwanze ausgesaugt wird, bis seine Augen brechen und er als leere Hülle ganz ins Wasser sinkt. Ihre Themen sind so vielfältig wie die Natur in ihrer Umgebung. Dillard hat die Geduld eines Jägers und ist eine Meisterin im Anpirschen, die mit derselben Freude Vögeln, Eichhörnchen, Schildkröten und Bisamratten auflauert, mit der sie mit Staunen und Entsetzen das Fress- und Paarungsverhalten von Insekten beobachtet.

Fragen nach der Sinnhaftigkeit der Schöpfung spürt sie in philosophischen, religiösen und literarischen Texten nach, zitiert Statistiken, befragt das eigene Befinden – alles in einer farbigen, lebendigen, temporeichen, humorvollen Sprache zwischen Poesie und Drastik. Pilger am Tinker Creek geht dabei weit über pure Naturbetrachtungen hinaus. Annie Dillard hat eine Schule des Sehens geschrieben, deren Ziel die Veränderung der alltäglichen Wahrnehmung ist: sehen, beobachten, benennen und sich versenken. Letzteres beschreibt sie als etwas, das nie willentlich herbeizuführen ist, wofür sie nur durch Ausdauer und große Ruhe die Bedingung schaffen kann. Dazu gehört der immer wieder unternommene Versuch, das ewige innere Gerede zum Schweigen zu bringen – dann weitet sich manchmal der Blick, und dieser Augenblick ist die absolute Gegenwart.

1996, beim ersten Erscheinen des Buches in Deutschland, schrieb Thomas Linden in der Berliner Zeitung: „ …die 22 Jahre Verspätung, mit denen ‚Pilgrim at Tinker Creek‘ bei uns eingetroffen ist, haben ihm nichts von seiner Aktualität genommen. Im Gegenteil, in unserer Zeit, in der die Welt der Information die beobachtete Welt zunehmend verdrängt, stellt dieses Buch ein rares Meisterwerk dar, das uns lehrt, über dem geduldigen Schauen wieder Erfahrungen zu machen. Insofern gehört ‚Der freie Fall der Spottdrossel‘ zu jenen Büchern, die man getrost vererben kann, weil ihre Bedeutung in Zukunft noch wachsen wird.“ Dem ist auch 2016 nichts hinzuzufügen.

Ruth Roebke, autorenbuchhandlung marx & co, Frankfurt am Main

Adventslesung für Kinder

Wilde WeihnachtswichtelAdventslesung für Kinder
am Samstag, 10. Dezember 2016
um 17 Uhr
ab 4 Jahren

13 wilde Weihnachtskerle stürmen unsere Buchhandlung für die alljährliche Adventslesung. Sie haben jede Menge Unsinn im Kopf, sie sind immer hungrig und sie haben eine Mission, denn die Weihnachtskerle kommen aus dem fernen Island. Dort gibt es zwar ganz sicher weiße Weihnacht, aber Tannenbäume, die gibt’s nicht. Weihnachten ohne Tannenbaum? Für die Geschwister Smilla und Snorre machen sich die wilden Weihnachtskerle auf die Reise, damit sie endlich mit einem echten Weihnachtsbaum Weihnachten feiern können.

Orgelmann. Felix Nussbaum – Ein Malerleben

Schaevers

Galiani Berlin, 38 €

Der Autor Mark Schaevers im Gespräch mit Anne Sibylle Schwetter

Dienstag, 15. November 2016, 20 Uhr

In den 1930er Jahren ist der Maler Felix Nussbaum eine Berühmtheit der Berliner Kunstszene, mit 23 hat er seine erste Einzelausstellung in der Galerie Casper am Halleschen Ufer und Max Liebermann soll über ihn gesagt haben: „Der wird mal beinah so jut wie ick“. Mit Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft muss er fliehen und lebt mit seiner Frau, der Malerin Felka Platek, im Exil – in Italien, in Frankreich und ab 1937 in Brüssel. Auch in der Illegalität malt Nussbaum weiter, es entstehen beeindruckende Bilder. Am 20. Juni 1944 werden die Eheleute von der Gestapo aufgespürt und nach Auschwitz deportiert.

Mark Schaevers Orgelmann erzählt die Lebensgeschichte des Malerpaars, sucht die Spuren des nach dem Krieg vergessenen Künstlers Nussbaum und dokumentiert die Geschichte der schwierigen Etablierung eines toten Malers in den internationalen Kunstbetrieb. Seit 1998 gibt es ein eigenes, von Daniel Liebeskind entworfenes Felix-Nussbaum-Haus in Osnabrück, auch das Jüdische Museum Frankfurt ist im Besitz einiger berühmter Nussbaum-Gemälde – die Bedeutung seines Werkes ist heute wieder anerkannt, von Felka Platek sind nur wenige Bilder überliefert.

Mark Schaevers ist Journalist und Autor. Er lebt in Brüssel und hat zahlreiche Bücher veröffentlicht, u.a. in Zusammenarbeit mit Hugo Claus. 2015 veröffentlichte er ein Buch über den Sommer 1936 in Ostende: Oostende, de zomer van 1936: Irmgard Keun, Egon Erwin Kisch, Joseph Roth, Stefan Zweig aan de Belgische kust.

Anne Sibylle Schwetter, Kunsthistorikerin, ist seit über 10 Jahren wissenschaftliche Mitarbeiterin und Kuratorin am Felix-Nussbaum-Haus Osnabrück.

Diese Veranstaltung wird gefördert von: Flandern & die Niederlande – Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2016.

Liebe, Kapitalismus, Online Dating

Kai Dröge und Olivier Voirol berichten von den Ergebnissen ihres Forschungsprojekts

Montag, 10. Oktober 2016, 20.00 Uhr

Prismen – Institut für Sozialforschung bei Marx & Co

Die affektiven Beziehungen in den digitalen Medien realisieren heute tatsächlich eine Art »Kapitalismus der Liebe«, einen Partnerschaftsmarkt, der extensive Selbstvermarktung fordert. Gleichzeitig aber hoffen die Nutzer_innen auf emotionale Verbindungen jenseits des bloß rationalen Kalküls. Hier aktualisiert sich eine Spannung, die für die Geschichte der modernen Gesellschaft insgesamt charakteristisch ist: Einerseits entwirft das moderne Liebesideal mit der Betonung von Intimität, Emotionalität und »Höchstpersönlichkeit« (Luhmann) eine Art Gegenwelt zum »kalten«, rationalen und unpersönlichen Tausch auf dem Markt. Andererseits ist die Liebe aber auch fester Bestandteil der kapitalistischen Gesellschaftsordnung, etwa in Gestalt des bürgerlichen Ehe- und Familienmodells.

Kai Dröge und Olivier Voirol haben die heutige Lebenswelt des Online Dating in einem breit angelegten Forschungsprojekt untersucht. Ihre Interviews mit Nutzer_innen zeigen, wie hier ökonomische Rationalisierungsprozesse greifen. Gleichzeitig ist aber auch im Netz das Versprechen einer Gegenwelt zur reinen Marktvergesellschaftung keineswegs vergessen. Interessanterweise sind es gerade diese,
dem Markt eigentlich äußeren Aspekte, die Online Dating erst zu einem so lukrativen Geschäft für die Anbieter machen.

Kai Dröge, Dr., ist assoziierter Wissenschaftler am Institut für Sozialforschung und Dozent und Modulleiter an der Hochschule Luzern. Er studierte Soziologie, Philosophie und Informatik in Siegen und Gießen und promovierte 2009 in Gießen. Er lehrt und forscht zur Soziologie des Ökonomischen, zu Kultur- und Mediensoziologie sowie zu Methoden der qualitativen Sozialforschung.

Olivier Voirol, Dr., ist assoziierter Wissenschaftler am Institut für Sozialforschung und Senior Lecturer an der Universität Lausanne. Er studierte Sozialwissenschaften in Lausanne, Frankfurt und Paris und promovierte 2005 in Paris. Er lehrt und forscht über Kritische Theorie, Anerkennungstheorie, Kulturindustrie, Kultur- und Kommunikationssoziologie sowie Internet- und Techniksoziologie.

 

Bilderbuchferien für Kindergarten- und Grundschulkinder

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Im Kampf gegen Nazideutschland. Die Berichte der Frankfurter Schule für den amerikanischen Geheimdienst 1943–1949

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Campus Verlag, 39,95 €

Hubertus Buchstein im Gespräch mit Christine Pries

Mittwoch, 13. Juli 2016, 20 Uhr

Prismen – Institut für Sozialforschung bei Marx & Co

Franz Neumann, Herbert Marcuse und Otto Kirchheimer, vom Nationalsozialismus zur Flucht gezwungen, stießen im Exil zum Institut für Sozialforschung, das seit 1934 in einem Gebäude der New Yorker Columbia University Asyl gefunden hatte. 1943 traten die drei so unterschiedlichen Gelehrten in den Dienst des Office of Strategic Services (OSS) ein, des Vorläufers der CIA.

In der Mitteleuropa-Sektion der Forschungs- und Analyseabteilung des OSS verfassten sie Berichte über das soziale, politische und ökonomische Leben in der NS-Diktatur, über Hitlers Kriegsstrategien und die Rolle des Antisemitismus in Nazideutschland. Entstanden sind hellsichtige Analysen, die sich zu einem komplexen Bild der neuartigen totalitären Herrschaftsordnung fügen. Darüber hinaus entwickeln die drei Mitarbeiter Pläne für den Wiederaufbau einer demokratischen und sozialistischen Gesellschaft nach dem Zusammenbruch des Dritten Reichs, und sie erkunden die juristischen Möglichkeiten, die für den nationalsozialistischen Terror Verantwortlichen strafrechtlich zu verfolgen.

Obgleich die ursprünglich anonymen Texte seit 40 Jahren zugänglich sind, wurden die Verfasser der meisten Berichte erst jetzt identifiziert. Im Frühjahr dieses Jahres sind die vom Historiker Raffaele Laudani edierten Dokumente in der Übersetzung von Christine Pries in der Schriftenreihe des IfS erschienen. Christine Pries moderiert das Gespräch mit dem Politikwissenschaftler Hubertus Buchstein.

Hubertus Buchstein, Dr. phil., ist Professor für Politische Theorie und Ideengeschichte an der Ernst Moritz Arndt Universität Greifswald. Er leitet die Edition der Gesammelten Schriften von Otto Kirchheimer. Hubertus Buchstein ist Verfasser u. a. von Demokratie und Lotterie. Das Los als politisches Entscheidungsinstrument von der Antike bis zur EU. Frankfurt a. M. / New York, Campus 2009. Jüngst ist von ihm erschienen Typen moderner Demokratietheorien – Überblick und Sortierungsvorschlag. Wiesbaden 2016, Springer VS, 9,99 €

Christine Pries, Dr. phil., ist Philosophin, Publizistin und Übersetzerin. Für ihre Übersetzung von Luc Boltanskis Rätsel und Komplotte – Kriminalliteratur, Paranoia, moderne Gesellschaft wurde sie 2013 mit dem Raymond-Aron-Preis ausgezeichnet.

 

Siegerkunst – Neuer Adel, teure Lust. Wolfgang Ullrich im Gespräch mit Heinz Drügh

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Wagenbach Verlag, 2016, € 16,90

Mittwoch, 29. Juni 2016, 20 Uhr

Siegerkunst ist Kunst für Sieger 
Mein Auto, mein Haus, mein Picasso 
Was hat das noch mit Kunst zu tun?

Wolfgang Ullrich, bekannt als Autor zahlreicher Bücher zur Bildästhetik und durch seine Kolumne im Kunstmagazin art, widmet sich in seiner neuesten Publikation Siegerkunst, Neuer Adel, teure Lust einem Phänomen auf dem Kunstmarkt, das die Moderne mit ihrer zentralen Auffassung einer autonomen Kunst für überwunden gehalten hatte: Dass Kunst wie in feudalen Zeiten für den privaten Besitz und nicht für die Öffentlichkeit sei.

Vor 30 Jahren boomten die Museumsbauten, Frankfurt erhielt ein ganzes Museumsufer. Heute stellt sich die Frage, ob sich die Museen ihre Bilder überhaupt noch leisten können. 2011 scheiterte das Städel bei dem Versuch, die Darmstädter Madonna von Holbein zu ersteigern. Der Schraubenhersteller Würth erwarb sie für geschätzte 50 Millionen Euro. Zahlreiche Bilder verschwinden in den Schlafzimmern der Reichen: Baselitz, Richter, Horn, Vo, Immendorf, Koons.

Wie beeinflusst dieser neue Markt die Kunst? Lässt sie sich überhaupt noch als selbstbestimmt denken? Oder bedient sie heute nurmehr den Geschmack der Erfolgreichen und Mächtigen?

Wolfgang Ullrich diskutiert mit Heinz Drügh über den Wert von Kunst in der Konsumgesellschaft, den Auftrag von Museen, den Sinn des Gesetzes zum Schutz von Kulturgut und den Kunstbetrieb.

Wolfgang Ullrich war von 2006 bis 2015 Professor für Kulturwissenschaft und Medientheorie an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe.

Heinz Drügh ist Professor für Literatur und Ästhetik an der Goethe-Universität. Ästhetik des Supermarkts ist seine letzte Publikation.

 

Michael Eberth und Oliver Reese im Gespräch mit Karlheinz Braun

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Alexander Verlag, 24,90 €

Donnerstag, 2. Juni 2016, 20 Uhr

Buchvorstellung – Einheit. Berliner Theatertagebücher 91-96

Michael Eberth erzählt in seinen „Berliner Theatertagebüchern“ den komplizierten Prozess der Wiedervereinigung am Beispiel des Deutschen Theaters Berlin, dem ehemaligen Staatstheater der DDR, in der Nachwendezeit.
1990 folgte Eberth dem Ruf Thomas Langhoffs als Chefdramaturg an das Deutsche Theater. Langhoff, mit dem Eberth eine langjährige Arbeitsbeziehung verband, entschied sich bewusst für einen „Westdramaturgen“. Eberth war gespannt auf das Neue – und stieß auf menschlich, organisatorisch und vor allem künstlerisch fremde Strukturen, die ihn an den Rand der Verzweiflung brachten.

Eberths Tagebücher sind ein außergewöhnliches Dokument über die Schwierigkeiten der Wiedervereinigung auf dem Boden des Deutschen Theaters. Sie sind ein theatergeschichtliches Zeitzeugnis und geben teils haarsträubende Einblicke hinter die Kulissen des von Eitelkeiten und Wahn durchdrungenen Kunst- und Politikbetriebs der neuen Hauptstadt. Sie sind ein leidenschaftliches Plädoyer für eine alte und vermeintlich unzeitgemäße Kunst.

Michael Eberth, geb. 1943, war Dramaturg an Theatern in Berlin, Frankfurt, Hamburg, München, Wien und arbeitete mit Regisseuren wie Andrea Breth, Jürgen Gosch, Sebastian Hartmann, Alexander Lang, Thomas Langhoff, Claus Peymann und Stefan Pucher. Er hatte Gastprofessuren und Lehraufträge im In- und Ausland. Eberth lebt als Autor und Übersetzer in Berlin.

Oliver Reese, geb. 1964, ist Intendant des Frankfurter Schauspiels. Er war Dramaturg in München, Ulm und von 1994 bis 2001 Chefdramaturg am Maxim Gorki Theater Berlin, danach Chefdramaturg am Deutschen Theater Berlin, wo er u.a. mit Hans Neuenfels, Robert Wilson, Michael Thalheimer und Jürgen Gosch arbeitete. In der Spielzeit 2008/09 war er Intendant am Deutschen Theater.

Karlheinz Braun, geb. 1932.  Von 1959 bis1969 Leiter des Theaterverlags Suhrkamp, zugleich Sekretär der Deutschen Akademie der darstellenden Künste und (zusammen mit Peter Iden) Leiter der Frankfurter experimenta-Festivals 1-5. Mitgründer und Geschäftsführer des Verlages der Autoren 1969 bis 2003, von 1976 bis 1979 Geschäftsführender Direktor vom Schauspiel Frankfurt.

Buchbesprechung von Karl Heinz Braun: http://faustkultur.de/index.php?article_id=2407

 

Franz Mon zum 90. – Im Gespräch mit Sascha Michel

monmonmon»Wir haben Sprache, und sie hat uns.«

Dienstag, 3. Mai 2016, 20 Uhr

Was machen wir mit der Sprache, wenn wir sprechen und schreiben, uns artikulieren und lesen? Was macht die Sprache mit uns? Der in Frankfurt lebende Autor Franz Mon experimentiert schon seit den frühen 1950er Jahren mit Buchstaben und Worten und gehört damit zu den Grün­dern der konkreten Poesie und der experimentellen Literatur.

In seinen Gedichten, Hörspielen und Collagen macht er unsere Alltags­sprache spürbar, schafft »Wörter voller Worte«, raubt und verdreht ihren Sinn, bringt Wörter spielerisch zusammen, »die sich sonst nie kennengelernt hätten«. Wie bei jedem Spiel ist das alles nur möglich, weil es Regeln gibt. Zugleich aber führen uns Franz Mons (Er-)Findungen ins Offene und Überra­schende. Im Spiel mit den unendlichen Möglichkeiten der Sprache können wir erfahren, wie frei wir sind.

Anlässlich seines 90. Geburtstages und der aktuellen Publikation Sprache lebenslänglich, Gesammelte Essays laden wir Franz Mon, den »hoch­begabten Konstrukteur komischer Versuchsanordnungen«, zu einem Gespräch mit seinem Lektor Sascha Michel (S. Fischer Verlag) ein.

Franz Mon, Sprache lebenslänglich, Gesam­melte Essays, hrsg. von Michael Lentz, Fischer Verlag 2016, 656 S., € 24,99